Kreisläufer-Roulette in der Handball-Bundesliga

Start der Handball-Saison 2018/19

Kreisläufer-Roulette in der Handball-Bundesliga

Von Robin Tillenburg

Wenn am Donnerstag die Handball-Bundesliga beginnt, müssen einige Spieler aufpassen, dass sie bei ihren Kreisanspielen nicht aus Versehen dem Gegner den Ball geben: Auf der Kreisläuferposition wurde kräftig durchgemischt. Vor allem bei den Löwen, in Kiel und in Flensburg wird sich einiges ändern.

Hendrik Pekeler im Trikot des THW Kiel? Jannik Kohlbacher im gelben Löwen-Dress? Johannes Golla nicht in Melsungen, sondern am Kreis in Flensburg - und dort ohne Jacob Heinl? So ein bisschen werden Handballfans brauchen, um sich an das Bild zu gewöhnen, das sich ihnen in dieser Saison auf den Kreisläuferpositionen der Bundesligisten bietet. Unter den besten sieben Teams der Vorsaison gab es insgesamt 16 Veränderungen am Kreis.

Pekeler-Wechsel bringt alles ins Rollen

Ins Rollen gekommen war die Rochade schon im Februar 2017. Damals wurde bekannt, dass Hendrik Pekeler nach Ablaufs seines Vertrags 2018 die Rhein-Neckar Löwen verlassen und zu seinen Wurzeln zurückkehren würde. Der Nationalspieler wechselt zurück zum THW Kiel, für den er schon von 2008 bis 2010 gespielt hat.

Die Löwen fanden in Wetzlars Jannik Kohlbacher schnell einen Nachfolger - ebenfalls Nationalspieler. Als Ende 2017 mit Jesper Nielsen von Paris Saint-Germain noch ein weiterer Hochkaräter als Zugang in Mannheim bekannt wurde, war dadurch auch der Abschied von Rafael Baena besiegelt.

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Auch bei Meister Flensburg und Rekordmeister Kiel gab es Bewegung: Die Brüder Henrik (Flensburg) und René Toft Hansen (Kiel) entschieden sich beide für einen Wechsel ins Ausland - Melsungens junger Hüne Johannes Golla und eben Pekeler sind die jeweiligen Nachfolger. Weil auch Jacob Heinl nach 14 Jahren Flensburg den Meister verlassen wollte, holte die SG zudem den Dänen Simon Hald.

Änderungen auf der Kreisläuferposition bei den Top-7 der Vorsaison im Überblick
TeamZugangAbgang
Rhein-Neckar LöwenJannik Kohlbacher (von HSG Wetzlar)
Rhein-Neckar LöwenJesper Nielsen (von Paris Saint-Germain)
Rhein-Neckar LöwenRafael Baena (zu Bergischer HC)
Rhein-Neckar LöwenHendrik Pekeler (zu THW Kiel)
THW KielHendrik Pekeler (von Rhein-Neckar Löwen)
THW KielRené Toft Hansen (zu KC Veszprém)
SG Flensburg-HandewittJohannes Golla (von MT Melsungen)
SG Flensburg-HandewittSimon Hald (von Aalborg Handbold)
SG Flensburg-HandewittHenrik Toft Hansen (zu Paris Saint-Germain)
SG Flensburg-HandewittJacob Heinl (zu Ribe-Esbjerg HH)
Füchse BerlinMijajlo Marsenic (von RK Vardar Skopje)
Füchse BerlinIgnacio Plaza Jiménez (zu SC Magdeburg)
SC MagdeburgIgnacio Plaza Jiménez (von Füchse Berlin)
SC MagdeburgGleb Kalarash (zu Vardar Skopje)
TSV Hannover-BurgdorfDomagoj Srsen (von Orosházi FKSE)
TSV Hannover-BurgdorfDominik Kalafut (zu Cesson-Rennes Métropole HB)

Kreisläuferparadies Mannheim

Aktuell gibt es wohl kaum einen besseren Ort für offensivstarke Kreisläufer als Mannheim. In Andy Schmid haben die Rhein-Neckar Löwen einen Spielmacher, dessen Zusammenspiel mit seinen Mitspielern am Kreis nahezu unerreicht ist. Dazu funktioniert auch das Sieben-Gegen-Sechs-Spiel der Löwen mit zwei Kreisläufern hervorragend. Es ist somit nur logisch, dass der Meister von 2016 und 2017 in Kohlbacher einen der offensiv talentiertesten Kreisläufer Europas verpflichtet hat.

Jesper Nielsen ist die ideale Ergänzung - der 28 Jahre alte Schwede kommt vom Pariser Starensemble und hatte auch drei Jahre bei den Füchsen Berlin gespielt. Der Allrounder kann den Abgang von Pekeler mindestens auffangen. Ist das Zusammenspiel von Kohlbacher und Nielsen mit Schmid - der sich nahezu blind mit Pekeler verstanden hat - schnell justiert, dürfte das Team von Nikolaj Jacobsen keine Probleme haben.

Flensburg: Talente könnten noch Zeit brauchen

Schwieriger könnte es für den Meister werden. Im Rahmen eines großen Umbruchs haben sechs wichtige Spieler den Verein verlassen. Flensburg verliert in Heinl eine echte Vereinsikone und in Toft Hansen einen der wichtigsten Spieler - vorne wie hinten. Das sind Fußstapfen, die man erstmal ausfüllen muss. Rein körperlich dürfte das für Hald und Golla kein Problem sein - der 23 Jahre alte Däne ist 2,03 m groß und wiegt 115 Kilogramm. Golla ist drei Jahre jünger, 1,95 m groß und 112 Kilogramm schwer.

Beide sind große Talente, doch vor allem das Spiel Gollas ist noch etwas roh - was für sein Alter absolut normal ist. Mittelfristig könnten beide sogar besser sein als das abgewanderte Duo, doch aktuell reichen sie an die individuelle Klasse und Erfahrung von Toft Hansen noch nicht heran. Dementsprechend sind die Flensburger gut beraten gewesen, in Anders Zachariassen noch einen starken Mann auf dieser Position zu behalten, der die Systeme und Abläufe bereits bestens kennt.

Kiel: Offensives Upgrade

Beim THW Kiel reibt man sich indes die Hände: Der "Tausch" zwischen René Toft Hansen und Pekeler ist sogar ein kleines Upgrade. Pekelers Qualitäten im Angriff sind denen Toft Hansens definitiv überlegen und in der Abwehr kennen Patrick Wiencek und der Ex-Löwe sich aus dem Innenblock der Nationalmannschaft bereits bestens.

Da die Kieler für ihr rückraumlastiges Angriffsspiel einen torgefährlichen Kreisläufer als Anspielstation brauchen, ergibt der Austausch doppelt Sinn. Dass die Zebras nun die beiden aus dem Feld torgefährlichsten Kreisläufer der abgelaufenen Saison im Kader haben, dürfte hier also kein Nachteil sein.

Auch das Gegenstoßspiel - eine weitere Kieler Spezialität - wird durch die Neuverpflichtungen noch stärker werden. Mit seinen langen Armen ist "Peke" nicht nur im Zentrum einer 6-0-Abwehr, sondern auch als vorgezogener Mann in einer 5-1-Situation ein Albtraum für den gegnerischen Rückraum. Kiel hat durch die Neuverpflichtung also nicht nur einen Spieler geholt, der durch seine Vergangenheit beim THW das Zeug zum "Local Hero" hat, sondern sich auch sportlich zusätzliche Qualitäten ermöglicht.

Stand: 22.08.2018, 08:30

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