Tiger Woods - kein "Youtube-Golfer"

Golfer Tiger Wods mit grünem Sakko und Trophäe nach seinem Master-Sieg

Fünfter Sieg bei US Masters

Tiger Woods - kein "Youtube-Golfer"

Von Christian Mixa

Golfer Tiger Woods triumphiert nach 14 Jahren wieder beim Masters in Augusta und liefert eins der größten Comebacks in der Sport-Geschichte.

Noch am Sonntagabend (14.04.2019), Tiger Woods hatte gerade seinen unglaublichen fünften Triumph beim US Masters gefeiert und "die Erde beben lassen" (ESPN), begannen die Geschichtsschreiber in den Sportredaktionen mit ihrer Arbeit. Wo steht der Masters-Triumph des 43-Jährigen, der elf Jahre ohne Major-Titel geblieben war, in der Geschichte der größten Comebacks der Sportgeschichte? Michael Jordans Rücktritt vom Rücktritt zum Beispiel, als der Basketball-Superstar nach einem Ausflug zum Baseball wieder zurück in die NBA kam und weitere drei Titel feierte. Oder der Triumph von Steffi Graf 1999 bei den French Open gegen Martina Hingis, nach drei Jahren mit Verletzungen, Steuerermittlungen und Absturz in der Weltrangliste.

Woods selbst assistierte im Anschluss bei der historischen Einordnung seines fünften Triumphs beim Masters, 14 Jahre nach dem bis dato letzten Sieg beim prestigeträchtigsten Golfturnier der Welt. Seine Kinder, erzählte Woods, dachten immer er sei einer von diesen "Youtube-Golfern": Berühmte Spieler aus vergangenen Tagen, die man eigentlich nur aus alten Videos und von der Spielkonsole kennt.

Große Emotionen bei Familie Woods

Im September 2018 waren Tochter Sam (11 Jahre) und ihr kleiner Bruder Charlie nicht mit in Atlanta, als ihr Vater bei der Tour Championship seinen 80. Erfolg auf der PGA-Tour feierte, den ersten Major-Sieg nach fünf Jahren. "Ich wollte ihnen zeigen, wie es ist, wenn ihr Vater ein großes Turnier gewinnt", sagte Woods und erinnerte an seinen ersten Triumph in Augusta im Jahr 1997, als er seinem Vater, Trainer und Förderer Earl Woods um den Hals gefallen war, der im Jahr 2006 verstarb. "Jetzt bin ich Vater von zwei Kindern", sagte er sichtlich bewegt.

Große Emotionen waren durchaus erlaubt an einem Abend, an dem Woods ein schon nicht mehr für möglich gehaltenes Comeback vollendete. Der langjährige Dominator der Golfwelt, der insgesamt 683 Wochen lang die Weltrangliste angeführt hatte, länger als jeder andere in der Geschichte, erinnerte in Augusta noch einmal daran, wie er es vor zwei Jahren fast nicht zum Champions Dinner an der Magnolia Lane geschafft hatte, weil er vor Schmerzen kaum laufen konnte. "Es war eigentlich schon alles vorbei zu der Zeit", sagte Woods gegenüber ESPN.

Über Jahre hatten Knie- und Rückenprobleme sein Spiel gelähmt. Zum Absturz in der Weltrangliste kamen private Krisen, das öffentlich ausgeschlachtete Ende seiner Ehe, eine Anklage wegen Fahrens unter Drogeneinfluss. Erst die vierte Rückenoperation im April 2017 linderte die Beschwerden soweit, dass Woods wieder seinen Schwung durchziehen und sich langsam das Zutrauen in seinen Schlag zurückholen konnte.

"Sieg für die Ewigkeit"

Spätestens mit dem Erfolg im Vorjahr in Atlanta, dem ersten Major-Sieg nach fünf Jahren, hatte sich Woods wieder in die Reihe der Titelanwärter gespielt. Der fünfte Sieg beim Masters, wo vor 22 Jahren seine große Karriere begann, beendete nun endgültig die Leidenszeit. Auf dem Platz an der Magnolia Lane zeigte Woods auch die größte Nervenstärke, wehrte am Schlusstag die Angriffe von Brooks Koepka und Francesco Molinari ab und ließ sich auch nicht von zwei Bogeys zu Beginn aus der Ruhe bringen. "Das ist einfach unwirklich. Dass sich der Kreis hier schließt, bei diesem Turnier, das mir soviel bedeutet. Das werde ich nicht vergessen", sagte Woods.

Von ehemaligen US-Präsidenten wie Barack Obama bis zu Sportgrößen wie LeBron James und Serena Williams gratulierten alle dem "Tiger". "Es war wie in alten Zeiten. Der Tag, den viele im Sport für unmöglich gehalten hatten, ist wirklich gekommen", schrieb USA Today und das Wall Street Journal meinte: "Ein Sieg für die Ewigkeit".

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red/dpa/sid | Stand: 15.04.2019, 12:35

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