Handball-Bundestrainer setzt auf neues Torhüter-Duo

Bangt um die EM-Teilnahme: Silvio Heinevetter

Heinevetter nicht im Kader des DHB-Teams

Handball-Bundestrainer setzt auf neues Torhüter-Duo

Bundestrainer Christian Prokop baut in den letzten Handball-Länderspielen des Jahres 2019 auf ein neues Torhüter-Duo. Silvio Heinevetter muss ernsthaft um seine EM-Teilnahme bangen.

Die Nachricht des Tages versteckte Christian Prokop in einem Nebensatz. Knapp neun Minuten dauerte die Pressekonferenz bereits, da verkündete der Bundestrainer die neue deutsche Torhüter-Hierarchie für die kommenden Aufgaben: Europameister Andreas Wolff und der Neu-Kieler Dario Quenstedt bilden das Gespann für die richtungsweisenden Partien der deutschen Handballer gegen Kroatien (23. und 26. Oktober). Der Berliner Silvio Heinevetter, zuletzt als Stammkeeper neben Wolff gesetzt, ist erst mal raus.

Kleiner Paukenschlag

"Bei Silvio war etwas Enttäuschung zu spüren, weil er sich im Kreise der Nationalmannschaft auch immer wohlfühlt", sagte Prokop später über das Telefonat mit Heinevetter, dem mit 192 Länderspielen mit Abstand erfahrensten aktuellen Nationalspieler. Der formstarke Quenstedt (13 Länderspiele) habe sich hingegen "riesig" über die Nominierung gefreut. "Die Gefühlswelten sind völlig unterschiedlich. Das ist logisch", so Prokop.

Mit seinem Kader sorgte Prokop am Montag (14.10.2019) für einen kleinen Paukenschlag in der Szene - und für ein klares Statement 87 Tage vor der EM. Die Bedeutung des bevorstehenden Lehrgangs ist mit Blick auf das Turnier in Norwegen, Österreich und Schweden elementar, ist es doch die letzte gemeinsame Trainingswoche, bevor es am 2. Januar in die unmittelbare EM-Vorbereitung geht. Prokop selbst sprach von einer "wichtigen Etappe" und "entscheidenden Woche vor der Europameisterschaft".

EM-Zug noch nicht abgefahren

Bei aller "Bedeutung" der Nominierung betonte der DHB-Coach aber auch, dass der EM-Zug für Heinevetter, der mit Unterbrechungen seit 2006 quasi zum Inventar der Nationalmannschaft zählt, noch nicht abgefahren ist. "Alles ist immer möglich. Wir haben vier Torhüter, die in der engeren Auswahl für Turniere stehen", sagte Prokop. Die Tür stehe "in beide Richtungen weiterhin offen". Möglich ist also auch, dass Heinevetter, der seine Nichtnominierung zunächst gegenüber dem SID nicht kommentieren wollte, sein 200. Länderspiel nicht mehr erleben wird.

Quenstedt freute sich unterdessen riesig. "Diese Nominierung zeigt mir, dass der eingeschlagene Weg, raus aus der Komfortzone und Wechsel nach Kiel, und die damit neu gesteckten Ziele richtig waren. Ein Teilziel ist für mich mit der Nominierung erreicht", sagte der 30-Jährige, der im Sommer vom SC Magdeburg nach Kiel gewechselt war, dem SID: "Solange ich fit und gesund bleibe, will ich meine Einsatzzeiten bestmöglich nutzen, um mich für eine mögliche Nominierung für ein großes Turnier beim Bundestrainer zu empfehlen."

Auch Groetzki und Musche "wackeln"

Neben Heinevetter "wackeln" vor der EM mit Rechtsaußen Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen) und Linksaußen Matthias Musche (SC Magdeburg) zwei weitere arrivierte Kräfte. Beide wurden für die Kroatien-Spiele nicht berücksichtigt. Mit dabei ist hingegen erstmals wieder Rückraumspieler Julius Kühn, der die Heim-WM im Januar wegen eines Kreuzbandrisses verpasst hatte.

Angeführt wird die Nationalmannschaft von Kapitän Uwe Gensheimer. Der Linksaußen der Rhein-Neckar Löwen ist mit 172 Länderspielen der erfahrenste und am 26. Oktober mit dann 33 Jahren älteste Akteur im Kader für Kroatien. Als zweiten Linksaußen berief Prokop wie in den Juni-Länderspielen gegen Israel und den Kosovo den Göppinger Marcel Schiller. Erstmals im Aufgebot der A-Nationalmannschaft steht der Leipziger Luca Witzke für die Rückraummitte.

sid | Stand: 14.10.2019, 15:17

Darstellung: