DHB-Frauen gegen Tschechien: Emily Bölk auf Mutters Spuren

Emily Bölk (l.) und Andrea Bölk 1992

Deutschland am letzten Gruppenspieltag gegen Tschechien

DHB-Frauen gegen Tschechien: Emily Bölk auf Mutters Spuren

Von Volker Schulte

Deutschlands Handballerinnen brauchen gegen Tschechien wohl ein Remis, um in die EM-Hauptrunde einzuziehen. Dass die Partie auf den 25. Jahrestag des WM-Titels von 1993 fällt, rückt die Familie Bölk in den Fokus.

Es war der 5. Dezember 1993, als das Team von Bundestrainer Lothar Doering Handballgeschichte schrieb. Es bezwang im WM-Finale von Oslo die hochfavorisierten Däninnen mit 22:21 n.V. und holte den ersten großen Frauen-Handball-Titel für das wiedervereinigte Deutschland. Zuvor hatte die DDR bereits dreimal WM-Gold gewonnen, die Bundesrepublik nie.

Ein Jahr später schrammte Deutschland als Vize-Europameister nur knapp am zweiten großen Coup vorbei. Doch dann begann die Durststrecke. Immer wieder gab es hoffnungsvolle Teams, 1997 und 2007 auch Bronze bei der WM. Aber seit mittlerweile 25 Jahren hat es keine Frauen-Nationalmannschaft mehr in ein Finale bei EM, WM oder Olympia geschafft.

Andrea Bölk, Weltmeisterin von 1993

Eine der Goldmedaillen-Gewinnerinnen von 1993 ist Andrea Bölk, geborene Stein. Die damalige Rückraumspielerin wird heute besonders gespannt zuschauen, wenn ihre Nachfolgerinnen gegen Tschechien um 18 Uhr um den Einzug in die EM-Hauptrunde kämpfen. Denn auf dem Parkett in Brest wird auch ihre Tochter auflaufen: Emily Bölk vom Thüringer HC, aktuell Deutschlands größtes Talent - und die nächste Hoffnung auf das Ende der Durststrecke.

Sie ist erst 20 Jahre alt und damit die drittjüngste Spielerin im neuformierten Kader, aber trotzdem schon eine Leistungsträgerin. Es wäre eine märchenhafte Geschichte, wenn Emily Bölk am 25. Jahrestag des WM-Triumphs ihrer Mutter den Grundstein für den nächsten großen Titel legen würde. Realistisch ist das Szenario durchaus, immerhin haben Bölk und Co. zum Turnierauftakt Titelverteidiger Norwegen mit 33:32 bezwungen.

Emily Bölk und Co. unter Zugzwang

Doch die ernüchternde 24:29 (11:14)-Niederlage im zweiten Gruppenspiel gegen Rumänien hat aufgedeckt, wie fragil das Gebilde der jungen deutschen Mannschaft noch ist. Und so geht es gegen die bisher punktlosen Tschechinnen zunächst wieder nur darum, das Minimalziel zu erreichen. "Wir haben jetzt noch einen zweiten Matchball für die Hauptrunde, den wir verwandeln werden", sagte Emily Bölk - übrigens Rückraumschützin, genau wie ihre Mutter.

Deutsche Handballerinnen mit Ladehemmung gegen Rumänien

Sportschau | 03.12.2018 | 00:47 Min.

Der schlimmste Fall: eine Niederlage gegen Tschechien und gleichzeitig mindestens ein Punktgewinn Norwegens gegen Rumänien. Dann wäre Deutschland ausgeschieden. Ein Unentschieden reichte in jedem Fall - aber mit solchen Rechenspielen beschäftigt sich Bundestrainer Henk Groener nicht. "Auf Remis spielen geht im Handball nicht so einfach, also zählt nur der Sieg."

Groener: "Nur eine Frage der Zeit"

Groeners Einschätzung vor Turnierbeginn erweist sich als erstaunlich realitätsnah. "Wenn alles optimal läuft, werden wir Europameister. Klappt gar nichts, fliegen wir nach der Vorrunde raus." Und die bisherigen Leistungen seiner jungen Spielerinnen um Bölk untermauern auch Groeners langfristige Prognose. "Die Frage heißt nicht, ob wir in der Weltspitze ankommen - sondern wann und wie."

mit dpa | Stand: 05.12.2018, 08:30

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