Handball-EM - Deutsche Frauen zumindest ein Geheimtipp

Das DHB-Team will bei der EM den nächsten Schritt machen

Titelkämpfe in Dänemark

Handball-EM - Deutsche Frauen zumindest ein Geheimtipp

Von Maike Elger

Am Donnerstag (03.12.2020) starten die deutschen Handballerinnen in die Europameisterschaft. Zu den großen Favoriten auf den Titel gehört das Team von Bundestrainer Henk Groener nicht. Doch die Chancen stehen nicht schlecht, dass es eine Überraschung landen könnte.

Wer das Überraschungsteam der EM werden könnte? Darauf hat Nationalspielerin Julia Behnke eine klare Antwort: "Wir hoffentlich", sagt sie im Sportschau-Interview, "wir haben in den vergangenen Jahren wirklich hart gearbeitet, waren immer nah dran und jetzt ist hoffentlich mal unsere Zeit."

Nah dran, das waren sie in der Vergangenheit tatsächlich. Sowohl bei der EM 2018 als auch bei der WM 2019 fehlte lediglich ein Tor, um ins Halbfinale einzuziehen. Seit der ersten Austragung 1994 war das DHB-Team bei jedem EM-Turnier dabei und konnte doch nur eine einzige Medaille gewinnen. In diesem Jahr soll sich diese Statistik ändern.

EM-Vorbereitung ohne Bundestrainer

Wie unberechenbar und unplanbar diese Europameisterschaft jedoch werden könnte, durfte das deutsche Team bereits vorab spüren: Der Rückzug des Co-Gastgebers Norwegen, Ungewissheit darüber, ob das Turnier überhaupt stattfinden würde, die Verlegung des deutschen Vorrundenspielortes, die Absage des Vorbereitungsturniers. Und auch das Trainingslager lief nicht optimal. Viele Spielerinnen, darunter Behnke, konnten an Lehrgängen coronabedingt nicht teilnehmen und reisten auch erst verspätet zur EM-Vorbereitung an.

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"Natürlich ist es nicht so einfach, wenn die Mannschaft nicht vollzählig ist. Emily [Bölk, Anm. d. Red.] und ich waren aufgrund von Corona genau ein Jahr nicht bei der Nationalmannschaft. So ist es natürlich wichtig, dass man jedes Training nutzt", erzählt Behnke: "Aber letztlich sind wir nicht die einzige Nation, der es so geht."

Anders als bei anderen Nationen fehlte dem DHB-Team jedoch auch der Bundestrainer. Henk Groener musste wegen einer Corona-Infektion in Quarantäne und konnte bisher noch nicht zum Team stoßen. Das DHB-Team hofft, dass er bis zum ersten Spiel gegen Rumänien nach Dänemark reisen kann. Das Training leitet vertretungsweise Juniorinnen-Trainer André Fuhr. Co-Trainer Alexander Koke konnte auch erst verspätet zur Nationalmannschaft reisen, da er sich auch noch in Isolation befunden hatte.

Handball-EM: Die Schlüsselfiguren im DHB-Team Sportschau 01.12.2020 01:03 Min. Verfügbar bis 01.12.2021 Das Erste

Aufwärtstrend dank Henk Groener

Groener ist maßgeblich für den Aufwärtstrend der deutschen Handballerinnen verantwortlich. Seit 2018 fungiert er als Headcoach, die Mannschaft hat sich sichtbar weiterentwickelt. "Er fordert von uns Spielerinnen, dass wir sehr viel mitdenken. Wir schauen viel mehr Video, kommunizieren viel mehr und bereiten uns so auch schon anders auf Spiele vor", sagt Behnke.

Das sieht man im Spiel. Unter Groener geht das Team sehr gut vorbereitet in die Partien. Im Mittelpunkt steht die persönliche Leistung: "Wir versuchen, den Fokus nicht so auf den Gegner zu legen, sondern zu schauen, wo unsere Stärken sind".

Starke Abwehr und leichte Tore

Die Stärke des deutschen Teams ist eine stabile Abwehr mit Kapitänin Kim Naidzinavicius als Chefin. Xenia Smits, die nach einer Verletzung zurückgekehrt ist, gibt weitere Stabilität. Im Zusammenspiel mit guten Torhüterinnen sollen durch ein gutes Umschaltspiel einfache Kontertore fallen.

Wenn Spielerinnen wie die Rückraumschützin Emily Bölk ins Rollen kommen und viele Tore aus Gegenstößen fallen, könnte es das deutsche Team weit schaffen bei dieser EM.

Julia Behnke über die EM-Ziele der Nationalmannschaft Sportschau 29.11.2020 01:49 Min. Verfügbar bis 29.11.2021 Das Erste

"Als unsere Schwäche schätze ich so ein bisschen die letzte Überzeugung ein. Wir gehen in die wichtigsten Spiele mit zu viel Respekt", sagt Behnke. In der Vergangenheit schlug man favorisierte Teams in der Vorrunde, um dann gegen vermeintlich leichtere Gegner ins Straucheln zu geraten: "Ich glaube, da können wir an Abgezocktheit noch mehr bieten."

Harte, aber machbare Vorrunde

Abgezocktheit könnten sie dieses Mal schon in der Vorrunde gebrauchen. Das Star-Ensemble von Norwegen und die von Ausnahmehandballerin Cristina Neagu angeführten Rumäninnen sind die großen Favoriten in der deutschen Gruppe. Erst im letzten Vorrundenspiel gegen Polen hat Deutschland auf dem Papier die besseren Karten. "Natürlich sind das sehr starke Gegner, aber wir müssen uns nicht verstecken", sagt Behnke.

Drei Mannschaften ziehen in die Hauptrunde ein. Um gute Chancen auf den Halbfinaleinzug zu haben, sollten möglichst viele Punkte mitgenommen werden. Ein Sieg im ersten und/oder zweiten Spiel würde die Ausgangssituation schon ungemein verbessern.

Stand: 01.12.2020, 07:00

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