Tempo, Torhüterin, Tokio - drei "T's" vor dem Spiel gegen die Niederlande

Dinah Eckerle pariert einen Wurf

Handball-WM der Frauen

Tempo, Torhüterin, Tokio - drei "T's" vor dem Spiel gegen die Niederlande

Selbst Tempo machen, gleichzeitig Tempo unterbinden und eine starke Torhüterleistung. Bundestrainer Henk Groener hat mit den deutschen Handballerinnen im ersten WM-Hauptrundenspiel gegen die Niederlande (Sonntag, 08.12.2019, 10 Uhr) eine schwere Aufgabe vor sich. Und die eigene Vergangenheit.

"Ich finde es gut, dass sie wieder jüngere Spielerinnen in den Kader genommen haben, für die Entwicklung nach den Olympischen Spielen. Sie spielen wieder schneller als vorher, haben das Tempo wieder hochgeschraubt", sagte der Coach über den ersten deutschen Gegner in der WM-Hauptrunde und fügte vielsagend an: "Eher so wie zu meiner Zeit." Groener hatte die Niederlande in seiner achtjährigen Tätigkeit in zuvor nie gekannte Höhen bis hin zu WM-Silber 2015 geführt.

Vorbild Slowenien

Das Stichwort "Tempo" ist entscheidend. Denn die Niederländerinnen waren mit 178 Toren das mit Abstand gefährlichste Team der Vorrunde - auch und vor allem dank ihres schnellen Umschaltspiels. Das wiederum gehört auch zu den Stärken der DHB-Auswahl, die es aber nicht ganz so bedingungslos verfolgt wie das Nachbarland. Die Physis der Deutschen mit der starken Abwehr und vorne dem Zusammenspiel mit Kreisläuferin Julia Behnke ist nämlich ebenfalls ein Pfund, mit dem Emily Bölk und Co. wuchern können.

Dass das Unterbinden der niederländischen Gegenstöße und eigene Ballgewinne ein Element sein müssen, wenn man gegen die mit 4:0 Punkten in die Hauptrunde startenden Gegnerinnen gewinnen will, konnte man am ersten Spieltag des Turniers beobachten. Da unterlag die Mannschaft von Emmanuel Mayonnade nämlich überraschend klar mit 26:32 (14:15) gegen Slowenien. Danach gelangen ihr aber vier Siege mit +50 Toren.

Starke Abwehr soll nach Tokio führen

"Wir müssen uns ähnlich wie in der Anfangsphase gegen Südkorea in der Abwehr sehr gut seitlich bewegen, intensiv in die Zweikämpfe reingehen. Dann haben wir die Möglichkeit, über das Tempospiel unsere schnellen Tore zu machen", erklärt Groener das Rezept noch einmal. Die deutsche Mannschaft startet mit 3:1 Punkten in die Hauptrunde des Turniers und steht damit hinter den Niederländerinnen auf Rang zwei. Der Sieger dieser Partie würde einen großen Schritt Richtung Halbfinale gehen.

Deutsche Handballerinnen mit Remis gegen Südkorea Mittagsmagazin 06.12.2019 01:16 Min. Verfügbar bis 06.12.2020 Das Erste

Das ist zwar das Ziel beider Mannschaften, doch für die Deutschen geht es auch um die Möglichkeit, sich für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio qualifizieren zu können. Dafür muss insgesamt Platz sieben, in der Hauptrunde also mindestens der vierte Rang in der Gruppe her. Ein Sieg über Titelanwärter "Oranje" würde die Chancen auch diesbezüglich erheblich verbessern.

Schlüsselduell im Tor

Dass das schwer, aber inzwischen nicht mehr unmöglich ist, zeigen die jüngsten Ergebnisse. Die beiden Länderspiele im März haben Groener Mut gemacht. Nach einem 26:29 hatte seine DHB-Auswahl in Oldenburg 29:28 gewonnen. "Da haben wir gezeigt, dass wir mit Holland mehr auf Augenhöhe sind als im letzten Jahr", sagte Groener und spielte auf die klare 21:27-Hauptrundenpleite bei der EM in Frankreich an.

Den Gegner nur auf das Tempospiel zu reduzieren, wäre verkehrt. Der spielstarke Rückraum um Lois Abbingh und Estavana Polman genügt ebenfalls höchsten Ansprüchen. Genau wie Torhüterin Tess Wester, die von 2011 bis 2018 in Deutschland spielte, in diesem Turnier aber noch etwas im Schatten von Konkurrentinen wie eben Deutschlands Rückhalt Dinah Eckerle stand. Eckerle beerbte Wester im Sommer 2018 bei Bietigheim und spielt bisher ein herausragendes Turnier. Im direkten Duell mit ihrer Vorgängerin im Verein muss sie am Sonntag aber auch in Topform sein, wenn es für die Deutschen für Zählbares reichen soll.

rt/sid | Stand: 07.12.2019, 14:24

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