Rücktritte, Rückkehrer und Rochaden - die Handball-Bundesliga

Tobias Karlsson verabschiedet sich von den Fans

Zum Saisonstart

Rücktritte, Rückkehrer und Rochaden - die Handball-Bundesliga

Von Robin Tillenburg

Zum Start der neuen Saison muss die Handball-Bundesliga auf einige Gesichter verzichten, die sie über viele Jahre hinweg geprägt haben. Manche haben ihre Karriere beendet, manche stehen nun bei anderen Teams unter Vertrag, wieder andere aber sind zurückgekehrt.

Die SG Flensburg-Handewitt verliert nach der geglückten Titelverteidigung zwei extrem wichtige Säulen: Tobias Karlsson, Abwehrchef, Vereinsikone und langjähriger Kapitän, hat im Alter von 38 Jahren seine Karriere beendet. Trainer Maik Machulla, der mit Karlsson auch noch gemeinsam die Schuhe schnürte, bezeichnete den Schweden als "Herz der SG", das nun den Verein verlasse.

Neben dem enormen menschlichen Stellenwert, den Karlsson in Flensburg als Anführer hatte, tut sein Abgang aus dem Deckungszentrum auch sportlich weh. Zu allem Überfluss - aus Flensburger Sicht - steht auch das "Herz" der Offensive der vergangenen Jahre nicht mehr zur Verfügung: Rasmus Lauge, im Rückraum aktiv und zum "Spieler der Saison" gewählt, zieht es nach Ungarn zu Veszprem. Der Wechsel des Dänen stand allerdings schon seit März 2018 fest.

Flensburg-Handewitt ist erneut deutscher Meister Sportschau 09.06.2019 01:00 Min. Verfügbar bis 09.06.2020 Das Erste

Großer Name folgt auf großen Namen in Kiel

Dass der THW Kiel als großer Favorit auf den Titel gehandelt wird, obwohl Trainer Alfred Gislason nach elf Jahren im Amt und 18 Titeln nun nicht mehr die Geschicke der "Zebras" von der Trainerbank aus leitet, ist auf den ersten Blick verwunderlich. Dass der Rekordmeister trotzdem ein heißer Kandidat für die Meisterschaft ist, liegt einerseits an der extrem talentierten und individuell herausragenden Mannschaft und andererseits an Gislasons Nachfolger.

Filip Jicha vom THW Kiel

Chef an der Linie: Filip Jicha

Filip Jicha ist vom Co-Trainer zum Chef aufgestiegen und hat als Spieler sieben Jahre unter seinem Vorgänger in Kiel zur großen Titelsammlung des Klubs maßgeblich beigetragen. Das "Kiel-Gen" trägt der Welthandballer von 2010 also ohnehin tief in sich. Und er konnte sich im vergangenen Jahr bereits kontinuierlich immer mehr einbringen und an das Amt herantasten. Sein Standing bei den Spielern könnte kaum höher sein, sodass ihm seine noch relativ jungen 37 Jahre und seine noch nicht vorhandene Chefcoach-Erfahrung wohl keine Probleme bereiten werden.

Angesichts dieser so "riesigen" Namen ist der Abgang von Nationalkeeper Andreas Wolff nach Kielce und der Zugang von Magdeburgs Dario Quenstedt auf dieser Position beinahe eine Randnotiz, die allerdings bei anderen Klubs das Thema Nummer eins wäre.

Die Löwen bedienen sich in Frankreich

Die Rhein-Neckar Löwen haben einen Zugang aus der französischen Liga, der es in sich hat. Torgefährlich, Nationalspieler, wurfgewaltig, Linkshänder, noch am Anfang seiner Karriere. Klingt nur teilweise nach Uwe Gensheimer? Er ist es auch nicht. Es geht um Romain Lagarde - der 22-jährige Franzose soll im Rückraum schon bald eine tragende Rolle einnehmen.

ARD-Handballexperte Dominik Klein über die "stärkste Liga der Welt" Sportschau 21.08.2019 09:59 Min. Verfügbar bis 21.08.2020 Das Erste

Uwe Gensheimer

Wieder im Löwen-Trikot: Uwe Gensheimer

Weitaus spektakulärer ist trotz des großen Talents, das Lagarde mitbringt, aber dann doch die Rückkehr von "Uwe", der nach seinen drei Jahren bei Paris Saint-Germain zurück an seine alte Wirkungsstätte kommt und bis 2022 der Linksaußen der Löwen sein wird. Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft wird damit trotz seines offiziellen Status als Neuzugang sofort (wieder) zum Gesicht und Führungsspieler des Teams. Sein Cheftrainer ist dann aber nicht mehr der Däne Nikolaj Jacobsen, der in seiner seit 2014 dauernden Amtszeit zwei deutsche Meisterschaften nach Mannheim holte, sondern der Isländer Kristjan Andresson.

Magdeburg ohne Weber - Häfner in Melsungen

Neben diesen wohl spektakulärsten Wechseln und Abgängen gibt es noch weitere beachtenswerte Transfers. So sucht man beim Tabellendritten der abgelaufenen Saison, dem SC Magdeburg, in Zukunft auf Rechtsaußen vergeblich nach dem Österreicher Robert Weber. Nach zehn Jahren beim SCM spielt der Torschützenkönig der Saison 2014/15 nun für Aufsteiger Nordhorn-Lingen.

Bei der MT Melsungen ist Kai Häfner der "Königstransfer". Der Halbrechte der deutschen Nationalmannschaft kommt, genau wie Torhüter-Routinier Martin Ziemer, von der TSV Hannover-Burgdorf zur Turngemeinde, bei der die Zwillinge Philipp (Leipzig) und Michael Müller (Füchse Berlin) nach sechs Jahren nun nicht mehr im Aufgebot stehen.

Rekordmann im Tor von Erlangen?

Carsten Lichtlein wird in dieser Saison sehr wahrscheinlich der neue Rekordspieler der Liga werden. Dem 38-Jährigen (609 Spiele) fehlen zum bisherigen Rekordmann Jan Holpert (618) nur noch zehn Einsätze. Die Chance, dass Lichtlein Holpert überholt, ist groß. Das täte der Keeper dann aber im Trikot des HC Erlangen und nicht mehr in dem des abgestiegenen VfL Gummersbach, für den er seit 2013 zwischen den Pfosten stand.

Stand: 21.08.2019, 09:26

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