Justin Rose ist Europas Ryder-Cup-Hoffnung

Justin Rose

FedEx-Cup-Champion soll das Team führen

Justin Rose ist Europas Ryder-Cup-Hoffnung

Von Christian Hornung

Auf dem Papier ist das Team Europa beim Ryder Cup in Paris ziemlich chancenlos, nicht nur, weil Tiger Woods gerade wieder aufdreht. Aber mit Justin Rose gibt es einen ganz besonderen Hoffnungsträger.

Dieser eine Chip aus 40 Metern Entfernung wird Rose sein Leben lang begleiten. Es war der Schlag, der alles veränderte, der die Golfwelt aufhorchen ließ, der unglaubliche Erwartungen weckte. Rose war damals 17 Jahre jung, als er bei der British Open 1998 in Royal Birkdale am letzten Loch aus 40 Metern das Birdie spielte. Damit schob er sich beim ältesten und renommiertesten Golfturnier der Welt auf den vierten Platz vor, für einen Amateur bei diesem Major-Turnier ein historischer Erfolg. Kurz danach wechselte er ins Profilager - zu früh.

Zu viel Druck auf der großen Bühne

Er trainierte wie ein Besessener, reiste von Turnier zu Turnier, musste mit seinen gerade 18 Jahren viele Interviews geben, überall wurde er als das Wunderkind der British Open vorgestellt. Das war zu viel Druck für den gebürtigen Südafrikaner, der mit seiner Familie als Fünfjähriger nach England gezogen war: In den ersten 21 Profiturnieren scheiterte er 21 Mal am Cut. "Ich habe die große Bühne des Golfs betreten, bevor ich dafür bereit war", sagte er zuletzt rückblickend.

Justin Rose

Es war schon dunkel, als Justin Rose 2013 die US-Open-Trophäe in den Himmel reckte.

Jetzt ist er definitiv bereit. 2007 war er erstmals die Nummer 1 in Europa, er ist US-Open-Champion, hat inzwischen neun Turniere auf der amerikanischen PGA-Tour gewonnen, dazu weitere 17 auf den anderen Kontinenten. Am 11. September dieses Jahres erklomm Rose erstmals in seiner Karriere Platz 1 der Weltrangliste, am Montag (24.09.2018) ist aber Dustin Johnson wieder mit minimalem Vorsprung vorbeigezogen. Rose hat die Olympischen Spiele in Rio gewonnen und gerade erst 10 Millionen Dollar für den Gewinn der FedEx-Cup-Wertung kassiert - knapp vor Tiger Woods, der wieder ähnlich genial spielt wie früher, aber erst spät in Form kam und nur dank einer Wild Card beim Ryder Cup dabei ist.

Technik, Kampfgeist, Leidensfähigkeit

Tiger und "Rosie", wie ihn die Kollegen auf der Tour nennen, vereint vieles. Beide haben eine grandiose Technik, einen wunderschönen Schwung, der beim Engländer sogar noch eleganter aussieht. Beide zeichnet ein enormer Kampfgeist aus und diese Leidensfähigkeit, aus der sie neue Stärke gewinnen. Rose fasst seinen Weg an die Weltspitze so zusammen: "Ich habe zwanzig Jahre gebraucht, bis ich ganz oben war. Ich habe nie aufgegeben. Jeden Morgen habe ich beim Aufwachen nur daran gedacht, wie ich mich verbessern kann."

Das hat ihn inzwischen zu einer beeindruckenden Konstanz in dieser sonst oft sehr wellenreichen Sportart geführt. In seinen jüngsten 28 Turnieren landete Rose 20 Mal in den Top Ten, und diese Ruhe, diese Nerven sind nun auch ab kommenden Sonntag (28.09.2018) auf dem "Le Golf National" in Paris gefragt. Die Amerikaner kommen in Galaform, vor dem FedEx-Cup-Finale am Wochenende in Atlanta kamen mit Bryson DeChambeau, Dustin Johnson, Justin Thomas, Tony Finau und Tiger Woods gleich fünf US-Spieler für den Gesamtsieg in Frage.

Wieder ein Birdie auf der 18

Doch gewonnen hat Rose. Der wirkte zwar mit dem größten Jackpot des Weltsports vor Augen auf der letzten der vier Runden plötzlich nervös, stürzte von einer Krise in die nächste, traf kaum mehr ein Fairway. Aber irgendwie bekam er dann doch wieder die Kurve, rettete noch Rang vier und damit den Gesamtsieg. Ausschlaggebend war dabei wieder ein Birdie am letzten Loch, diesmal aber aus deutlich weniger als 40 Metern.

Stand: 24.09.2018, 12:30

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