WM-Ausfall von Kühn tut dem deutschen Handball weh

Julius Kühn

Herbe Schwächung

WM-Ausfall von Kühn tut dem deutschen Handball weh

Die deutschen Handballer sind nach der schweren Verletzung von Julius Kühn schockiert. Für die Heim-WM ist der Ausfall des Top-Rückraumschützen eine herbe Schwächung.

"Drama", "Hiobsbotschaft", "Schock": Die Reaktionen auf die Kreuzband-Verletzung von Julius Kühn fielen heftig aus. Kein Wunder, der Ausfall des Top-Rückraumschützen bei der Heim-WM bedeutet für die deutschen Handballer eine herbe Schwächung.

"Uns bricht eine feste Größe mit Shooterqualität weg", sagte Bundestrainer Christian Prokop am Dienstag (30.10.2018). Auch am Tag nach der Diagnose, die er als "furchtbare und schlimme Nachricht" bezeichnete, war dem 39-Jährigen der Schock über den Kreuzbandriss seines Rückraumlinken anzumerken. "Für Julius ist es das Schlimmste, was passieren konnte", so Prokop. Durch das MRT-Ergebnis sei für Kühn "eine Welt zusammengebrochen. Er ist völlig geschockt und niedergeschlagen."

"Wesentlicher Baustein"

Der 25-Jährige, der die Knieverletzung bei der Partie im Kosovo (30:14) erlitten hatte und nun für den Rest der Saison ausfällt, galt als Hoffnungsträger für die WM im Januar. Der wurfgewaltige Rechtshänder war in der abgelaufenen Saison bester Feldtorschütze der Bundesliga und einer der Garanten des deutschen Titelgewinns bei der EM 2016.

DHB-Vizepräsident Bob Hanning nannte es ein "Drama für den Spieler, die MT Melsungen und die Nationalmannschaft". Kühn sei ein "wesentlicher Baustein" in den Planungen gewesen und vom Spielertyp in Deutschland "einmalig. Das tut richtig weh und hat auf unser Spiel erhebliche Auswirkungen."

Deutsche Handballer mit Sieg im Kosovo

Sportschau 28.10.2018 00:51 Min. ARD

Als Team gefordert

Der Rückraum gilt im deutschen Spiel ohnehin als Achillesferse, nun fallen durch die Verletzung Kühns auch noch viele der "leichten Tore" aus der zweiten Reihe weg. "Wir werden Julius nicht eins zu eins ersetzen können. Aber wir haben immer betont, dass wir über eine gewisse Breite und das Mannschaftsgefüge kommen, daran ändert sich nichts", sagte Bundestrainer Prokop. Auch wenn zurzeit die Gefühlslage der "riesigen Enttäuschung für Julius" überwiege, "kommen wir darüber hinweg. Wir verfügen über starke Spieler in der Bundesliga und haben eine Menge Alternativen."

Zuvorderst meinte Prokop damit Steffen Fäth. Der Rückraumspieler von den Rhein-Neckar Löwen ist zweifellos ein genialer Handballer, ruft sein Potenzial allerdings zu selten ab. "Er hat beim Lehrgang und dem Spiel im Kosovo einen guten Eindruck hinterlassen", sagte Prokop. Doch auch Fabian Böhm (Hannover) und Niclas Pieczkowski (Leipzig) sind nun noch mehr gefordert, von hinten drängt Youngster Marian Michalczik (21/Minden) ins Team.

Casting in der Bundesliga

Die kommenden Wochen in der Bundesliga dürften damit doch noch zu einem kleinen Casting werden, denn viel Zeit bleibt Prokop bis zum WM-Auftakt am 10. Januar nicht. Schon am 10. Dezember wird er einen vorläufigen 28er-Kader nominieren, der nach den verbleibenden Testspielen gegen Polen (12. Dezember), Tschechien (4. Januar in Hannover) und Argentinien (6. Januar in Kiel) bis zum Turnierstart auf 16 Spieler reduziert werden muss.

dpa/sid | Stand: 30.10.2018, 13:55

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