Champions League - Deutsche Handballer verpassen den Anschluss

Trainer Nikolaj Jacobsen von den Rhein-Neckar Löwen

Neue Saison startet

Champions League - Deutsche Handballer verpassen den Anschluss

In der Handball-Champions-League gehören die beiden deutschen Teams nicht zu den Favoriten. Das hat seine Gründe - und Besserung ist nicht in Sicht.

Mit sechs Siegen ist die deutsche Bundesliga hinter der spanischen die erfolgsreichste Liga in der Handball-Champions-League. Mit Magdeburg (2001), Kiel (2007, 2010, 2012), Hamburg (2013) und Flensburg (2014) haben sich schon vier Klubs in die Siegerliste eingetragen. Und über Jahre hinweg stand mindestens ein deutsches Team im Final Four. Doch seit 2016 geht es bergab. Zweimal in Folge stand die Bundesliga außen vor, als in Köln die letzten vier Teams den Sieger unter sich ausmachten.

Glaubt man Nikolaj Jacobsen, wird das auch so blieben. "In der Spitze ist die Bundesliga nicht mehr die beste Liga der Welt. Diese Zeiten sind vorbei", sagte der Trainer der Rhein-Neckar Löwen in einem Interview mit dem "Mannheimer Morgen". Es sei kein Zufall, dass zuletzt zwei Mal in Folge keine deutsche Mannschaft beim Final Four der Champions League dabei war.

Besserung nicht in Sicht

Der Löwen-Coach fürchtet sogar, dass der Abstand zu den europäischen Topklubs eher noch größer wird: "Es gibt noch Spieler wie Andy Schmid, Domagoj Duvnjak und Niklas Landin, die seit Jahren hier sind und bleiben werden. Aber wenn die mal weg sind, wird es noch schwerer für die Bundesliga." Will heißen: Neue Stars aus dem Ausland sind nicht in Sicht.

Am Mittwoch (12.09.2018) beginnt die neue Saison in der europäischen Königsklasse. Mit dabei sind die Rhein-Neckar-Löwen und die SG Flensburg-Handewitt. "In dieser Saison sind Flensburg und wir auch nicht unbedingt die heißesten Anwärter auf das Final Four - und dann würde zum dritten Mal ein Bundesligist fehlen", sagte der Däne.

Hohe Belastung

Dass die Bundesligisten auf internationalem Parkett nicht mehr konkurrenzfähig sind, sei der hohen Belastung geschuldet. "Wir spielen in der Hinrunde drei Mal donnerstags in der Bundesliga und dann Samstag auswärts in der Champions League. Das ist ein Nachteil", kritisiert Jacobsen.

"Die Stars gehen lieber nach Veszprém, Kielce, Barcelona, Nantes, Montpellier oder Paris. Dort bekommt man mehr Geld für weniger Strapazen. Das hat sich bei den Topspielern herumgesprochen", sagte der 46-jährige Jacobsen vor dem ersten Gruppenspiel der Mannheimer gegen den FC Barcelona.

Frankreich klar im Vorteil

Uwe Gensheimer

Uwe Gensheimer

Dies sieht der deutsche Nationalmannschaftskapitän Uwe Gensheimer vom französischen Meister Paris Saint-Germain ebenso. "Der entscheidende Vorteil in Frankreich ist die Terminierung der Spiele. Wir haben im Sommer bis zu vier Wochen mehr Pause, spielen nicht mehr nach Weihnachten und haben dadurch mehr Möglichkeiten zu regenerieren. Das Ganze bei gleichem oder teilweise sogar höherem Gehalt", sagte Gensheimer in einem Interview der Fachzeitschrift "Handballwoche".

Die Top-Spieler würden sich über die Rahmenbedingungen untereinander intensiv austauschen und immer öfter dagegen entscheiden, in Deutschland zu spielen. "Die Handball-Bundesliga muss sich deshalb sehr genau hinterfragen, warum sich die Spieler so entscheiden", sagte der 31 Jahre alte Weltklasse-Linksaußen. Für Gensheimer sei die Bundesliga zwar in der Breite weiterhin die beste Liga, aber die französische Liga habe mächtig aufgeholt und deutlich an Qualität gewonnen. In der vergangenen Saison standen mit Sieger Montpellier, Nantes und Paris drei französische Teams im Final Four.

Schwere Gruppe für Rhein-Neckar Löwen

Die Rhein-Neckar Löwen hat es schon bei der Auslosung hart erwischt. In Gruppe A treffen die Badener neben Barcelona auf Titelverteidiger Montpellier, Skopje (Mazedonien), Kielce (Polen), Veszprem sowie Brest (Weißrussland) und Kristianstad (Schweden).

Der deutsche Meister Flensburg-Handewitt trifft in Gruppe B auf Paris Saint-Germain, Nantes (Frankreich) sowie Szeged (Ungarn), Skjern Handbold (Dänemark), Zagreb (Kroatien), Saporoschje (Ukraine) und Celje (Slowenien). Die Flensburger starten am Sonntag beim Vorjahresfinalisten Nantes in die Gruppenphase. Die ersten sechs Mannschaften der beiden Gruppen qualifizieren sich für die K.o.-Phase.

Streit mit der EHF

Fans protestieren gegen die Terminierung von Spielen in der Handball-Bundesliga und der Champions League

Fans protestieren gegen die Terminierung von Spielen in der Handball-Bundesliga und der Champions League.

Die Bundesliga bekam von der European Handball Federation keinen dritten Wildcard-Startplatz zugesprochen und ist deshalb erstmals seit 15 Jahren nur mit zwei Teams dabei. Grund ist der seit Jahren schwelende Streit um Terminkollisionen zwischen der Bundesliga und der EHF. Der war in der vergangenen Saison darin gegipfelt, dass die Rhein-Neckar-Löwen ihre zweite Mannschaft zum Achtelfinal-Hinspiel nach Kielce schickten, das erste Team trat derweil in der Bundesliga gegen Kiel an.

Bald nur noch ein Starter?

Und auch dort ist keine Besserung in Sicht. Ab der Saison 2019/2020 erhält die Bundesliga nur noch einen garantierten Startplatz für die Champions League. Die Neuregelung gilt generell für alle Nationen und soll eine gleichmäßige Verteilung unter den Ländern gewährleisten. Um weitere Startplätze könne man sich aber bewerben, teilte die EHF mit. Ob die Bundesliga da berücksichtigt wird, ist wegen der Terminstreitereien ungewiss. Für einen deutschen Verein wird es dann noch schwieriger werden, die Champions League zu gewinnen.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Mittwoch, 12.09.2018, ab 22.50 Uhr

red/sid/dpa | Stand: 11.09.2018, 11:25

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