Treffen der Handball-Klubs - "Brauchen mutige Entscheidungen"

Steffen Weinhold (M.) vom THW Kiel im Derby gegen die SG Flensburg-Handewitt beim Wurf

Mitgliederversammlung der Liga in Köln

Treffen der Handball-Klubs - "Brauchen mutige Entscheidungen"

Die Manager der Handball-Bundesliga treffen sich, um die kommende Saison zu planen. Im Fokus steht das Hygienekonzept und die damit verbundene Hoffnung auf eine Rückkehr der Fans in die Hallen. Zudem wird es um die Belastung der Spieler, den Spielplan und den DHB-Pokal gehen.

Nach monatelangen Videokonferenzen freut sich HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann auf das erste persönliche Treffen mit den Managern der Handball-Bundesliga seit dem Beginn der Corona-Krise. "Das Wiedersehen tut uns gut. Darauf freuen sich alle", sagte Bohmann vor der zukunftweisenden Mitgliederversammlung der Liga am Mittwoch und Donnerstag (07./08.07.2020).

Bei dem zweitägigen Meeting in einem Kölner Hotel, zu dem wegen der anhaltenden Pandemie jeweils nur ein Vertreter der 39 Erst- und Zweitligisten anreisen wird, haben die Manager der Branche viel zu bereden. "Wir brauchen mutige Entscheidungen unter Beachtung der gegebenen Situation", erklärte Bob Hanning, der Vizepräsident des Deutschen Handballbundes.

Hoffen auf die Fans

Thema Nummer eins ist das Hygienekonzept und die damit verbundene Hoffnung auf eine Rückkehr der Fans in die Hallen. Die HBL hat in den vergangenen Wochen gemeinsam mit der Deutschen Eishockey Liga (DEL) und der Basketball-Bundesliga (BBL) ein Generalkonzept mit Zuschauern erstellt, das bereits dem Bundesgesundheitsministerium vorliegt und nun auch den Vereinen präsentiert wird.

Handball-Bundesliga plant mit Zuschauern Sportschau 24.06.2020 02:12 Min. Verfügbar bis 24.06.2021 Das Erste

Die Rückkehr der Fans ist vor allem aus finanzieller Sicht existenziell. "Wenn wir im Oktober die Chance bekommen, anteilig mit Zuschauern zu spielen, wird es am Jahresende keine Insolvenzen geben", sagte Bohmann im Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Alle Vereine "arbeiten im Krisenmodus. Je später wir Rahmenbedingungen erhalten, die uns unsere Geschäftsgrundlage zurückgeben, desto dünner wird das Eis."

"Chance wie seinerzeit der Fußball verdient"

Deshalb werde man "alles Notwendige unternehmen, um Politik und Behörden, aber auch die Fans von einem Wiedereinstieg Anfang Oktober zu überzeugen", so Bohmann: "Wir sind überzeugt, dass wir eine ähnliche rettende Chance wie seinerzeit der Fußball verdient haben." Fest steht bereits, dass es keine Stehplätze geben darf, ebensowenig Auswärtsfans. Sichere Zu- und Abwege sowie ausreichende Abstände auf den Rängen müssen gewährleistet sein.

Handball-Bundesliga: Neue Spielzeit startet im Oktober

Sportschau 24.06.2020 00:57 Min. Verfügbar bis 24.06.2021 ARD

"Bis Oktober haben wir noch etwas Zeit. Ich kann mir schon vorstellen, dass wir dann mit Zuschauern spielen. Die Frage ist: Mit wie vielen?", sagte Hanning, der auch Geschäftsführer der Füchse Berlin ist: "Wichtig ist, dass wir die richtige Balance finden und respektvoll mit der Situation umgehen." Klar ist: Das HBL-Papier gibt für die Saison, die am 1. Oktober starten soll, nur den Rahmen vor. "Es wird nicht gleichermaßen an jedem Standort angewendet werden können", betonte Bohmann: "Wir haben föderale Gesetzgebungsmechanismen, die wir einhalten müssen. Jede Halle muss einzeln genehmigt werden."

Hanning fordert wegen hoher Belastung Regeländerungen

Auf der Agenda steht zudem auch das Thema Belastung. "Wir müssen daüber sprechen, die Spieler müssen Teil der Lösung sein", forderte Hanning. Hintergrund ist der volle Terminkalender. Anfang 2021 steht die WM in Ägypten an, im Sommer dann die Olympischen Spiele in Tokio. "Da wollen wir ja gut abschneiden", sagte Hanning. Deshalb plädiert für die kurzfristige Abschaffung des Torverhältnisses und für die Einführung eines direkten Vergleichs bei Punktgleichheit. "Das würde Druck rausnehmen. Die Trainer müssten nicht auf jedes Tor achten und könnten den Nationalspielern mehr Pausen geben", sagte er. Auch über eine Änderung der Spieldauer von zwei Mal 30 Minuten auf drei Mal 20 Minuten möchte Hanning diskutieren. Gesprächsbedarf gibt es wohl auch noch bei der finalen Erstellung des Bundesliga-Spielplans.

DHB-Pokal im Kleinformat?

Zumal die Liga wohl auch auf den DHB-Pokal nicht verzichten will. Eigentlich sollte der in der kommenden Saison ausgesetzt werden. Nun könnte in einer deutlich abgemagerten Form am 5./6. Juni 2021 das Final Four ausgespielt werden. "Wir werden darüber sprechen, ob das Finalturnier ausgerichtet wird, und wenn ja, wie man sich dafür qualifiziert", sagte Bohmann. Denkbar wäre beispielsweise eine Qualifikation über die Ligaplatzierung. Eine endgültige Entscheidung kommt jedoch nur gemeinsam mit dem DHB zustande. "Es ist vor allem der Wunsch der Erstligisten, eine Pokalrunde zu spielen", sagte Bohmann.

Damit kommt es wohl zum Novum in der Bundesliga-Geschichte, dass zwei Pokalsieger in einer Spielzeit gekürt werden. Denn bereits Ende Februar kommenden Jahres wird die ausgefallene Endrunde der Saison 2019/20 mit dem THW Kiel, dem TBV Lemgo Lippe, der TSV Hannover-Burgdorf und der MT Melsungen nachgeholt.

sid/dpa | Stand: 08.07.2020, 09:45

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