Handball-Bundesliga - zwischen Geisterspielen und Saisonabbruch

Mads Mensah Larsen (l) von den Rhein-Neckar Löwen setzt sich durch gegen Hannovers Nejc Cehte

Überlegungen bei Klubs und Verband

Handball-Bundesliga - zwischen Geisterspielen und Saisonabbruch

In der Handball-Bundesliga werden Rufe nach einem vorzeitigen Saisonabbruch laut. Doch es gibt auch konkrete Pläne für eine Fortsetzung der Serie.

Vorzeitiger Saisonabbruch? Davon will Frank Bohmann nichts wissen. Zumindest noch nicht. "Ich kann mir vorstellen, dass es im Mai unter gewissen Bedingungen wieder losgehen kann", sagte der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL) dem Sportinformationsdienst (SID). Im Schatten des großen Fußballs kämpft der Handball ums wirtschaftliche Überleben und entwirft dabei fieberhaft Szenarien, die aktuell unterbrochene Spielzeit doch noch zu beenden.

Fortsetzung der Saison eine "Option"

Sogenannte Geisterspiele, von Bohmann treffend als "Medienspiele" bezeichnet, könnten womöglich auch im Handball die Lösung sein. "Wenn die Politik entscheidet, dass Veranstaltungen im Mai wieder möglich sind, dann brauchen wir uns nicht mit Abbruchszenarien zu befassen. Dann haben wir eine neue Sachlage", sagte Bohmann. Die Fortsetzung der Saison sei eine "ernsthafte" Option: "Wir müssen genau abwägen, welchen Preis wir dafür bereit sind zu zahlen."

Konferenzen am Donnerstag und Freitag

Genau diese Frage dürfte am Donnerstag (02.04.2020) und Freitag entscheidend sein, wenn sich erst das HBL-Präsidium und dann die Klubchefs zusammenschalten. Angesichts der schweren wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise sind erstmals aber auch öffentlich Stimmen zu vernehmen, die einen Abbruch der Spielzeit postulieren. Eine von ihnen ist Jürgen Schweikardt. Der Trainer und Geschäftsführer beim TVB Stuttgart tendiert "zu einem Abbruch der Saison". Von Geisterspielen hält er nicht viel, da sie für die Klubs ein Minusgeschäft darstellen würden. "Sportlich wäre das vielleicht die fairste Lösung", sagte Schweikardt der "Stuttgarter Zeitung", doch wirtschaftlich schwierig, da etwa ein Viertel der Einnahmen aus dem Ticketing komme.

Ausgaben wie der Hallenmiete stünden im Falle von Geisterspielen keine adäquaten Einnahmen gegenüber. Die TV-Gelder machen im Gegensatz zum Fußball im Handball nur rund fünf Prozent des Etats aus. Bohmann sieht die Zwänge seiner Klubs, ihm sind die Probleme bewusst. Dennoch müsse man sich mit dem Thema "Spielen ohne Zuschauer" auseinandersetzen.

Nordhorn-Lingen hofft auf Abbruch

Klar für einen Abbruch der Saison ist man erwartungsgemäß beim abgeschlagenen Ligaschlusslicht HSG Nordhorn-Lingen. Denn in einem solchen Fall könnte man trotz aussichtsloser sportlicher Situation voraussichtlich in der Liga bleiben. "Klar, es wäre kein sportlicher Klassenerhalt. Aber andererseits: Wer würde nach einigen Monaten noch darüber sprechen?", sagte HSG-Geschäftsführer Matthias Stroot dem NDR.

"Ich glaube nicht, dass in dieser Saison noch gespielt wird", sagte auch HBL-Präsident Uwe Schwenker in der vergangenen Woche in der "Handballworld". "Ich denke, dass wir zwei Spielzeiten brauchen werden, um uns wieder zu stabilisieren", meinte er.

Coronavirus - Was passiert außerhalb des Fußballs? Sportschau 21.03.2020 04:28 Min. Verfügbar bis 21.03.2021 Das Erste

sid | Stand: 31.03.2020, 16:58

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