Handball - Kim Naidzinavicius will sich endlich belohnen

Kim Naidzinavicius

Vor der Handball-WM

Handball - Kim Naidzinavicius will sich endlich belohnen

Nach zwei verpassten Turnieren führt Kim Naidzinavicius die deutschen Handball-Frauen als Kapitänin zur WM nach Japan. Dort will das Team den nächsten Schritt in Richtung Olympia-Qualifikation machen. Für die 28-Jährige wäre Tokio 2020 auch eine Art Entschädigung. Im letzten Test gegen Montenegro geht es um den Feinschliff.

Die Szene war dramatisch. Gleich im Auftaktspiel der lange ersehnten Handball-Heim-WM im Dezember 2017 zog sich Kim Naidzinavicius gegen Kamerun schon nach 140 Sekunden einen Kreuzbandriss im linken Knie zu. Ohne ihre wohl wichtigste Rückraumspielerin schied das deutsche Team danach schon im Achtelfinale aus.  

Erst zehn Monate später kehrte sie bei zwei Testspielen gegen Russland ins DHB-Team zurück. Doch dann der nächste Schock: Kurze Zeit später, im November 2018, rissen Innen- und Außenmeniskus im gleichen Knie - und Naidzinavicius verpasste auch die EM in Frankreich.

Zurück ins Team gekämpft

"Ich war extrem niederschlagen und traurig", sagte Naidzinavicius. Der Moment der erneuten Verletzung habe sich angefühlt, als wäre die harte Arbeit in der Reha "für nichts gewesen".  Gedanken an ein vorzeitiges Karriereende habe sie aber nie verschwendet. "Mental war es dennoch schwierig", berichtete sie. Dennoch kämpfte sich die Regisseurin unterstützt von der Familie und von Freunden zurück ins Team.

Jetzt soll nichts mehr schiefgehen. Nach zwei verpassten Turnieren führt die die 28-Jährige die deutschen Handballerinnen als Kapitänin zur WM nach Japan. Wie wichtig sie ist, zeigte sie bei ihrem Comeback im Juni. Da ging sie in den beiden Playoff-Spielen gegen Kroatien voran und sicherte dem Team die WM-Teilnahme.

Das Ziel heißt Tokio

Dort will die Mannschaft von Bundestrainer Henk Groener mindestens Siebter werden. Das wäre gleichbedeutend mit einem Ticket für eines der drei Olympia-Qualifikationsturniere im März 2020. Nur der Weltmeister qualifiziert sich direkt für die Olympischen Spiele in Tokio.

 "Wir treffen auf hammerharte Gegner, aber unsere Mannschaft hat sich auch gut entwickelt. Wir sind optimistisch, dass wir in Japan unser Ziel erreichen", erklärte die Spielführerin, die in der Bundesliga für die SG BBM Bietigheim aufläuft und dort 2017 und 2019 die deutsche Meisterschaft holte.

Feinschliff gegen Montenegro

Im letzten WM-Test gegen Montenegro am Donnerstag (21.11.2019) in Stuttgart will sich das deutsche Team weiter einspielen und Selbstvertrauen holen für das Weltturnier. Schon am Freitag geht es via Frankfurt nach Japan, wo nach einem Kurz-Trainingslager am 30. November das Turnier mit dem Auftaktspiel gegen Brasilien startet.

Komplette Handballerin mit Weltklasseformat

Die 1,85 Meter große Naidzinavicius ist die unumstrittene Führungspersönlichkeit im Team und gilt als komplette Handballerin, die offensiv wie defensiv glänzt, die ein Spiel lenken und entscheiden kann - eine Unterschied-Spielerin mit Weltklasseformat.

100 Länderspiele hat die gelernte Sport- und Fitnesskauffrau seit ihrem Debüt 2012 gemacht. 237 Tore hat sie erzielt. Keine andere Spielerin aus dem aktuellen WM-Kader kommt da heran. Ihre Statistiken wären weitaus besser, wären da nicht die beiden schweren Verletzungen gewesen.

"Sehnsucht nach Olympia"

"In mir steckt eine große Sehnsucht nach Olympia", sagte sie der "Ludwigsburger Kreiszeitung". Platz sieben bei der WM und die erste Teilnahme an Olympischen Spielen wären für Naidzinavicius auch eine Art Belohnung und Entschädigung für die jüngsten Rückschläge.

vdv/sid/dpa | Stand: 21.11.2019, 09:35

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