Handball-Weltstars protestieren gegen zu hohe Belastung

Mikkel Hansen, Nikola Karabatic

Gemeinsame Aktion von Spitzensportlern

Handball-Weltstars protestieren gegen zu hohe Belastung

Mit einem Video haben etliche Weltklasse-Spielerinnen und -Spieler gegen die zunehmende Belastung durch immer mehr Spiele und Turniere protestiert. In dem 1:43 Minuten langen Stück treten Profis wie der deutsche Nationalmannschaftskapitän Uwe Gensheimer, die Kieler Patrick Wiencek und Domagoj Duvnjak, der dänische Welthandballer und Weltmeister Mikkel Hansen, die rumänische Welthandballerin Cristina Neagu oder die norwegische Champions-League-Gewinnerin Nora Mørk auf.

"Spielt nicht mit den Spielern!" Die Botschaft ist klar und unmissverständlich. Der Video-Protest etlicher Star-Handballer gegen die Terminhatz in ihrer Sportart hatte innerhalb kurzer Zeit zigtausend Abrufe im Internet. Die Spieler sind der Meinung, dass die Anzahl der Spiele für die Profis (bis zu 80 pro Saison) zu hoch ist.

"Hört auf die Spieler"

"Die Folgen sind zahlreich und unverantwortlich für die Gesundheit der Spieler und sie sind am Ende schlecht für unseren Sport", sagte Karabatic in dem fast zweiminütigen Film, den die Profis am Mittwoch (03.04.2019) in den sozialen Netzwerken verbreiteten. Nationalmannschaftskapitän Gensheimer monierte, dass die Spieler "immer mehr" spielen müssten. Die Gesamtzahl der Spiele in einer Saison oder der Druck auf die Spieler werde dabei nicht berücksichtigt. Der dänische Weltmeister-Torhüter Niklas Landin vom THW Kiel richtet wie viele andere den eindeutigen Appell in die Kamera: "Hört auf die Spieler!"

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Das Thema Überbelastung ist nicht neu, doch mit der konzertierten Aktion von etlichen Top-Spielern hat der Protest eine neue Dimension erreicht. Es dürfte für die Verbände ein ernstzunehmender und vielleicht letzter Warnschuss sein. "Indem wir die Ruhetage respektieren, stellen wir sicher, dass die Spieler bereit sind und das Maximum auf dem Spielfeld geben können", sagt Dänemarks Hansen.

Gesprächsangebot an IHF und EHF

Initiator der Aktion ist die europäische Vereinigung der Handballer (EHPU), zu deren Mitgliedern auch die deutsche Vertretung Goal zählt. "Wir sind im zehnten Jahr mit dem Thema unterwegs. Die Erfolge sind überschaubar", sagt der deutsche EHPU-Vizepräsident Markus Rominger, selbst mehrere Jahre Bundesligatorwart. Die Idee zu dem Video entstand bei der Männer-WM in Deutschland und Dänemark im Januar. "Das war ein Selbstläufer", erzählt Rominger.

Mit dem Video ging zugleich auch eine Einladung an die Präsidenten und Generalsekretäre des Weltverbandes IHF und des europäischen Verbandes EHF zu einem Gespräch anlässlich des Final Four in der Champions League am 1. und 2. Juni. Laut Rominger hat die EHF schon zugesagt. Mit der EHF sei der Kontakt ohnehin sehr gut, meinte der Ex-Profi. In Köln sollen die Funktionäre direkt die Spieler anhören.

Diskussion schon seit Jahren

Seit Jahren wird über die Belastung im Handball diskutiert, zuletzt während und nach der Männer-WM. So mussten viele der Bundesliga-Spieler nach zehn WM-Partien in 18 Tagen bereits anderthalb Wochen später mit ihren Vereinen um Punkte in der Liga und im Europapokal spielen. "Entscheidungen werden getroffen, ohne die Arbeitsbelastung der Spieler und ihre Auswirkungen auf ihre körperliche und geistige Integrität zu berücksichtigen", sagt der kroatische Nationalspieler Luka Stepancic.

Immer wieder beschweren sich Spitzenspieler über die vielen Spiele und engen Zeitpläne im Handball. Doch ein Ende ist nicht abzusehen - im Gegenteil. Denn statt seitens der Verbände gegenzusteuern, wird es künftig noch schlimmer. Durch die EM-Aufstockung von 16 auf 24 Teams kommt der Europameister im kommenden Jahr, einem Turnier, das wegen der Austragung in Schweden, Norwegen und Österreich ohnehin von zusätzlichen Reisestrapazen erschwert wird, am Ende auf neun statt acht Spiele.

Die nächste WM 2021 in Ägypten findet erstmals mit 32 statt 24 Teilnehmern statt. Zum Vergleich: Bei der Fußball-WM in Russland haben die Mannschaften im Schnitt alle vier Tage ein Spiel bestritten. Ein Traum für die Handballer, der zumindest bei der kommenden WM unerfüllt bleiben wird.

sid/dpa | Stand: 03.04.2019, 17:24

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