Gary Woodland - US-Open-Sieger auf Umwegen

Golf-Profi Gary Woodland küsst die Trophäe nach dem Sieg der US-Open

Erster Majorsieg des US-Golfers

Gary Woodland - US-Open-Sieger auf Umwegen

Gary Woodland fand erst über Umwege auf die PGA Tour der Golfer - und schreibt mit seinem Sieg bei der US Open eine ganz eigene Erfolgsgeschichte.

Auf der Golf-Bühne ist zurzeit viel Platz für große Gefühle. Vor gut einem Monat feierte die Sportwelt den Comeback-Sieg von Tiger Woods beim Masters mit Glückwünschen von Ex-Präsident Barack Obama und reichlich Pathos.

Das darauffolgende Major-Turnier, die US Open, ging nun auch wieder mit rührseligen Momenten zu Ende: Gary Woodland schickte gleich nach seinem Triumph am Sonntag (16.06.2019), gleichzeitig der Vatertag in den USA, eine Videobotschaft an seinen zweijährigen Sohn über die sozialen Kanäle.

Erster Major-Sieg für Woodland

Dort war dann auch später zu sehen, wie er einen seiner größten Fans per Videochat zuschaltete: Amy Bockerstette. Die Special-Olympics-Golferin mit Down-Syndrom ist der US-Öffentlichkeit bereits bekannt, seit Woodland sie im vergangenen Januar beim PGA-Turnier in Scottsdale kennenlernte.

Während des Trainings versenkte die 20-Jährige mit Woodland an ihrer Seite auf der berüchtigten 16. Spielbahn einen Putt - und fiel ihm anschließend überwältigt in die Arme. Bei den US Open war über Twitter zu verfolgen, wie Bockerstette zuhause vor dem Fernseher mitfieberte, bis ihr Idol auf dem 18. Grün in Pebble Beach den Sieg perfekt machte.

Woodlands Triumph ist eine echte Überraschung. Im vergangenen Jahr hatte er als Sechster bei der PGA Championship zum allerersten Mal überhaupt eine Top-Ten-Platzierung bei einem der vier großen Major-Turniere erreicht.

Auf dem College noch Basketball

Golf-Profi Gary Woodland aus den USA schlägt den Ball im Finale der US-Open

Golf-Profi Gary Woodland aus den USA schlägt den Ball im Finale der US-Open.

Nun also gleich der prestigereiche Sieg bei der US Open, der umso erstaunlicher wirkt, wenn man seinen sportlichen Werdegang betrachtet. Zu seiner College-Zeit hatte er ein Golf-Stipendium der Universität von Kansas in der Tasche. Sein Lieblingssport war aber Basketball, an seiner Heimat-Uni in Topeka galt er als vielversprechender Shooting Guard.

Der Wendepunkt kam, als er in einem Spiel in Kansas gegen Kirk Hinrich spielen musste, einen späteren NBA-Star. "Da wurde mir klar, ich muss mir etwas anderes suchen", sagte Woodland und wechselte ins Golfprogramm an der Kansas University. "Von diesem Zeitpunkt an habe ich mich zum ersten Mal überhaupt komplett auf Golf fokussiert. Elf Jahre später stehe ich hier, es ist schwer zu erklären", sagte Woodland auf der Pressekonferenz.

Starke Nerven bewiesen

Von seiner Grundkraft und Athletik - als College-Basketballer war er als starker Distanzschütze bekannt - profitiert er auch bei seinen Schlägen mit dem Golfball. In Pebble Beach beeindruckte er aber vor allem durch seine Nervenstärke: Woodland ging als Führender auf die entscheidende Schlussrunde.

Manch ein Experte rechnete mit einem Einbruch, zumal er den stark spielenden Titelverteidiger Brooks Koepka im Nacken hatte, doch Woodland hielt den US-Star und großen Favoriten mit einer famosen 69er-Runde auf Distanz.

Golf, US Open - Gegen Woodland ist kein Kraut gewachsen Sportschau 17.06.2019 01:00 Min. Verfügbar bis 18.06.2020 Das Erste

Auf dem Weg zum kompletten Spieler

"Mental habe ich mich immer schon gut gefühlt bei Turnieren. Bislang fehlten einfach nur die Ergebnisse. Dass ich an diesem Wochenende konstant den Fokus behalten habe, bei jedem Schlag, darauf bin ich stolz", sagte der 35-Jährige und machte zugleich klar, dass der erste Major-Sieg keine Momentaufnahme bleiben soll: "Mein Spiel ist noch nicht da, wo es sein könnte, aber wir sind auf dem Weg dahin. Ich habe sehr hart gearbeitet in diesem Jahr, ein kompletter Spieler zu werden. Ich habe mehr Zutrauen in meine Schläge, ich kann auf unterschiedlichen Kursen spielen. Und ich kann ein Turnier wie hier in Pebble Beach gewinnen."

red/mixa | Stand: 17.06.2019, 12:30

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