Handball-Bundesliga fordert Gehaltsverzicht

Flensubrgs Jim Gottfridsson (Mitte) versucht sich gegen die Berliner Deckung durchzusetzen

Krisensitzung

Handball-Bundesliga fordert Gehaltsverzicht

Die Handball-Bundesliga will die derzeit ausgesetzte Saison trotz der Verbreitung des Coronavirus nach Möglichkeit zu Ende spielen. Spieler sollen zu einem Gehaltsverzicht bewogen werden.

Am entsprechenden Beschluss des Präsidiums werde festgehalten, teilte die Handball-Bundesliga (HBL) am Montag (16.03.2020) nach einer Telefonkonferenz der Verantwortlichen der 18 Klubs mit. Der Spielbetrieb in der HBL wird bis mindestens Ende April ausgesetzt. Am Mittwoch wollen sich die Geschäftsführer der Klubs erneut zusammenschalten, um über die Coronavirus-Krise zu beraten.

"Wir haben immer noch die Hoffnung, egal wann, dass wir die Saison zu Ende spielen", sagte Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse Berlin. Um die wirtschaftlichen Schäden abzumildern, haben einige Klubs bereits Kurzarbeitergeld beantragt.

Spieler und Sponsoren gefordert

"Wir haben zudem beschlossen, dass wir nur eine Chance haben, zu überleben, wenn Spieler und Sponsoren ebenfalls ihren Beitrag dazu leisten", sagte Hanning. So wollen die Klubs ihre Profis etwa zu einem Gehaltsverzicht bewegen: "Ohne das ist es, glaube ich, kaum darstellbar."

Kurzarbeitergeld beantragt

Einige Vereine haben angesichts der sich zuspitzenden finanziellen Lage bereits Kurzarbeitergeld beantragt. Die Klubs stünden "wie viele andere Unternehmen vor nie da gewesenen Herausforderungen", heißt es in einer Mitteilung der Handball-Bundesliga.

Insolvenzen drohen

Die Höhe des Verlustes der jeweiligen Klubs lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Sollte die Saison abgebrochen werden müssen, würde er sich pro Verein ungefähr auf einen mittleren sechsstelligen Betrag belaufen. Den Funktionären ist klar: Wird der Spielbetrieb in dieser Saison nicht mehr fortgesetzt, drohen Insolvenzen.

Ticketing von zentraler Bedeutung

Anders als im Fußball kommt dem Ticketing im Handball eine zentrale Rolle zu. So generieren die Klubs rund ein Viertel ihres Etats aus Zuschauereinnahmen, noch mehr hängt nur an den Sponsorengeldern. Geringer ist unterdessen die Bedeutung der TV-Einnahmen, die weniger als zehn Prozent des Etats ausmachen. Der Wunsch, die Saison zu Ende zu spielen, sei bei allen Vereinen vorhanden. "Zur Not auch bis Ende Juni", sagte Hanning.

Erster Coronavirus-Fall in der Liga

Das Szenario eines Abbruchs soll deshalb trotz des am Montagmorgen bekannt gewordenen ersten Coronavirus-Falls in der Liga unbedingt vermieden werden. Ein Spieler der Rhein-Neckar Löwen hat sich mit dem Sars-CoV-2-Virus infiziert, wie die Mannheimer mitteilten.

Der Rückraumspieler, der sich nach eigener Aussage wieder fit und voll belastbar fühlt, sei umgehend gemeinsam mit seiner Familie in eine 14-tägige häusliche Quarantäne überstellt worden.

Final Four Ende Juni

Unterdessen gibt es einen Nachholtermin für das Final Four um den DHB-Pokal. Es soll am 27. und 28. Juni gespielt werden. Das gab die Handball-Bundesliga am Montag bekannt. Den Titel spielen der Rekordtitelträger THW Kiel, der TBV Lemgo Lippe, die MT Melsungen und die TSV Hannover-Burgdorf wie geplant in Hamburg unter sich aus. Zunächst war das Finalwochenende für den 4. und 5. April geplant, dieser Termin war wegen der Pandemie aber nicht haltbar.

dpa | Stand: 16.03.2020, 17:57

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