Nächste Problem-WM für die Gewichtheber

Hantel beim Gewichtheben

Wettkämpfe in Thailand

Nächste Problem-WM für die Gewichtheber

Seit vielen Jahren steht das internationale Gewichtheben für negative Schlagzeilen. Jetzt soll vieles besser werden. Zuvor steht aber die nächste skurrile WM an.

Der Gastgeber wird sportlich keine große Rolle spielen, so viel ist sicher: Thailand richtet die Weltmeisterschaft 2019 aus - doch kein einziger Athlet aus Thailand ist dabei, denn der komplette Verband wurde nach Doping-Affären gesperrt.

Auch ägyptische Sportler fehlen. Wegen zurückliegender Dopingfälle wurden sie kurz vor dem WM-Start für zwei Jahre von allen Wettbewerben und damit auch von den Titelkämpfen in Thailand ausgeschlossen. Hintergrund der Sanktion sind sieben Dopingvergehen von 2016 durch ägyptische Nachwuchsathleten. Das IWF-Reglement sieht Zweijahressperren für Nationalverbände vor, wenn mindestens drei Athleten eines Landes binnen zwölf Monaten durch eine positive Dopingkontrolle der Einnahme verbotener Substanzen überführt wurden.

Positive Tests fast schon Alltag

Nichts Neues also vom dopingverseuchten Gewichtheben. Michael Vater, Anti-Doping-Beauftragter des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber und seit vielen Jahren Co-Trainer der Nationalmannschaft, hat gerechnet: Bei  Großereignissen zwischen 2003 und 2016 seien 336 Medaillen vergeben worden, sagt er. Etwa die Hälfte der prämierten Heber sei davor oder danach positiv getestet worden.

Irgendwann war das dem IOC zu viel. "Da wurde uns dann die Pistole auf die Brust gesetzt“, sagt Vater im Gespräch mit der Sportschau. Entweder die Gewichtheber bekommen ihre Dopingprobleme in den Griff, so die Maßgabe, oder Olympia findet künftig ohne die starken Männer und Frauen statt.

Deutsche Gewichtheber - "Im Kampf gegen Doping hat sich etwas getan" Sportschau 16.09.2019 11:52 Min. Verfügbar bis 23.09.2020 Das Erste

Rekorde auf null, neues Quali-System

Also handelte der Weltverband der Gewichtheber: 2018 wurden alle Weltrekorde auf null gesetzt. Und es gab ein neues Qualifikationssystem für Olympia. Aus fest zugeteilten Nationenplätzen wurde eine individuelle Qualifikation. Jeder Heber muss innerhalb von 18 Monaten, die in drei Semester aufgeteilt sind, sechs Wettkämpfe bestreiten, pro Semester mindestens einen. Folge: Das Netz von Kontrollen werde deutlich enger, so Vater. Zudem sei die internationale Kontrolle komplett an eine unabhängige Test-Agentur abgegeben worden, ergänzt der Präsident des Bundesverbandes, Christian Baumgartner.

Auch die Zahl der möglichen Teilnehmer wurde begrenzt. Jeder Verband darf nur noch acht Athleten (vier Frauen und vier Männer) zu Olympia schicken. Bei einer bestimmten Zahl an Dopingvergehen wird diese Zahl auf zwei Männer und zwei Frauen reduziert. Bei  20 Fällen und mehr dürfen sogar nur eine Frau und ein Mann zu den Spielen – das gilt im Moment für Russland, Weißrussland, Kasachstan und Aserbaidschan.

"Russische Athleten nicht mehr von einem anderen Stern"

Wie erfolgreich die Änderungen im ewigen Kampf gegen die illegalen Praktiken sind, bleibt abzuwarten. "Sie werden Doping nie ganz ausschließen können", sagt Präsident Baumgartner:"Was wir aber tun müssen, und da sind wir auf einem guten Weg, ist, systematisches Doping auszuschließen. Man sieht schon heute, dass russische Athleten nicht mehr von einem anderen Stern kommen. Da merkt man schon, dass sich auch in anderen Ländern die Philosophie ändert."

In Deutschland, sagt Vater, habe es in den vergangenen Jahren keinen Dopingfall im Leistungssport gegeben. Schließlich riskierten die hiesigen Athleten auch ihren Arbeitsplatz bei der Bundeswehr. Bei der WM in Thailand ist der Deutsche Gewichtheber-Verband mit sieben Athleten dabei (fünf Männer und zwei Frauen).

red | Stand: 18.09.2019, 06:00

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