Handball-Bundesliga: Wohl breite Mehrheit für einen Abbruch

 Miha Zarabec (THW Kiel, 24), Holger Glandorf (SG Flensburg-Handewitt)

Quotientenregelung könnte Meisterfrage entscheiden

Handball-Bundesliga: Wohl breite Mehrheit für einen Abbruch

Die Handball-Klubs beraten darüber, wie es mit den Bundesligen weitergehen soll. Die Saison wird wohl abgebrochen, so das Stimmungsbild. Meister Flensburg-Handewitt hat die Titelverteidigung jedenfalls schon abgeschrieben.

Sollte die Saison der Handball-Bundesliga wegen der Coronakrise vorzeitig abgebrochen werden, dann wäre die SG Flensburg-Handewitt so etwas wie der große Verlierer. Der aktuelle Meister könnte dann seinen Titel nicht mehr verteidigen und müsste ihn ausgerechnet an den ungeliebten Nordrivalen THW Kiel abtreten.

Dierk Schmäschke, der Geschäftsführer des Klubs, plädiert dennoch für einen Abbruch. "Man kann sich doch an fünf Fingern abzählen, dass es keinen Sinn macht, die Saison noch regulär zu beenden", sagt er: "Eine Fortsetzung halte ich nicht für möglich, andere Gedankenspiele sind in der aktuellen Situation nicht umsetzbar."

"Wir machen keinen Aufstand"

Die Flensburger sind ein Schwergewicht in der Handball-Bundesliga, nicht nur sportlich. Aktuell liegt das Team hinter Kiel auf dem zweiten Platz, der Titel wäre noch machbar. "Wir machen keinen Aufstand und werden nicht großartig lamentieren oder etwas infrage stellen", sagt Schmäschke und kündigt an, im Falle eines Abbruchs auf einen Protest verzichten zu wollen. "Hier geht es um die Existenz der Vereine, um den Handball schlechthin. Wir müssen einheitlich solidarisch auftreten und unsere Strukturen bewahren", sagt er.

Videokonferenz am Dienstag

Eine solche Meinung aus Flensburg ist mehr als ein Fingerzeig auf das aktuelle Stimmungsbild unter den Handball-Klubs. Momentan stimmen die 36 Erst- und Zweitligisten über den Abbruch der Saison ab. Da sich zuletzt viele von Schmäschkes Amtskollegen aus anderen Klubs ähnlich geäußert haben, spricht vieles für ein solches Szenario. Ob in Kiel oder bei den Rhein-Neckar Löwen, ob in Balingen oder Leipzig: Wie Schmäschke denken viele der Top-Funktionäre im Handball. So kann sich Leipzigs Geschäftsführer Karsten Günther "beim besten Willen" keine Wiederaufnahme der Saison vorstellen. Eine Entscheidung wird bald schon erwartet, für ein vorzeitiges Saisonende bedarf es einer Dreiviertelmehrheit. Die nächste Videokonferenz ist für Dienstag (21.04.2020) geplant.

Kommt die Quotientenregelung?

Die Liga scheint sich längst schon festgelegt zu haben. "Irgendwie die Saison noch zu Ende spielen zu wollen, das macht doch keinen Sinn", sagt auch Uwe Schwenker, der Präsident der Handball-Bundesliga (HBL): "Ich bin immer offen, wenn Ideen kreativ und lösungsorientiert sind. Aber sie müssen umsetzbar sein. Und das lassen die Bedingungen während der Coronakrise nicht zu." Die Stimmung unter den Erst- und Zweitligisten tendiere zu Abbruch, versichert Schwenker: "Die meisten haben die Saison abgehakt." Auch HBL-Vizepräsident Franz Dressel sagt, die Wahrscheinlichkeit eines Abbruchs sei "sehr groß".

HBL-Präsident Schwenker: Die Zeichen stehen auf Abbruch Sportschau 20.04.2020 01:58 Min. Verfügbar bis 20.04.2021 Das Erste

Der DHB hat auch schon Pläne in der Schublade, wie die Spielzeit dann zu werten ist. Der Verband empfiehlt die Quotientenregelung. Dabei werden die erzielten Punkte durch die Anzahl der absolvierten Spiele dividiert und mit 100 multipliziert. Schwenker bezeichnet dies als ein "gerechtes Instrument" bei einer Abbruch-Wertung. Er rechnet mit Härten für den einen oder anderen, sagt aber: "Wir haben uns abgesichert und ein Gutachten von einem renommierten Sportrechtler erstellen lassen." Laut Quotientenregelung wäre der aktuelle Tabellenführer Kiel deutscher Meister, Flensburg Zweiter.

Keine Absteiger

Keiner Diskussion bedarf es auch am unteren Tabellenende: Schwenker bestätigte erneut, dass es im Falle eines Saisonabbruchs keine Absteiger geben und die kommende Spielzeit, um die beiden Aufsteiger aus der zweiten Liga aufgestockt, mit 20 Teams starten würde.

Alternativen gibt es wohl nicht. "Eine Annullierung der Saison kann es nicht geben", stellt Schwenker klar. Ideen zu einem mehrtägigen Turnier wurden verworfen. "Das ist alles nicht praktikabel", meint der Liga-Präsident. Auch Geisterspiele sind keine Option: "Wir sind auf Zuschauer und die Einnahmen angewiesen."

Was passiert in der nächsten Saison?

Die Frage bleibt, wie es in der neuen Saison dann weitergeht. "Es hängt davon ab, wann und unter welchen Bedingungen wir wieder in den Spielbetrieb eintreten können. Das ist schwer vorherzusehen. Dass das für den gesamten Handball absolut existenzgefährdend ist, das ist keine Frage", sagt Schwenker. Gerade das Verbot von Großveranstaltungen bis 31. August mache die Situation prekär.

Flensburg ist "superstolz"

Zurück nach Flensburg. Dort versucht man, das Positive zu sehen. "Wir sind superstolz auf unsere Serie und wären als Zweiter erneut direkt für die Champions League qualifiziert", sagt Geschäftsführer Schmäschke: "Das ist ein Riesenerfolg. Darüber freuen wird uns."

Stillstand im Sport - Existenzbedrohung für zahlreiche Vereine Sportschau 18.04.2020 04:26 Min. Verfügbar bis 18.04.2021 Das Erste

sid/dpa | Stand: 20.04.2020, 13:18

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