Keine Meisterinnen - Enttäuschung bei Dortmunds Handballerinnen

Dortmunds Trainer Andre Fuhr und Torhüterin Rinka Duijndam gestikulieren

Entscheidung der HBF

Keine Meisterinnen - Enttäuschung bei Dortmunds Handballerinnen

Von Maike Elger

Während die Handballer des THW Kiel ihren Homeoffice-Titel per Videokonferenz feiern, wird in der Handball-Bundesliga der Frauen kein Meistertitel vergeben. Das sorgt für Unverständnis in Dortmund.

17 Siege in 18 Spielen: Die Handballerinnen von Borussia Dortmund waren auf Meisterschaftskurs. Dann kam Corona. Mitte März dann die bittere Gewissheit. Die Saison 2019/2020 wird abgebrochen, einen Meister wird es nicht geben. Anders als bei den Männern. Seit gestern ist dort zwar auch beschlossene Sache, dass die Saison nicht zu Ende gebracht wird, der THW Kiel allerdings wurde zum deutschen Meister gekürt. 

"Die Enttäuschung war natürlich schon groß, wenn man so eine Saison spielt und dafür nicht belohnt wird",sagt BVB-Kapitänin Alina Grijseels der Sportschau. "Wenn es dann aber bei den Männern anders gehandhabt wird, dann sorgt das schon für Unverständnis."

Vorwurf der Diskriminierung

Besonders groß ist das Unverständnis bei BVB-Präsident Reinhard Rauball: "Bei den Männern wird der Spitzenreiter zum Meister aufgerufen, bei den Frauen aber nicht. Das hat Anzeichen einer Diskriminierung, denn es gibt keine sportlichen Argumente für diese Entscheidung."

THW Kiels Manager Szilagyi zum Titel: "Emotional nicht vergleichbar"

Sportschau 21.04.2020 00:13 Min. Verfügbar bis 21.04.2021 ARD

"Diskriminierung ist ein großes Wort. Ich bin da etwas vorsichtig mit", beschwichtigt Grijseels, "Ich würde es eher Ungleichbehandlung nennen. Aber ja, komplett nachvollziehen kann ich diese Ungleichbehandlung nicht." 

Begründung der HBF

Im offiziellen Statement erklärte die HBF, maßgeblich für die Entscheidung der Meisterfrage sei gewesen, dass zum Zeitpunkt des Abbruchs noch fast ein Drittel der Saison zu spielen war, unter anderem auch das direkte Duell zwischen dem Tabellenzweiten Bietigheim und Tabellenführer Dortmund. Mit 34:2 Punkten führte der BVB die Tabelle vor Bietigheim mit 33:3 Punkten an. Acht Partien fehlten noch bis zum Saisonende.

"Vielleicht wäre es ein bisschen unfair, einfach davon auszugehen, dass wir gegen alle anderen Teams gewonnen hätten. Aber bei den Männern ist das ja im Grunde nicht anders", so Grijseels. Zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs führte der THW Kiel mit 44:8 Punkten aus 26 Spielen vor Flensburg mit 42:12 Punkten aus 27 Spielen die HBL-Tabelle an. 34 Spieltage hätte die Saison regulär gedauert.

Handball - Die Dortmunderinnen dürfen keinen Meistertitel feiern Sportschau 24.04.2020 02:58 Min. Verfügbar bis 24.04.2021 Das Erste

HBF nicht gleich HBL

Nun muss man differenzieren. Die Handball-Bundesliga der Frauen (HBF) und die Handball-Bundesliga der Männer (HBL) agieren getrennt voneinander. Die Verantwortlichen sind dementsprechend nicht dieselben Personen. Die HBL entschied sich für die Vergabe eines Meistertitels, die HBF dagegen.

"In vielen Punkten ist es gleich wie bei den Männern: die Quotientenregelung, die Auf- und Abstiegsregelungen. Nur eben die Meisterfrage nicht. Man versteht nicht ganz, warum die HBF anders entschieden hat als die HBL", so Grijseels. Die Grundlage, auf der die Entscheidung über die Wertung der Saison gefällt wurde, ist die gleiche: Die Quotientenregelung, die der DHB im Bundesratsbeschluss den Ligen als favorisiertes Modell zur Saisonwertung präsentierte. Über die Vergabe des Titels gab es keine Handlungsempfehlung.

Trostpflaster und Pokalhoffnung

"Es wäre sicherlich nicht so geworden, wie wenn man in der Halle mit den Fans die Schale überreicht bekommt. Aber ich glaube, jeder Sportler will Titel haben, also hätte man auch so einen komischen Titel gern genommen." Während die Kieler Handballer per Videokonferenz die Meisterschaft feierten, bleibt den BVB-Handballerinnen nun die Champions-League-Qualifikation für die kommende Spielzeit als Trostpflaster, und die Hoffnung auf ein nachgeholtes Pokal-Final Four, für das sie sich bereits qualifiziert hatten.

"Der Champions-League-Startplatz ist immerhin eine Anerkennung der Leistung, die wir bisher gebracht haben und natürlich weiß man nicht, wie sich diese Pandemie noch entwickelt, aber ich hoffe, dass das Pokal-Final-Four nachgeholt werden kann", bleibt Kapitänin Grijseels optimistisch. Bis dahin wird im Homeoffice trainiert. Und der Grundstein für eine mögliche deutsche Meisterschaft 2021 gelegt.

Stand: 22.04.2020, 16:00

Darstellung: