Mahomes führt Kansas City zum Triumph im Super Bowl LIV

San Francisco 49ers - Kansas City Chiefs 20:31

Mahomes führt Kansas City zum Triumph im Super Bowl LIV

Von Christian Hornung

Dank einer überragenden Aufholjagd im Schlussviertel haben die Kansas City Chiefs den fast schon verlorenen Super Bowl LIV doch noch für sich entschieden. Chiefs-Quarterback Patrick Mahomes hatte sich gegen die San Francicso 49ers erst schwere Fehler geleistet, dann aber ein Traum-Comeback hingelegt.

Das 31:20 (7:3, 3:7, 0:10, 21:0) für die Chiefs gab das Drama am Ende der Partie nur unzureichend wieder. Bis kurz vor Schluss war am Sonntag (02.02.2020/Ortszeit) noch alles offen, das letzte Viertel hatten die 49ers mit einer zehn-Punkte-Führung begonnen. Mahomes schien nervlich am Boden, doch mit dem Mut der Verzweiflung drehte er am Ende doch noch das Spiel.

Patrick Mahomes

Patzte mehrfach, kam aber brillant zurück: Chiefs-Quarterback Patrick Mahomes

Sein Gegenüber Jimmy Garoppolo zeigte lange Zeit ein überragendes Spiel, aber in der entscheidenden Phase kam von ihm nichts mehr. Unerfüllt blieb damit auch der Traum des Deutschen im Finale: 49ers-Special-Teamer Mark Nzeocha musste mit ansehen, wie Kansas City nach einem halben Jahrhundert wieder den Titel einheimste.

Mahomes läuft selbst, Garoppolo mit Fehlstart

Von Anfang an: Für die ersten Punkte der Partie hatten die 49ers gesorgt. Kicker Robbie Gould verwandelte bei 8:02 Minuten im ersten Viertel aus 38 Yards Entfernung per Fieldgoal für die 3:0-Führung. Beide Abwehrreihen dominierten das erste Viertel, doch 31 Sekunden vor dem Ende war der erste Touchdown Chefsache: Chiefs-Quarterback Mahomes täuschte kurz vor der gegnerischen Endzone einen Pass an, narrte zwei Verteidiger und rannte schließlich selbst mit dem Ei über die Linie: 7:3 für Kansas City, nachdem Kicker Harrison Butker den PAT (Point after Touchdown) verwandelt hatte.

Mahomes' Gegenpart kam zunächst deutlich schlechter in die Partie. Beim Versuch, den Rückstand aufzuholen, warf 49ers-Quarterback Garoppolo den Ball unter Druck in die Arme von Chiefs-Verteidiger Bashaud Breeland - die erste Interception des Abends brachte Kansas City wieder in Ballbesitz. Harrison Butker legte daraufhin per Field Goal aus 31 Yards das 10:3 nach.

Ausgleich noch vor der Halbzeit

Shakira

Teil der spektakulären Halftime-Show: Popstar Shakira

Doch so langsam kam Garoppolo in Fahrt. Immer wieder wechselte er seine Anspielstationen, so dass es die Chiefs-Defense schwer hatte, sich auf sein Spiel einzustellen. Kurz vor der Halbzeit hatte er neun angekommene Pässe auf sechs verschiedene Empfänger verteilt. Daraus resultierte auch der Ausgleich: Mit dem Zuspiel auf Kyle Juszczyk hatte offenbar niemand gerechnet - Touchdown plus Extrapunkt von Gould zum 10:10, fünf Minuten und fünf Sekunden standen da noch auf der Uhr.

Und jetzt lief Garoppolo richtig heiß. Wenige Sekunden vor Ende des zweiten Viertels warf der Quarterback einen überragenden Pass bis kurz vor die Endzone auf George Kittle - es wäre die große Chance gewesen, sogar mit einer Führung in die Pause zu gehen. Doch die Referees hatten etwas dagegen und warfen die Gelbe Flagge, weil sich Kittle vor seinem spektakulären Fang angeblich ein wenig zu intensiv einen Verteidiger vom Leib gehalten hatte - ein höchst umstrittener Call.

Mark Nzeocha gleich gefordert

Zu Beginn des dritten Viertels war auch der Deutsche Mark Nzeocha gefordert. Im Kick-off-Return-Team der 49ers sorgte er mit dafür, dass die Chiefs ihren ersten Angriffsversuch von ganz weit hinten beginnen mussten - noch hinter der eigenen 20-Yard-Linie. Am Ende des Drives stand dann auch nur ein Field Goal von San Francisco, das Gould aus 42 Yards aber ganz sicher zum 13:10 verwandelte.

Nun kippte das Momentum zu den 49ers. Mahomes, der in den gesamten Playoffs keine Interception geworfen hatte, erlaubte sich diesen Aussetzer ausgerechnet im Super Bowl: Er wollte es zu sehr zwingen, vielleicht weil er kurz zuvor schon den Ball zunächst verloren, aber selbst wieder zurückgeholt hatte - und warf direkt in die Arme von Fred Warner.

Erstmals zehn Punkte Vorsprung

Den daraus resultierenden Feldvorteil nutzte San Francisco prompt: Der inzwischen überragend agierende Garappolo (lag zu dieser Zeit bei 17 kompletten von 20 Pässen, davon zwölf in Serie) suchte zunächst wieder Juszczyk, der aber einen Yard vor der Endzone gestoppt wurde. Raheem Mostert per Touchdown (plus PAT von Gould) vollendete zum 20:10 - erstmals lag ein Team mit zehn Punkten vorn.

Mahomes war gefordert - und versagte unter dem Dauerdruck der überragenden 49ers-Defense erneut. Drei Minuten waren im Schlussviertel gespielt, als er, mal wieder mangelhaft geschützt von seiner O-Line, einen Pass in den Rücken seines Mitspielers Tyreek Hill warf. Tarvarius Moore schnappte sich das Ei zur nächsten Interception - und die Niners jubelten und posierten für die Fotografen, als hätten sie den Titel damit bereits eingefahren.

Doch nochmal die Wende

Jimmy Garoppolo

Starke Momente - aber am Ende hatte Jimmy Garoppolo keine Antwort mehr.

Doch Mahomes kämpfte, versuchte alles und kam noch einmal zurück: Mit einem ganz langen Pass über 50 Yards in die Arme von Hill sorgte er für die Chance zum Touchdown, und 6:13 Minuten vor Schluss brachte Mahomes' Pass auf Travis Kelce inclusive Extrapunkt das 17:20 - plötzlich herrschte wieder Hochspannung!

Der Krimi nahm seinen Lauf: Die 49ers blieben in ihrem nächsten Drive punktlos, gut fünf Minuten vor Schluss kamen die Chiefs wieder an den Ball. Und schafften den nächsten Touchdown, weil Mahomes alles wieder gutmachte: Traumpass auf Sammy Watkins kurz vor die Endzone, dann das entscheidende Zuspiel auf Damien Williams - plötzlich führten die Chiefs 2:44 Minuten vor dem Ende wieder mit 24:20. Davon erholten sich die 49ers nicht mehr - im Gegenteil: 1:12 vor Schluss stellten die Chiefs nach dem nächsten Touchdown von Williams sogar noch auf 31:20.

Mahomes wird MVP

Mahomes war anschließend überwältigt: "Es ist so eine Ehre, für ein Team zu spielen, das niemals aufgibt. Das ist es, was uns ausmacht." Anschließend bekam er die Trophäe für den Most Valuable Player (MVP) überreicht. Eine Peinlichkeit unterlief ausgerechnet dem US-Präsidenten bei seiner Gratulation.

Donald Trump zeigte bei seiner Botschaft an den neuen Super-Bowl-Champion Kansas City Chiefs geografische Schwächen. "Ihr habt den Bundesstaat Kansas toll repräsentiert", schrieb Trump kurz nach dem Finalsieg der Chiefs bei Twitter. Kansas City liegt aber in Missouri. Der Präsident löschte den Tweet schnell und sendete einen korrigierte Fassung, doch da war es schon zu spät. Die Original-Mitteilung hatte im Internet längst die Runde gemacht.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Montag, 03.02.20, 22.50 Uhr

Stand: 03.02.2020, 04:29

Darstellung: