Handball-Bundesliga - Die Herausforderer der großen drei

Drei Vereine wollen die Spitze der Handball-Bundesliga aufmischen

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Handball-Bundesliga - Die Herausforderer der großen drei

Von Maike Elger

Die Favoritenrollen sind klar verteilt: Kiel, Flensburg und die Löwen geben seit Jahren den Ton an in der Handball-Bundesliga. Doch in in dieser Spielzeit könnten drei weitere Teams ein Wörtchen mitreden.

THW Kiel, SG Flensburg-Handewitt, Rhein-Neckar Löwen: Seit Jahren machen diese drei Topklubs den deutschen Meistertitel unter sich aus. Neun Jahre ist es her, dass eine andere Mannschaft die Schale gewinnen konnte. Aber hinter den großen drei bringen sich drei andere Teams in Stellung.

Füchse Berlin - Starke Neuzugänge

Am offensivsten äußern wohl die Füchse Berlin ihre Ambitionen, an der Tabellenspitze mitzumischen. Und das nicht ganz zu unrecht. Geschäftsführer Bob Hanning und Sportdirektor Stefan Kretzschmar haben einen starken Kader zusammengestellt und sich punktuell clever verstärkt:

Kapitän Paul Drux erhält im linken Rückraum Entlastung durch den Dänen Lasse Andersson, der vom FC Barcelona kommt. Auf der Mittelposition ergänzt Nationalspieler Marian Michalczik Jakob Holm. Werden Fabian Wiede, der sich noch von seiner Schulteroperation erholt, und Simon Ernst, der nach dem dritten Kreuzbandriss am Comeback arbeitet, rechtzeitig fit, sind die Füchse im Rückraum personell richtig stark aufgestellt.

Nachwuchs auf Rechtsaußen und der Trainerbank

Besondere Aufmerksamkeit dürfe Valter Chrintz auf Rechtsaußen bekommen. Der 20-Jährige gilt als eines der größten Talente auf seiner Position. Vom 13 Jahre älteren Hans Lindberg dürfte er jede Menge lernen. Auf der Torhüterposition sollte der Abgang von Silvio Heinevetter zu verkraften sein. Dejan Milosavljev konnte in der vergangenen Füchse-Saison sowie bei seinem vorherigen Verein Vardar Skopje seine Qualität einige Male unter Beweis stellen. Zusammen mit einem groß gewachsenen Innenblock aus Jakov Gojun, Marko Kopljar und Mihajlo Marsenic dürften die Füchse eine stabile Defensive stellen. 

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Die größte ungewisse Variable ist wohl der Trainer: Mit Jaron Siewert haben die Füchse Berlin einen Cheftrainer verpflichtet, der jünger ist als einige seiner Spieler. Mit 26 Jahren ist er der jüngste Bundesliga-Trainer aller Zeiten. TUSEM Essen coachte er zuletzt zum Aufstieg ins Oberhaus. Doch die Arbeit in der Hauptstadt dürfte eine andere Herausforderung sein. Wie er mit dem Leistungsdruck, dem medialen Interesse und der Arbeit mit gestandenen Handballstars umgehen wird, wird spannend. 

MT Melsungen - im erweiterten Favoritenkreis

Seit Jahren zählt die MT Melsungen zum erweiterten Kreis der Favoriten in der Bundesliga. Der Kader zählt einige Spieler mit viel nationaler und internationaler Erfahrung. Was in der Vergangenheit häufig fehlte: ein hohes Leistungsniveau über einen längeren Zeitraum. 

Für Konstanz und mehr Aggressivität soll nun Gudmundur Gudmundsson sorgen. Der seit Februar neue Coach könnte das fehlende Puzzleteil bei der MT sein. Der Isländer verfügt über viel internationale Erfahrung, gewann als isländischer Nationalcoach die olympische Silbermedaille, holte mit der dänischen Auswahl den Europameistertitel und Olympia-Gold und bescherte den Rhein-Neckar Löwen mit dem EHF-Pokal den ersten Titel der Vereinsgeschichte. 

Klein über Meister- und Abstiegskampf in der Handball-Bundesliga Sportschau 30.09.2020 01:21 Min. Verfügbar bis 30.09.2021 Das Erste

Große Namen auf allen Positionen

Mit Julius Kühn, Kai Häfner, Tobias Reichmann und Finn Lemke spielen gleich vier Europameister von 2016 bei den Nordhessen. Mit Timo Kastening, dem Shootingstar der EM 2020 und Torhüter Silvio Heinevetter kommen zwei weitere Nationalspieler hinzu. Mit Reichmann und Kastening auf der Rechtsaußen-Position ist die MT auf dieser Position auch in der Tiefe so gut aufgestellt, wie kaum ein anderer Verein in der Liga. Bleibt der Rückraum mit den Schlüsselspielern Julius Kühn, Kai Häfner und Lasse Mikkelsen verletzungsfrei, ist der Mannschaft einiges zuzutrauen.

SC Magdeburg - überzeugende Konstanz

Der traditionsreiche SC Magdeburg hat mit Bennet Wiegert einen leidenschaftlichen Trainer an der Spitze, der auf eine seit Jahren konstante und geschlossene Mannschaft zurückgreifen kann. In der vergangenen Spielzeit beendete sein Team die Saison nach Abbruch auf dem dritten Tabellenplatz. 

Seit 2015 trainiert Bennet Wiegert den SC Magdeburg

Seit 2015 trainiert Bennet Wiegert den SC Magdeburg

Schlüsselspieler ist zweifelsohne Michael Damgaard im linken Rückraum. Der torgefährliche Däne ist dank seiner individuellen Qualitäten in der Lage, aus jeder Situation ein Tor zu erzielen und in den vergangenen Jahren war es immer wieder er, der enge Spiele am Ende für den SCM entschied. Mit Christian O’Sullivan und Marko Bezjak hat der SCM zwei clevere Spielmacher in ihren Reihen, von denen der talentierte  Youngster Gisli Kristjansson viel lernen dürfte. Bezjak und Kristjansson sollte die verlängerte Corona-Pause insofern gut getan haben, dass sie Zeit hatten, ihre Verletzungen auszukurieren.

Gefahr des kleinen Kaders

Vier Spieler haben den Verein seit Saisonende verlassen, nur zwei sind hinzugekommen. Doch die beiden Neuzugänge bringen viel Qualität mit. Magnus Gullerud kommt von GWD Minden. Der Kreisläufer kann mit Musa Zejlko und Piotr Chrapkowski in der Abwehr für Stabilität sorgen. Isländer Omar Ingi Magnusson verstärkt das Team im rechten Rückraum. Von der EHF wurde er kürzlich unter die Top-10-Transfers in der Europa League gewählt.

Dass nicht weitere Transfers getätigt und der Kader breiter aufgestellt wurde, liegt sicher auch am wirtschaftlichen Druck durch die Coronakrise. Schafft es das Team, das auszublenden und den kleineren Kader optimal einzusetzen, werden sie in der Liga wieder ein Wörtchen um die vorderen Plätze mitzureden haben. 

THW Kiel startet mit einem Titel in die schwierige Corona-Saison Sportschau 27.09.2020 03:58 Min. Verfügbar bis 27.09.2021 Das Erste

Stand: 30.09.2020, 10:57

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