Handballer zurück im "Hamsterrad"

Nationalspieler Patrick Wiencek

Bundesliga startet wieder

Handballer zurück im "Hamsterrad"

Kaum ist die WM vorbei, geht es für die Handballer auch schon in der Bundesliga weiter. Die Belastung bleibt ein Dauerthema. Im Zentrum des 20. Spieltages steht aber der Abstiegskampf.

Sogar der ungeschlagene Tabellenführer leidet. Die SG Flensburg-Handewitt bangt vor dem Wiedereinstieg in die Bundesliga-Saison um seine dänischen Handball-Weltmeister Lasse Svan und Rasmus Lauge. Rechtsaußen Svan hat Probleme in der linken Leiste, Spielmacher Lauge leidet unter Schmerzen in beiden Knien. Zudem sind auch der norwegische WM-Finalist Magnus Röd und der schwedische Nationalspieler Jim Gottfridsson angeschlagen.

Die Belastung für die Topspieler nach der WM ist und bleibt ein Dauerthema. "Die ist einfach enorm hoch. In der Frage muss sich künftig einiges ändern", sagt Flensburgs Geschäftsführer Dierk Schmäschke. Patrick Groetzki von den Rhein-Necker-Löwen formuliert es deutlicher. "Das ist eigentlich schon fast krank", sagt der Rechtsaußen: "Es ist deutlich zu viel."

Schlag auf Schlag

Denn kaum ist die Weltmeisterschaft vorbei, geht die Saison auch schon weiter. Am Donnerstag (07.02.2019) startet der 20. Spieltag. Experten und vor allem die Akteure sprechen schon längst vom "Handball-Hamsterrad". "Man ist tatsächlich ein bisschen leer im Kopf. Das wird schon schwierig", sagt Nationalspieler Patrick Wiencek. Denn es geht Schlag auf Schlag. Schon einen Tag vor dem Bundesliga-Wiederbeginn müssen beispielsweise die Rhein-Neckar-Löwen im Europapokal ran. Und auch bis zum nächsten Länderspiel am 9. März gegen die Schweiz ist es nicht mehr allzu lange hin.

Angst vor Verletzungen

Die Topspieler fürchten sich vor allem vor Verletzungen. Das dichte Trainings- und Spielprogramm kann nach Ansicht der Trainingswissenschaftlerin Astrid Zech von der Friedrich-Schiller-Universität Jena in der Tat gefährlich werden. "Im Prinzip kommen die Spieler in eine Überlastungssituation hinein und müssen danach das Trainingsvolumen rapide reduzieren", sagt sie. Eine spürbare Reduzierung ist angesichts des engen Terminkalenders aber kaum möglich. "Wenn sie das nicht tun, dann drohen Schäden. Zum einen sinkt die Leistungsfähigkeit, und die Gefahr steigt für weitere Verletzungen", so die Expertin.

Flensburg der große Favorit

Trotz der aktuellen Personalsorgen sind die Flensburger der große Favorit auf die Meisterschaft. Vier Punkte beträgt der Vorsprung auf den ärgsten Verfolger THW Kiel. Die Rhein-Neckar-Löwen hinken schon sieben Zähler hinterher. Für den SC Magdeburg und die Füchse Berlin geht es darum, ihren EHF-Pokal-Startplatz zu verteidigen. Die MT Melsungen und Frisch Auf Göppingen liegen in Lauerstellung.

Freude bei Wiencek, Gensheimer kommt zurück

Die Kieler dürfen sich rühmen, den frisch gebackenen "Handballer des Jahres" in ihren Reihen zu haben. Nationalspieler Wiencek wurde wohl auch wegen seiner überragenden Abwehrleistungen bei der WM ausgezeichnet. "Das ist eine Riesen-Überraschung für mich und gleichzeitig eine große Ehre. Dass ich diesen Titel einmal erhalten würde, habe ich mir nie träumen lassen. Ich stehe jetzt in einer Reihe mit Filip Jicha, Uwe Gensheimer und Nikola Karabatic. Das ist unglaublich", sagt Wiencek. Für positive Schlagzeilen sorgte auch Gensheimer. Der Linksaußen von Paris Saint-Germain gab jüngst seine Rückkehr zu den Rhein-Neckar-Löwen bekannt.

Gensheimer steht vor Rückkehr zu den Rhein-Neckar Löwen

Sportschau 28.01.2019 00:50 Min. ARD

Kellerkinder unter sich

In der Abstiegszone sind die Kellerkinder beim Re-Start unter sich. Der Tabellenletzte Ludwigshafen braucht im Duell mit dem 16. aus Gummersbach dringend einen Sieg. Das gilt auch für den Vorletzten Bietigheim, der den 15. aus Leipzig erwartet. Der Neuling Bietigheim hat sich in der WM-Pause von seinem Trainer Ralf Bader getrennt. Bis ein Nachfolger gefunden ist, springt Co-Trainer Christian Hörner ein.

Schwung mitnehmen, aber wie?

Ansonsten hoffen die Handballer, dass sie in Sachen Zuschauerinteresse und Popularität den Schwung der Heim-WM mit in die Liga nehmen können. Trainer, Sportchefs und Geschäftsführer haben sich deshalb ausgetauscht. Für den dänischen Weltmeister-Coach Nikolaj Jacobsen von den Rhein-Neckar Löwen sind allerdings alle möglichen Maßnahmen durch den "Faktor Fußball" limitiert. "Deutschland hat das Riesenproblem, dass der Fußball so populär ist und alles dominiert", sagt er.

In Sachen Belastung naht Hoffnung. Hassan Moustafa, Chef des Handball-Weltverbandes, will "die Anzahl der Ruhetage für die Spieler" während der nächsten Weltmeisterschaft 2021 in Ägypten erhöhen. Wie das funktionieren soll, bleibt vorerst sein Geheimnis - das WM-Turnier in Moustafas Heimat wird das erste mit 32 statt 24 Teams sein.

red/vdv/dpa/sid | Stand: 05.02.2019, 15:05

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