Handball - Die Jagd auf Kiel und schwerer Stand für Neulinge

Der Kieler Sander Sagosen (l.) mit Magnus Rod

Saison 2020/21

Handball - Die Jagd auf Kiel und schwerer Stand für Neulinge

Von Robin Tillenburg

Die Handball-Bundesliga der Männer startet Anfang Oktober in die neue Spielzeit. Neben der anhaltenden Zuschauer- und Corona-Thematik dürften vor allem die Jagd auf den großen Favoriten und ein knallharter Abstiegskampf anstehen.

Es sind natürlich die (fast immer) üblichen drei: Der THW Kiel, die SG Flensburg-Handewitt und die Rhein-Neckar Löwen dürften im Titelrennen wie fast immer in den vergangenen Saisons das Maß aller Dinge sein. In diesem Jahr muss man allerdings, zumindest was den Ausblick auf die Saison angeht, eine kleine Abstufung dieser drei Teams vornehmen.

Kieler Kader - mehrfach das Nonplusultra

Denn während die Flensburger, vergangene Saison vor dem Abbruch Zweiter mit nur zwei Punkten Rückstand auf den Meister aus Kiel, und die Rhein-Neckar Löwen (nur Fünfter nach einer eher enttäuschenden Spielzeit) im Sommer personell den ein oder anderen wichtigen Spieler verloren haben, ist bei Kiel "nur" Lukas Nilsson weggegangen.

 Niklas Landin Jacobsen und Domagoj Duvnjak

Zweimal weltklasse: Niklas Landin und Domagoj Duvnjak

Der eingespielte Champion hat damit zwar einen hochveranlagten Spieler an den direkten Konkurrenten vom Neckar verloren, diesen aber hochkarätig ersetzt. Man könnte sogar sagen: Hochkarätiger geht es nicht. Sander Sagosen, der aus Paris an die Förde kam, ist wahrscheinlich momentan der beste Rückraumspieler der Welt. Irgendwo auf den Plätzen direkt dahinter folgt mit ziemlicher Sicherheit in jedem Ranking Domagoj Duvnjak, der ja ebenfalls weiter in Kiel aktiv ist. Der aktuelle Welthandballer ist übrigens Niklas Landin, Torwart vom THW Kiel.

Ole Rahmel, der vergangene Saison auf Rechtsaußen nicht mehr zu den Leistungsträgern gehörte, hat das Team von Filip Jicha übrigens ebenfalls verlassen, das dürfte aber sportlich nicht so sehr ins Gewicht fallen. Mit diesem Kader und dem Vorteil des Eingespieltseins führt bei der Frage nach dem großen Titelfavoriten kein Weg am THW vorbei.

Wie schnell können Flensburgs Abgänge aufgefangen werden?

Die Flensburger sind der wohl größte Herausforderer. Das sah man auch im Supercup, als das Team von Maik Machulla auf Augenhöhe agierte, am Ende aber mit 24:28 das Nachsehen hatte. Doch die Abgänge von langjährigen verdienten Spielern wie Holger Glandorf und Anders Zachariassen, aber auch Michal Jurecki und Simon Jepsson werden auch im Mannschaftsgefüge erst einmal zu ersetzen sein. Sportlich natürlich auch.

Der THW Kiel schlägt Flensburg und holt sich den Supercup Tagesthemen 26.09.2020 00:57 Min. Verfügbar bis 26.09.2021 Das Erste

In Franz Semper (Leipzig) oder Mads Mensah (Löwen) hat man für wirklich gute neue Alternativen sorgen können, deren Integration aber naturgemäß etwas länger dauern wird. Gerade Semper wird mit seiner kaum vorhandenen internationalen Erfahrung noch etwas Zeit brauchen, und die auch bekommen.

Löwen: Kohlbacher-Ausfall schmerzt

Larsen wird den Löwen wiederum vor allem offensiv fehlen, defensiv tut der Abgang des Spaniers Gedeon Guardiola besonders weh. Die Mannschaft von Martin Schwalb hat dafür in Nilsson, dem ehemaligen Magdeburger Albin Lagergren und dem Ex-Hannoveraner Mail Patrail gut nachgerüstet und gleichsam Talent wie auch Bundesligaerfahrung eingekauft. Der Kader sollte in der Lage sein, ein besseres Ergebnis als im Vorjahr zu erzielen, aber gerade zu Saisonbeginn schmerzt der verletzungsbedingte Ausfall von Kreisläufer Jannik Kohlbacher enorm. Bis zum Jahresende hilft dafür der bereits früher für die Löwen aktive Rafael Baena noch einmal aus.

Die Neulinge und der schwere Abstiegskampf

Feierstunde bei TUSEM Essen

Will auch nach der Saison jubeln: Aufsteiger TUSEM Essen

Zwanzig Mannschaften spielen wegen der Aussetzung des Abstiegs kommende Saison in der Liga. Das bedeutet aber auch: vier Absteiger. Das ist gerade für die Liganeulinge TUSEM Essen und HSC Coburg keine sonderlich gute Nachricht. In den jüngsten drei Saisons landete von den insgesamt sieben Aufsteigern nur der Bergische HC 2018/19 nicht auf einem der letzten drei Plätze. Alle anderen Aufsteiger platzierten sich auf Rang 16,17 oder 18.

Neben Essen und Coburg zählt die HSG Nordhorn-Lingen, die zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs mit vier Zählern ganze elf Punkte Rückstand auf den Vorletzten hatte, naturgemäß ebenfalls zu den Teams, für die es darum geht, irgendwie Rang 15 zu erreichen. Auch für die HBW Balingen-Weilstetten wird es ohne Martin Strobel, der seine Karriere beendet hat, und Filip Taleski voraussichtlich extrem schwierig.

Die Eulen wollen das "Quadrupel"

Das gilt auch für die Eulen Ludwigshafen. Allerdings sind die Eulen die "Überlebenskünstler" der Liga. Der Vorjahres-Vorletzte hat den Abstieg in den vergangenen drei Saisons immer noch irgendwie ganz knapp verhindern können. Die Erfahrung im erfolgreichen Abstiegskampf ist ein Pfund, mit dem nicht viele Mannschaften der Liga wuchern können. Das eingespielte Team von Benjamin Matschke ist größenteils zusammengeblieben und will das "Quadrupel" in dieser Spielzeit perfekt machen.

Frank Bohmann: "Erster Schritt zurück in die Normalität" Sportschau 16.09.2020 05:18 Min. Verfügbar bis 16.09.2021 Das Erste

Stand: 28.09.2020, 13:52

Darstellung: