"Magic Mahomes" – Kansas City Chiefs feiern ihren neuen Superstar

Kansas City Chiefs Quarterback Patrick Mahomes feiert den Super-Bow-Sieg

San Francisco 49ers - Kansas City Chiefs 20:31

"Magic Mahomes" – Kansas City Chiefs feiern ihren neuen Superstar

Von David Nienhaus (Miami)

Patrick Mahomes führt die Kansas City Chiefs in einem hochklassigen und dramatischen Super-Bowl-Finale zum Titelgewinn über die San Francisco 49ers. Damit krönt sich der Quarterback zum unangefochtenen Superstar der US-amerikanischen Football-Liga NFL. Chiefs-Coach Andy Reid ist der Vater des Erfolgs.

Es muss irgendetwas ganz besonders sein an Kansas City – der Stadt in Missouri, nicht dem Staat im mittleren Westen der USA. "This is for you, Kansas City" – das ist für dich, schreit Chiefs-Tight-End Travis Kelce im goldroten Konfetti-Regen zu Miami in die Fernsehkameras. "Ich liebe dich, KC", jubelt Wide Reciever Tyreek Hill, und auch der Spieler des Spiels, Patrick Mahomes, im Super Bowl 54 endgültig vom Star zum Superstar gereift, widmet die Vince Lombardi Trophy der Heimat der Chiefs: "Dieser Titel ist für euch! Wir bringen ihn nach Hause."

50 Jahre nach dem bis dato letzten Titelgewinn feierten die Kansas City Chiefs erstmals wieder den größten Erfolg, den man im American Football feiern kann: Sie sind Super-Bowl-Champions 2020. In einer hochklassigen und spannenden Partie schlugen sie die San Francisco 49ers mit 31:20. Danach: Feuerwerk. Ausnahmezustand. Liebesbekundungen überall.

Chiefs jubeln über historischen Super-Bowl-Titel Sportschau 03.02.2020 01:00 Min. Verfügbar bis 03.02.2021 ARD

Eine Liebesbekundung war besonders innig: die zwischen Mahomes und Chiefs-Headcoach Andy Reid. Wo Sekunden vor dem Ende der Partie noch taktische Anweisungen gegeben wurden, Reid Mahomes dirigierte, lagen sich die beiden Helden des Abends um kurz nach zehn wie Vater und Sohn in den Armen, wollten sich nicht mehr loslassen und versuchten den Moment trotz ohrenbetäubender Spezialeffekte zu genießen. Beide haben Geschichte geschrieben. Der Trainer und sein Quarterback.

Triumph für "Big Red Reid"

Für Reid ist es der erste Super Bowl-Gewinn in seiner 21-jährigen Karriere als NFL-Headcoach und keinem war es wohl mehr gegönnt worden von den Football-Fans, die an diesem Abend in Florida nicht den 49ers die Daumen gedrückt haben. "Er ist einer der besten Coaches der NFL-Geschichte", erklärt Mahomes nach dem Spiel. Es sei nicht so, dass dieser Titelgewinn das hätte beweisen müssen, "aber er lässt nun wirklich jeden Zweifel daran verschwinden." "Big Red Reid", wie ihn die Amerikaner liebevoll ob seines Übergewichts, der hoeneßschen Gesichtsfärbung und der roten Chiefs-Jacke gerne nennen, feierte in Miami seinen 222. Erfolg als Trainer. Es sei an der Zeit, diesen Sieg ganz besonders zu genießen und "den Fuß vom Gaspedal zu nehmen", so Reid.  

Genießen kann der 61-Jährige. Am liebsten bei Cheeseburger und Fastfood, am liebsten mit seiner Familie und einem Lächeln im Gesicht, das kaum zu erkennen ist. "Mir geht es gut, ich habe mich nicht verletzt", scherzt er in der Medienrunde nach dem Spiel. Reid hat den Humor eines sympathischen Großvaters, den sich jeder Enkel wünscht. Für Mahomes ist er jedoch eher wie ein Vater: mit einer guten Portion Strenge, aber viel mehr Vertrauen und guten Ratschlägen. Reid machte Patrick Mahomes zum startenden Quarterback in Kansas City, leitete ihn vergangene Saison zum Gewinn des MVP-Titels, der Auszeichnung zum besten Spieler der Saison, und nun zum Super-Bowl-Champion. "Es ist großartig, was Pat auf dem Feld macht. Wir vertrauen ihm, alle Spieler glauben an ihn. Er ist ein geborener Leader."

Entscheidende Wende in den letzten drei Minuten

Doch im wichtigsten Spiel der Saison – und der noch jungen Karriere Mahomes – sah es lange so aus, als hätten die San Francisco 49ers ihn dechiffriert, seine Magie entschlüsselt. Der Quarterback der Chiefs kam zwar gut aus den Startlöchern, erzielte den ersten Touchdown des Abends, aber je länger die Partie dauerte, desto mehr hatte ihn die starke 49ers Defense im Griff. Während San Franciscos Quarterback Jimmy Garoppolo groß aufspielte, leistete sich Mahomes ausgerechnet im Super Bowl seine erste Interception der Playoffs. "Es war hart. Sie haben die beste Verteidigung, gegen die ich je gespielt habe", lobt Mahomes den Gegner nach dem Spiel. Es wurde laut im Hard Rock Stadium, als die Kalifornier merkten, dass der junge Quarterback Nerven zeigte. Nach der zweiten Interception wähnten sich die 49ers beim Spielstand von 20:10 schon als Champion, posierten in der Endzone in Siegerpose für die Kameras.

Dann aber kippte die Partie. Mahomes, der sein Team schon zu einigen spektakulären Combacks in dieser Saison geführt hatte, packte seinen "Raketen-Arm" aus, angetrieben mit den Treibstoffen Talent und Genialität. Er bediente seine Mitspieler Hill und Kelce und führte Kansas City wieder in Schlagdistanz. Die Abwehr der Chiefs stoppte Jimmy G. und seine Offense und Mahomes glänzte erneut. Es wurde noch lauter im Stadion. Nicht nur an diesem Abend sprachen die US-Medien von "Magic Mahomes". In den letzten drei Minuten drehte Kansas City orchestriert vom Talent ihres Spielführers die Partie und sah sich Sekunden später jubelnd im goldroten Konfetti-Regen zu Miami. Der Rest ist Party.

Mahomes jüngster Super-Bowl-MVP der Geschichte

Mit erst 24 Jahren wird Patrick Mahomes zum jüngsten Super-Bowl-MVP der Geschichte gekürt. Mit erst 24 Jahren ist Mahomes nun das neue Gesicht der NFL. Das Gesicht der Kansas City Chiefs ist er ohnehin längst. Dort könnte er zusammen mit dem Team eine neue Ära prägen. Ein neuer, langfristiger und hochdotierter Vertrag winkt dem Superstar – es könnte ein Rekordvertrag werden. Glaubt man Liga-Insidern, könnte es der erste Deal sein, der die 200 Millionen-Dollar-Marke knackt.

Der Titelgewinn nach 50 Jahren Durststrecke ist für die Kansas City Chiefs allerdings unbezahlbar. Die Liebe zwischen Mahomes und Reid sowieso.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Montag, 03.02.20, 22.50 Uhr

Stand: 03.02.2020, 16:29

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