Handballer stehen vor Mammutsaison

Kiels Nikola Bilyk (l) und Berlins Matthias Zachrisson versuchen, auf dem Boden liegend an den Ball zu kommen.

Nach Liga-Aufstockung

Handballer stehen vor Mammutsaison

Liga-Aufstockung, später Saisonstart und Großereignisse: Die ohnehin von Terminstress geplagten Bundesliga-Handballer befürchten eine Mammutsaison.

Nach dem Abbruch der Bundesliga-Saison am vergangenen Dienstag droht den deutschen Klubs ein Rekord-Spielplan. Sicher ist, dass durch die Ligen-Aufstockung auf 20 Mannschaften für jedes Team zwei Heim- und zwei Auswärtsspiele mehr anstehen. Dabei ist noch nicht einmal klar, ob nach dem Aufheben des Großveranstaltungsverbots sofort Anfang September losgelegt werden kann.

Hinzu kommt für die international vertretenen Teams ein aufgebläter Spielplan in der European Handball League (vormals EHF-Cup). Den Nationalspielern sitzt der Termin der Weltmeisterschaft sowie die mögliche Austragung der Olympischen Spiele 2021 zudem im Nacken.

Sitzung der EHF am Freitag

Im Sportschau-Interview hatte sich HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann am Dienstag (21.04.2020) noch sehr diplomatisch ausgedrückt und von "einer spannenden Herausforderung" gesprochen, vor der die Klubs stünden. Alles deutet hingegen vielmehr auf einen beispiellosen Terminstress hin.

Erste Klarheit soll eine Sitzung der Europäischen Handball-Föderation am Freitag (24.4.2020) bringen, wenn die Handball-Bosse über den europäischen Handball-Kalender in der Corona-Krise beraten werden. Die Bundesliga befürchtet Konflikte.

"In dieser einschneidenden Situation müssen die Interessen der Clubs, die die Spieler bezahlen, vor allem anderen stehen", sagte Frank Bohmann der dpa.

Final Four für Ende Dezember geplant

Anders als die Bundesliga sollen die Champions League und der EHF-Cup zu Ende gespielt werden. Das Finalturnier in der Königsklasse soll kurz vor Silvester am 28./29. Dezember in Köln steigen - zweieinhalb Wochen vor dem Beginn der Weltmeisterschaft.

In Sachen Nationalmannschaft muss für die europäische Qualifikation zur Endrunde in Ägypten noch ein neuer Termin gefunden werden - genauso wie für die Olympia-Qualifikation. Die WM soll erstmals mit 32 Teams gespielt werden.

HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann

"Ich weiß nicht, ob man die WM zum jetzigen Zeitpunkt schon infrage stellen kann. Aber ich sehe den Termin kritisch", sagte Bohmann. "Wenn wir nicht im September anfangen können, wird es zu Konflikten kommen. Derzeit haben wir sie noch nicht."

WM-Verschiebung kaum umsetzbar

Eine WM-Verschiebung analog zur Fußball-EM oder Olympia - beides findet ein Jahr später als ursprünglich geplant im Sommer 2021 statt - ist allerdings kaum umsetzbar. Denn im Handball steht jedes Jahr ein Großereignis auf dem Plan, weil die Europa- und Weltmeisterschaften im Zwei-Jahres-Rhythmus ausgetragen werden.

Im Raum steht auch immer wieder eine Entzerrung des internationalen Kalenders, dannach würden EM und WM nur alle vier Jahre ausgetragen.

Sonderlösungen fahren

Bohmann glaubt jedoch nicht an eine Umsetzung dieser Idee, der die Interessen der nationalen und internationalen Verbände entgegenstehen. "Das diskutieren wir, seit ich bei der HBL bin. Das ist seit 2003", sagte er. Ihm schwant daher: "Im kommenden Jahr werden wir viele Sonderlösungen fahren müssen."

Dazu gehört, dass der Pokal nicht stattfinden wird. "An diesen Terminen werden wir Bundesligaspiele machen. Und wir werden noch mehr Wochenspiele haben müssen", sagte Bohmann.

HBL-Geschäftsführer Bohmann: "Eine Entscheidung, die notwendig war" Sportschau 21.04.2020 06:02 Min. Verfügbar bis 21.04.2021 Das Erste

mick/dpa | Stand: 23.04.2020, 13:36

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