Handball-EM der Frauen

Die Corona-EM: Handball in der Bubble

Von Maike Elger

16 Teams kämpfen ab Donnerstag in Dänemark um den Europameisterschaftstitel der Handball-Frauen. Das Hygienekonzept umfasst zahlreiche Testungen, eine rote Zone und Ausschluss vom Turnier bei Nichteinhaltung.

Ob die Handball-EM 2020 überhaupt stattfinden kann, darüber herrschte lange Unklarheit. Mitte November hatte Co-Gastgeber Norwegen seinen Rückzug erklärt, das ganze Turnier stand auf der Kippe. Ein paar Tage später Entwarnung und Erleichterung: Dänemark kündigte an, die EM alleine auszurichten. Damit das gelingt, wurde in Zusammenarbeit mit Ärzten ein detailliertes Konzept entwickelt, um die Risiken zu minimieren.

Hygienekonzept beginnt vor Turnierstart

Das Hygienekonzept des europäischen Verbandes und der dänischen Ausrichter beginnt schon in der Vorbereitung der Teams auf das Turnier. "Die Mannschaften haben von uns ein Testregime bekommen, wie oft sie in den Trainingslagern testen müssen, weil wir ja mit den Inkubationszeiten rechnen müssen", erklärt der Generalsekretär der Europäischen Handballföderation (EHF) Martin Hausleitner im Sportschau-Interview, "und es ist uns ein hohes Anliegen, dass die Teams mit gesunden Akteuren anreisen."

Zur Einreise nach Dänemark wird ein negativer Test benötigt, der nicht älter als 72 Stunden sein darf. Nach Ankunft wird noch am Flughafen oder im Mannschaftshotel erneut getestet, bis zum Ergebnis müssen sich die Spielerinnen und Staff-Mitglieder isolieren. "Und dann gibt es zwei Wege", erklärt Hausleitner das Prozedere, "ist kein positiver Test dabei, geht die Mannschaft in den Trainings- und Spielbetrieb. Falls ein positiver Test dabei sein sollte, dann wird die Mannschaft isoliert und getestet - so lange bis die ganze Mannschaft negativ getestet und die Leute heraus isoliert werden, die ein positives Resultat abgegeben haben." Letzterer Fall ist bereits einmal eingetreten. Beim ersten Gegner des DHB-Teams Rumänien kam ein positiver Coronatest zurück. Am Mittwochmittag kam dann die Meldung, dass die Auftaktpartie wie geplant stattfinden kann.

Coronatests erst täglich, dann alle 72 Stunden

Im schlimmsten Fall droht den Rumäninnen ein kompletter Ausschluss. Auch dieser Fall ist geregelt: Sollte sich vor Turnierstart am Donnerstag herausstellen, dass komplette Teams nicht spielfähig sind, stehen mit Österreich und der Slowakei die besten nichtqualifizierten Teams der Qualifikation als Nachrückerinnen bereit. Tritt dieser Fall während des Turniers ein, scheidet die Mannschaft ersatzlos aus der EM aus. Wann ein Team nicht spielfähig ist, entscheidet im Einzelfall die Turnierleitung in Dänemark.

Fallen einzelne Spielerinnen vor oder während des Turniers wegen einer Covid-19-Infektion aus, haben die Trainer die Möglichkeit, Spielerinnen aus dem 30er-Kader nachzunominieren.

Getestet wird in den ersten fünf Tagen des Events täglich, anschließend alle 72 Stunden. Potenziell nachrückende Spielerinnen müssen sich während der EM nicht in einer strikten Quarantäne befinden. "Es ist eine Quasi-Isolation", erklärt DHB-Sportvorstand Axel Kromer, "Aber es ist auch klar, dass sich die Spielerinnen in Form halten müssen. Sie sollen Kontakte vermeiden, aber auch im Falle einer Nachnominierung im Training sein."

Die rote Zone

Alle Spielerinnen, Teamverantwortlichen und Offiziellen, die direkt am Spielgeschehen teilnehmen, befinden sich über die gesamte Europameisterschaft in einer abgeschlossenen "Bubble". "Die rote Zone beinhaltet das Hotel, die Transportmittel und dann einen abgetrennten Bereich am Spielort, der wiederum die Garderoben, die Zugänge zum Spielfeld und das Spielfeld beinhaltet. Und in diesem Bereich bewegen sich die Spielerinnen und haben in der Zeit zur Außenwelt keinen Kontakt", so Hausleitner.

Das Hotel wird zusätzlich von Security-Mitarbeitern bewacht und abgeschirmt. Ein Treffen von Spielerinnen unterschiedlicher Teams ist außerhalb des Spielfelds nicht zugelassen, jedes Team hat ein eigenes Stockwerk im Hotel und abgetrennte Räume. Es gibt nur eine Möglichkeit für Spielerinnen das Hotel zu verlassen: Mit dem Team-Bus kann man für einen Spaziergang in ein abgelegenes, abgesperrtes Gelände fahren.

Ausschluss bei Nichteinhaltung

Wer die rote Zone einmal verlässt, kommt nicht wieder rein. "Das ist eine Bedingung, unter der wir die Veranstaltung durchführen dürfen. Wer sich nicht an die Regeln hält, wird ausgeschlossen vom Turnier", erklärt der EHF-Generalsekretär. Ausnahmen gibt es selbstverständlich für notwendige Arztbesuche oder ähnliches. "Wenn Spielerinnen aus der Zone raus müssen, gibt es ein Prozedere, wie es weitergehen kann." Dazu gehört zum Beispiel eine erneute Isolation.

400 Personen in der Halle

Für die Sportlerinnen selbst seien die Einschränkungen gar nicht so sehr spürbar, glaubt Hausleitner. "Für den Spitzensportler selbst ist es kaum ein Unterschied, weil er einen sehr eng getakteten Plan hat bei einem Großereignis von der Morgenaktivierung, über das Frühstück über das Training, der Videobesprechung, Mittagessen, Nachmittagsruhe."

Ein großer Unterschied dürfte jedoch die Atmosphäre in der Halle sein. Um die 400 Personen werden sich während eines Spiels in der Halle aufhalten, schätzt Hausleitner. "Es sind 200 Gäste gestattet, nach dem dänischen Veranstaltungsgesetz. Und dann haben wir natürlich die akkreditierten Leute, die die TV-Produktion machen, die Medienleute, der Organisationsstaff, der die Spielstatistik macht."

Abbruch nicht ausgeschlossen

Gibt es trotz des detaillierten Konzepts ein Szenario, in dem die EM nicht zu Ende gespielt werden könnte? "Ich würde das nicht ausschließen", so Hausleitner, "also wenn ich heute sage, es gibt kein Szenario, dann hätte ich aus dem letzten Jahr nichts gelernt. Aber natürlich ist viel vorbereitet, dass das Turnier zu Ende gespielt werden kann."

Julia Behnke über die EM-Ziele der Nationalmannschaft Sportschau 29.11.2020 01:49 Min. Verfügbar bis 29.11.2021 Das Erste