Sponsoren machen Druck: Redskins vor Namensänderung

Das Logo der Washington Redskins auf dem Feld

Football

Sponsoren machen Druck: Redskins vor Namensänderung

Die Rassismusdebatte in den USA könnte für die Washington Redskins Folgen haben. Denn das Team aus der amerikanischen Hauptstadt soll sich nach dem Wunsch seiner Sponsoren einen neuen Namen suchen - nach fast 90 Jahren.

Seit Jahrzehnten kämpfen Vertreter amerikanischer Ureinwohner für eine Namensänderung. Nun scheint in den Streit um die Washington Redskins (zu Deutsch etwa: Rothäute) aus der US-amerikanischen Football-Liga NFL Bewegung zu kommen - denn einige Sponsoren des Teams drängen auf eine Umbenennung.

"Wir haben dem Team in Washington unsere Bitte mitgeteilt, den Namen des Teams zu ändern", zitierten US-Medien am Donnerstagabend (02.07.2020/Ortszeit) aus einer Mitteilung des Paketdienstleisters FedEx. FedEx ist genauso wie Nike und Pepsi einer der Hauptsponsoren des Vereins. Laut einem Bericht der Fachzeitschrift "Adweek" sollen die Hauptsponsoren und 87 Investmentfirmen und Teilhaber damit gedroht haben, ansonsten die Zusammenarbeit mit dem NFL-Team zu beenden.

"Beleidigung mit hasserfüllter Konnotation"

"'Redskins' bleibt ein entmenschlichendes Wort, das Menschen durch ihre Hautfarbe kennzeichnet, und eine rassistische Beleidigung mit hasserfüllten Konnotationen", zitierte die Zeitschrift aus dem Schreiben. Der Sportartikelhersteller Nike hat bereits alle Redskins-Artikel aus seinem Onlineshop entfernt.

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Der Paketdienstleister FedEx hatte sich 1998 für umgerechnet rund 182,5 Millionen Euro bis 2025 die Namensrechte am seither "FedExField" genannten Stadion im Bundesstaat Maryland nahe Washington gesichert. Unternehmenschef Frederick Smith ist ein Minderheitseigentümer der Mannschaft.

Rivera spricht von persönlichem Anliegen

Der Klub kündigte an, der Name werde einer gründlichen Prüfung unterzogen. "Dieses Thema ist mir ein persönliches Anliegen", sagte der neue Headcoach Ron Rivera in einer Pressemitteilung. "Wir werden sichergehen, dass wir die indigenen Völker ehren und unterstützen."

Ehemaliger Super-Bowl-Gewinner

Die Mannschaft aus Washington spielt seit fast 90 Jahren unter diesem Namen. Zwischen 1982 und 1991 gewann das Team drei Super Bowls. Das Wappen der Redskins ist ein klischeehaft dargestellter Indianer im Profil. Der Name "Redskins" wird seit Jahren immer wieder diskutiert, mehrere Klagen waren in der Vergangenheit von US-Gerichten abgewiesen worden. 2016 wurde der Name im Werbespot einer Anti-Rassismus-Initiative kritisiert - die NFL lehnte daraufhin die Ausstrahlung des Clips während des Super Bowls ab.

Kritiker sehen den Namen als rassistisch und als Verunglimpfung der amerikanischen Ureinwohner an. Selbst der ehemalige US-Präsident Barack Obama schaltete sich 2013 in die Debatte ein: "Wenn ich Besitzer des Teams wäre und ich wüsste, dass es einen Namen meines Teams gibt, der - selbst wenn er seine eigene Geschichte hat - eine relevant große Personengruppe brüskiert, ich würde darüber nachdenken, ihn zu ändern." Teambesitzer Dan Snyder hatte sich zuletzt immer wieder für eine Erhaltung des Namens stark gemacht, versicherte aber am Freitag, im Prüfungsprozess alle Seiten mit einzubeziehen.

Auch Cleveland Indians überlegen

Nach den Washington Redskins aus der NFL stellen auch die Cleveland Indians aus der Major League Baseball (MLB) ihren Namen auf den Prüfstand. "Die jüngsten Unruhen in unserer Gemeinde und unserem Land haben die Notwendigkeit unterstrichen, dass wir uns als Organisation in Fragen der sozialen Gerechtigkeit weiter verbessern müssen", teilte das Baseball-Team mit. In den anstehenden Beratungen solle der "beste Weg in Bezug auf unseren Teamnamen" gefunden werden.

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Die Baseballer aus Cleveland werden seit 1915 "die Indianer" genannt. Zuvor waren sie als die Blues, Broncos und Naps bekannt. Vor zwei Jahren entfernte das Team bereits sein umstrittenes Chief-Wahoo-Logo, das einen breit lächelnden Indianer mit roter Haut im Cartoon-Stil gezeigt hatte. Bislang waren die Versuche, die Franchise zu einer Namensänderung zu bewegen, gescheitert.

sid, dpa | Stand: 04.07.2020, 12:05

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