Handball-WM - alles oder nichts für deutsche Handball-Frauen

Die deutsche Kapitänin Kim Naidzinavicius

Kampf um Olympia-Traum

Handball-WM - alles oder nichts für deutsche Handball-Frauen

Das Spiel um Rang sieben bei der WM ist für die deutschen Handball-Frauen viel mehr als ein Platzierungsspiel. Gegen Schweden geht es um ein Ticket für ein Olympia-Qualifikationsturnier. Eine Niederlage wäre ein Desaster.

Im Teamhotel der deutschen Handball-Frauen ist der Ärger über das verpasste WM-Halbfinale noch nicht ganz verflogen. Doch das Endspiel um den Olympia-Traum rückt allmählich näher, und so weicht auch bei Kim Naidzinavicius der Ärger der Zuversicht. "Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass die letzten zwei Partien aus den Köpfen sind", sagt die Kapitänin: "Aber es steht noch etwas auf dem Spiel. Wir müssen jetzt all unsere Kräfte bündeln."

In der Tat. Im Spiel um Platz sieben kämpft die Mannschaft von Bundestrainer Henk Groener in Japan um ihr vor dem Turnier ausgerufenes Ziel. Gewinnt Deutschland am Freitag (13.12.2019) gegen den WM-Vierten Schweden, wäre es im März bei einem von drei Qualifikationsturnieren für Tokio 2020 dabei. "Henk hat uns noch einmal deutlich gesagt, um was es geht", berichtet Naidzinavicius von der ersten Besprechung nach dem bitteren 29:32 Norwegen. Im Falle einer Niederlage wäre Deutschland nicht dabei bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio.

Bei Olympischen Spielen selten dabei

Ein Desaster, denn die DHB-Frauen haben sich seit der deutschen Wiedervereinigung unter den fünf olympischen Ringen rar gemacht. 1996 in Atlanta wurde man Sechster, 2008 in Peking kam das frühe Aus in der Vorrunde. Ansonsten waren die deutschen Handballerinnen stets Zaungast. "Es wäre für den Frauen-Handball immens wichtig, dass wir die Chance haben, bei einem solchen Turnier zu spielen und uns dort dann auch für Olympia zu qualifizieren. Das ist ein riesengroßes Ziel", sagte der extra nach Japan geflogene DHB-Sportvorstand Axel Kromer.

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Es steht viel auf dem Spiel

Nach der Pleite gegen den zweimaligen Olympiasieger, durch die das DHB-Team seine zweite und letzte Chance auf das Halbfinale herschenkte, hatte die Spielführerin mit hängendem Kopf sekundenlang auf dem Hallenboden gekauert und anschließend mächtig Dampf abgelassen. "Wir starten so gut ins Turnier und dann, wenn es drauf ankommt, schaffen wir es nicht mehr, unsere Leistung so abzurufen, wie es nötig ist", lauteten die kritischen Worte der Bietigheimerin. Jetzt sieht die Gefühlswelt ein wenig harmonischer aus. "Jeder geht anders mit so einer Situation um. Es wurde allen Raum gegeben, traurig zu sein", sagt die 28-Jährige.

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Gegen Schweden soll eine gesunde Mischung aus Willen und Lockerheit die WM versöhnlich abschließen. Doch es steht mehr auf dem Spiel. Unter anderem die öffentliche Wahrnehmung der deutschen Mannschaft, die ein bisher gutes Turnier mit überzeugenden, teils begeisternden Auftritten noch zu einem schlechten machen könnte. Auch die Entscheidung des Deutschen Handballbundes (DHB), den Vertrag mit Coach Groener noch vor dem Turnier bis 2021 zu verlängern, könnte sich als vorschnell, mindestens als fragwürdig entpuppen.

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Kein Gedanke an die nächste Niederlage

An eine weitere Niederlage will im deutschen Lager aber niemand denken - auch, um sich selbst zu schützen. "Das, was die Mannschaft stark gemacht hat, war die Lockerheit in den ersten Spielen", sagt Naidzinavicius. "Jeder muss sich selbst noch einmal klarmachen, was wir geleistet haben, und was wir in der Lage sind zu leisten", erklärt die Rechtshänderin - und meint damit unter anderem die Siege gegen Dänemark (26:25) oder die Niederlande (25:23).

Wie sehr die Enttäuschung aber tatsächlich nachwirkt, wird sich erst gegen Schweden zeigen. Groener ist vor dem neunten Spiel in 14 Tagen trotz der hohen körperlichen Belastung zuversichtlich. "Die Mannschaft wird bereit sein für den nächsten Kampf", versichert der Niederländer. Naidzinavicius muss er das nicht zweimal sagen: "Wir haben noch eine Chance", sagt sie. Diese muss und sollte Deutschland aber nutzen.

sid/dpa | Stand: 12.12.2019, 09:40

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