DHB-Chef Michelmann vor der WM: "Wir hoffen auf eine Handball-Euphorie"

DHB-Präsident Andreas Michelmann

WM 2019 in Deutschland und Dänemark

DHB-Chef Michelmann vor der WM: "Wir hoffen auf eine Handball-Euphorie"

Von Jörg Strohschein

Im Januar 2019 wird in Deutschland und Dänemark die Handball-WM ausgetragen. Nach dem frühen deutschen Aus bei der EM 2018 soll das Weltturnier in Deutschland bestenfalls eine Handball-Euphorie entfachen, sagt DHB-Präsident Andreas Michelmann im Interview.

Herr Michelmann, in weniger als 100 Tagen beginnt die Handball-WM in Deutschland und Dänemark. Wie bewerten Sie den Stand der Vorbereitungen?

Andreas Michelmann: Die Vorbereitungen laufen, der Kartenvorkauf läuft auch, zum Glück gut. Mannschaft und Trainer haben auch wieder zueinander gefunden. Jetzt beginnt die heiße Phase mit den letzten Vorbereitungsspielen. Wir sind also voll im Plan.

Was erwarten Sie von dieser WM?

Michelmann: Die Vorfreude darauf, dass wir wieder so ein großes Turnier im eigenen Land haben, ist groß. Wir haben aber mit dem Turnier 2007, als wir den Titel geholt haben, ein ziemliches Erfolgsmodell vor der Brust. Und es geht auch ein politisches Signal von diesem Turnier aus. Dass das Eröffnungsspiel gegen eine gemeinsame koreanische Mannschaft stattfindet und das auch noch im ehemals geteilten Berlin, hat natürlich eine Symbolkraft, die kaum zu überbieten ist.

Michelmann: "Vorfreude ist groß"

Sportschau | 12.10.2018 | 02:43 Min.

Nach der völlig verkorksten EM im Januar schien eine Zusammenarbeit kaum noch möglich. Wie würden Sie das Verhältnis zwischen Trainer Christian Prokop und seinen Spielern mittlerweile beschreiben?

Michelmann: Wir wollten die Zeit danach nutzen, um diese EM genau zu analysieren. Der Trainer hat diese auch genutzt, um mit den Spielern einzeln und auch in Gruppen zu sprechen. Und er war auch bei Regionaltrainingseinheiten vor Ort. Ich habe das Gefühl, dass die Kommunikation zwischen beiden Seiten besser ist, als sie es bei der EM war. Aber wir werden sehen, wir gut das wirklich funktioniert, wenn es hart auf hart kommt.  

Ist allzu große Harmonie für eine Mannschaft schädlich?

Christian Prokop

Michelmann: Wie man bei einer befreundeten Sportart bei der jüngsten WM im Sommer gesehen hat, ist diese zumindest nach außen getragene Harmonie nicht immer leistungsfördernd. Tatsächlich sind offen ausgetragene Auseinandersetzungen manchmal ganz gut reinigend. Wir wollen sehen, was dabei herauskommt.

Inwieweit werden Sie auch nochmal Einfluss nehmen?   

Michelmann: Wir sind die ganze Zeit in Kontakt mit dem Trainer. Es gibt vier Ansprechpartner für ihn, unter anderem auch mich. Darauf hatten wir uns nach der EM festgelegt. Es gibt eine gute und intensive Kommunikation und den Austausch von Informationen sowie eine gegenseitige Stärkung im Interesse des Erfolges, den wir bei diesem Turnier haben wollen.  

Gehen Sie auch noch auf die Mannschaft zu?

Michelmann: Das nächste Treffen ist in der nächsten Woche vor dem Spiel gegen Israel. Da wird nochmal offen mit der Mannschaft geredet.

Zwischen den Zeilen war zuletzt häufiger heraus zu hören, dass eine Teilnahme am WM-Halbfinale ein Ziel ist, dass der Verband anpeilt?

Michelmann: Klar ist, dass nur eine Euphorie entstehen kann, wenn unsere Mannschaft möglichst lange dabei ist. Wir hoffen sehr, dass wir in der Hauptrunde in Köln antreten können. Und dann vielleicht noch einen Schritt weitergehen können.

Wie bewerten Sie die Gruppe A, in der die deutsche Mannschaft antreten muss?

Michelmann: Das ist eine sehr schwere Gruppe mit Brasilien, Russland, Frankreich und Serbien. Ich weiß nicht, ob wir es schaffen gegen Russland zu gewinnen und am Tag danach auch gleich noch gegen Titelverteidiger Frankreich.  Ich gehe davon aus, dass wir mit zwei Minuspunkten in die Gruppenphase einziehen.     

Nach der überaus erfolgreichen WM 2007 blieb der Handball-Boom in Deutschland überraschend aus. Was unternehmen Sie jetzt, damit der Sport hierzulande nachhaltig von diesem Turnier profitiert?

Michelmann: Wir sorgen dafür, dass es in allen Hallen spezielle Programme für Kinder und Jugendliche gibt. In fast allen Hallen wird auch noch eine Mini-WM gespielt. Es geht nicht nur darum, Zuschauer zu den Spielen zu locken, sondern insbesondere die Kleinen und die Kleinsten. Und sollte sich eine Euphorie nach der WM entwickeln, können wir sofort mit zwei Formaten wie dem Startraining und den Grundschulaktionstagen, die wir selbst entwickelt haben, reagieren und die Kinder zum Sport bringen.    

Stand: 12.10.2018, 08:30

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