Handball-Bundesliga plant Re-Start vor Zuschauern Sportschau 09.07.2020 02:05 Min. Verfügbar bis 09.07.2021 Das Erste

Mitgliederversammlung der Liga in Köln

Handball in Corona-Zeiten - Ringen nach Lösungen

Der Fußball hat es vorgemacht, auch im Basketball hat es funktioniert, und nun hat der Handball ebenfalls ein Hygienekonzept. Über die Inhalte und Probleme bei der Umsetzung hat sportschau.de mit HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann und Liga-Präsident Uwe Schwenker gesprochen.

Als sich die Manager der 39 Erst- und Zweitligisten im deutschen Handball am Mittwoch (08.07.2020) und Donnerstag trafen, um über die Zukunft ihres Sports in Zeiten von Covid-19 zu sprechen, stand natürlich eine Frage im Mittelpunkt: Wie kann er gelingen, der Neustart in der Handball-Bundesliga (HBL)?

Liga soll am 1. Oktober starten

Klar ist: "Wir wollen am 1. Oktober wieder starten mit unserem Ligabetrieb", sagte HBL-Geschäftsführer Bohmann der Sportschau am Donnerstag (09.07.2020). Gemeinsam mit der Deutschen Eishockey Liga (DEL) und der Basketball-Bundesliga (BBL) habe man in der vergangenen Woche einen Leitfaden erarbeitet und an das Bundesgesundheitsministerium geschickt, das dieses Konzept jetzt durch das Robert-Koch-Institut überprüfen lässt.

Musterkonzept für die Vereine erarbeitet

Zu klären sind jede Menge Detailfragen eines Musterkonzepts für die Vereine. Zum Beispiel, wie eine Arena eigentlich auszusehen hat, um die Sicherheit der Zuschauer zu gewährleisten, aber auch die der Spieler und des ganzen Umfelds. "Dieses Muster werden wir erstellen für zwei oder drei Arenen von verschiedener Größe. Und mit diesem Muster können dann die Klubs ihre eigene Arena vorbereiten. Letzendlich muss der Klub selbst mit den Behörden vor Ort ein Konzept entwickeln, das genehmigt wird", sagte Bohmann.

Zuschauer existenziell wichtig

HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann | Bildquelle: dpa/Daniel Reinhardt

Vor allem aus finanzieller Sicht ist die Frage nach der Rückkehr der Zuschauer existenziell für die Klubs, denen sonst erhebliche Teile ihrer Einnahmen wegbrechen würden. "Die Klubs müssen überleben können, das geht ohne Zuschauer nicht", sagt Bohmann. Alle Klubs durch die Saison zu bringen, sei ein zentrales Thema. "In unseren Hallensportarten ist es ohne Zuschauer nicht möglich. Deshalb planen wir mit Zuschauern unter allen möglichen Sicherheitsvorkehrungen. Wir wollen gerne Hilfe zur Selbsthilfe, da brauchen wir die kooperative Zusammenarbeit mit der Politik und den Behörden. Die stehen aber selber auch unter Zwängen und können nur das genehmigen, was letztendlich in ihrem Verantwortungsbereich ist."

Einschränkungen wird es allerdings auch dann geben, wenn die Politik ihr "Go" gibt. Stehplätze wird es keine geben, auch Auswärtsfans sind nicht erlaubt. Außerdem müssen sichere Zu- und Abwege sowie ausreichende Abstände auf den Rängen gewährleistet sein.

Frank Bohmann: So soll der Handball-Re-Start gelingen Sportschau 09.07.2020 03:04 Min. Verfügbar bis 09.07.2021 Das Erste

Spieler vor Extrembelastung schützen

Ein weiteres zentrales Thema ist die Belastung der Spieler wegen des eng getakteten Saisonplans. "Es nutzt uns nichts, Spiele unter großen Corona-Sicherheitsmaßnahmen zu machen, wenn die Spieler dann alle mit Muskel- oder Gelenkverletzungen ausfallen. Hier gilt es, eine Steuerung der Belastung vorzunehmen. Die Spieler sprechen ein ganz gewichtiges Wort mit, da sind wir auch im Austausch mit ihnen. Das ist auch im Interesse der Klubs selber", sagte Bohmann der Sportschau.

DHB-Pokal in abgespecktem Modus

Ursprünglich hatte die Liga in der kommenden Spielzeit aus Termingründen auf den DHB-Pokal verzichten wollen, doch dieser Plan ist überholt. Nun wollen die Verantwortlichen den Pokalsieger in einem abgespeckten Modus ausspielen. "Den Pokal haben wir ausgesetzt. Wir werden ein Finalturnier machen nach noch zu bestimmenden Kriterien. Da werden vier Mannschaften dran teilnehmen, möglicherweise die ersten vier Mannschaften nach der Hinrunde", sagte Bohmann.

Für einen endgültigen Beschluss muss der Deutsche Handballbund (DHB) noch zustimmen. Erstmals werden somit zwei Pokalsieger in einer Spielzeit gekürt. Das Final-Four um den DHB-Pokal 2020 ist wegen der Coronakrise auf Ende Februar 2021 verlegt worden. 

Schwenker: "Krise nicht nur durchleben, sondern auch überstehen"

HBL-Präsident Uwe Schwenker | Bildquelle: dpa, Marius Becker

Der HBL-Geschäftsführer sieht seine Aufgabe gemeinsam mit Liga-Präsident Uwe Schwenker auch darin, "mit einem gewissen Optimismus Perspektiven für die Zukunft zu erläutern und zu verbreiten". "Die Kultur der Zusammenarbeit mit den Vereinen und ihren Vertretern stimmt mich sehr hoffnungsfroh, dass wir gemeinsam diese Krise nicht nur durchleben, sondern auch überstehen werden", sagte Schwenker der Sportschau.

Er räumte aber auch ein, dass es nicht in Gänze Lösungen für alles geben könne. Es gebe einige Themen, die im Moment noch nicht abschließend beantwortet werden könnten.