Handballerinnen müssen Olympia abschreiben

Die enttäuschte deutsche Torhüterin Dinah Eckerle nach der Niederlage gegen Schweden

Handball-WM

Handballerinnen müssen Olympia abschreiben

Die deutschen Handballerinnen haben die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2020 verspielt. Die Mannschaft von Bundestrainer Henk Groener verlor bei der WM in Japan am Freitag (13.12.2019) das entscheidende Spiel um Platz sieben gegen Schweden nach einer ganz schwachen Leistung mit 24:35 und beendete das Turnier durch die dritte Niederlage hintereinander auf Platz acht.

Damit hat die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) keine Chance mehr, das anvisierte Ticket für ein Qualifikationsturnier für Tokio zu lösen. Zwei Tage nach dem geplatzten Halbfinal-Traum gegen Norwegen (29:32) erfüllten sich auch die Hoffnungen auf die erste Olympia-Teilname seit 2008 nicht.

Eckerle: "Selten ein schlechteres Spiel gesehen als heute"

"Das ist eine große Enttäuschung. Wir hatten große Hoffnungen auf die Olympischen Spiele, aber wir hatten heute nur Energie für 20 Minuten. Die war danach weg", sagte Coach Groener. "Wir haben keine Tore mehr geworfen und waren in der Abwehr nicht mehr aggressiv genug."

Bundestrainer Groener: "Nichts hat gefruchtet" Sportschau 13.12.2019 00:36 Min. Verfügbar bis 13.12.2020 Das Erste

Kreisläuferin Julia Behnke meinte: "Ich bin fassungslos. Das war ein Auftritt, der absolut unzufriedenstellend und enttäuschend ist." Torfrau Dinah Eckerle fand keine Erklärung für den "unterirdischen" Auftritt der deutschen Mannschaft. "Das ist einfach nur peinlich, sich hier abschießen zu lassen, obwohl es um die Olympischen Spiele geht", sagte Eckerle: "Ich habe das Gefühl, wir sind über das Feld gelaufen und hatten keinen Plan." Sie habe "selten ein schlechteres Spiel gesehen als heute".

Zu viele Fehler beim DHB-Team

Beste deutsche Werferin zum Turnierabschluss gegen Schweden war Alicia Stolle mit sechs Treffern. Im "Endspiel um Olympia" präsentierte sich das deutsche Team nach ansprechender Anfangsphase völlig von der Rolle. Etliche Fehlwürfe und technische Fehler reihten sich im Angriff aneinander, und auch hinten fehlte im neunten Turnierspiel in 14 Tagen ganz offensichtlich die Kraft.

Behnke: "Keine Ahnung, was da passiert ist" Sportschau 13.12.2019 00:19 Min. Verfügbar bis 13.12.2020 Das Erste

8:4 führten Kapitänin Kim Naidzinavicius und Co. nach 13 Minuten im Park Dome, ehe die Skandinavierinnen binnen sieben Minuten ausglichen (20.) und bis zur Pause auf fünf Treffer davonzogen. Ein deutsches Aufbäumen im zweiten Abschnitt blieb aus. Spätestens beim 16:26 nach einer Dreiviertelstunde war die Partie entschieden.

Bei Olympischen Spielen selten dabei

Der erneute Olympia-K.o. ist ein Desaster, denn die DHB-Frauen haben sich seit der deutschen Wiedervereinigung unter den fünf olympischen Ringen rar gemacht. 1996 in Atlanta wurde man Sechster, 2008 in Peking kam das frühe Aus in der Vorrunde. Ansonsten waren die deutschen Handballerinnen stets Zaungast. "Es wäre für den Frauen-Handball immens wichtig, dass wir die Chance haben, bei einem solchen Turnier zu spielen und uns dort dann auch für Olympia zu qualifizieren. Das ist ein riesengroßes Ziel", hatte der extra nach Japan geflogene DHB-Sportvorstand Axel Kromer vor dem Spiel gesagt.

Ein winziges Hintertürchen in Richtung Olympia würde sich für die Handballerinnen noch ergeben - aber nur für den eher unwahrscheinlichen Fall, dass Russland nach der Suspendierung durch die WADA tatsächlich nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen sollte, auch nicht als Team unter neutraler Flagge. Nur dann würde Deutschland dann als WM-Achter noch in ein Qualifikationsturnier nachrücken.

sid/dpa | Stand: 13.12.2019, 08:00

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