Footballprofi Jakob Johnson: Buffalo Bills statt Bierkrüge

Jakob Johnson der New England Patriots

NFL-Überraschung Jakob Johnson

Footballprofi Jakob Johnson: Buffalo Bills statt Bierkrüge

So rasch wie Jakob Johnson hat noch nie ein Ausländer in der US-amerikanischen Football-Liga NFL gespielt. Innerhalb weniger Monate schaffte es der Stuttgarter in den Kader von Meister New England. Dabei war seine Football-Karriere "eigentlich vorbei".

Um den rasanten Aufstieg des Jakob Johnson zu beschreiben, bedarf es nur dieses Satzes. "Vor einem Jahr hat gerade die Kellner-Zeit beim Oktoberfest angefangen - und jetzt ist es Zeit, gegen Buffalo zu spielen." Was der Stuttgarter im Gespräch mit sportschau.de sagt, klingt ziemlich verrückt - und das ist es auch.

Denn Ende September 2018 war dieser Jakob Elijah Johnson noch zum Badischen Oktoberfest in die Nähe von Freiburg gefahren, um in zünftiger Tracht zu kellnern. Seine Football-Karriere sei "eigentlich vorbei" gewesen, so Johnson. Wenige Monate zuvor war er aus den USA zurückgekommen.

Vier Jahre in der College-Mannschaft der University of Tennessee hatten nicht gereicht, um das Interesse irgendeines NFL-Teams zu wecken. Und so spielte Johnson bei seinem Heimatverein Stuttgart Scorpions in der German Football League. Die NFL war für ihn so weit weg, wie es jetzt seine geliebten schwäbischen Speisen, Käsespätzle und Maultaschen, sind.

Neben Quarterback-Legende Brady

Ende September 2019 sitzt der Sohn eines Afro-Amerikaners und einer Deutschen nun trotzdem in der knapp 50 Meter langen Kabine von Super Bowl-Champion New England Patriots, genau gegenüber von Tom Brady. Nur knapp acht Meter trennen den Neuling mit den langen Rastas vom Quarterback-King. Vor wenigen Tagen standen beide zusammen beim 30:14-Heimsieg gegen die New York Jets auf dem Platz. Es war Johnsons erstes NFL-Spiel. Am Sonntag folgt das nächste, bei den Buffalo Bills.

Jakob Johnson bei den Patriots: "Bleibe mit dem Fuß auf dem Gas" Sportschau 27.09.2019 02:57 Min. Verfügbar bis 27.09.2020 Das Erste

Dass der 24-Jährige jetzt in der NFL zupackt und nicht mehr daheim Bierkrüge schleppt, hat natürlich etwas mit Glück zu tun, mit viel Fleiß und harter Arbeit - und mit seinem Kellnerjob im Herbst 2018. Denn von dem dort verdienten Geld zahlte Johnson einen Privattrainer, der ihn fit machte für ein ganz besonderes Trainingscamp in Florida.

Einladung zum Probetraining in London

Um mehr ausländische Spieler an die NFL heranzuführen, hatte die Liga 2017 das International Player Pathway-Programm (IPP) gegründet. Johnson bekam eine Einladung zu einem Probetraining in London. Er überzeugte und flog anschließend mit sechs weiteren Akteuren nach Florida, um drei Monate unter Anleitung von NFL-Trainern zusammen mit NFL-Routiniers zu trainieren. Vier von ihnen waren so gut, dass sie einen Verein fanden. So auch Johnson, der im April bei den Patriots unterschrieb.

Deutscher NFL-Spieler Jakob Johnson von den New England Patriots

Deutscher NFL-Spieler Jakob Johnson von den New England Patriots

Von den 90 Profis sei der Deutsche die Nummer 91 gewesen, sagt Patriots-Trainer Bill Belichick. Der 67-Jährige ist nicht nur durch seine sechs Super-Bowl-Siege mit dem Verein aus dem Großraum Boston bekannt, sondern auch für seine oft einsilbige Art den Medien gegenüber. Als er jedoch zu Wochenbeginn auf Johnson angesprochen wurde, redete Belichick mehr als zwei Minuten ununterbrochen. Johnson habe "einen langen, langen, langen Weg" vor sich gehabt, als er anfing. Dass er nun trotzdem im Kader stehe, sei "in diesem kurzen Zeitraum außergewöhnlich", betonte Belichick.

Worte des Trainers bestätigen

Johnson hat das Lob gerne gehört - mehr aber auch nicht. Im Gegenteil. Dieses "Riesenkompliment" komme "mit viel Verantwortung". Und deshalb wolle er alles daran setzen, so Johnson, die Worte des Trainers zu bestätigen. Und dazu wird er reichlich Gelegenheit bekommen.

Die Patriots haben ihren etatmäßigen Fullback James Develin nach einer Nackenverletzung auf die Langzeitverletzten-Liste gesetzt. Somit darf er acht Wochen lang nicht eingesetzt werden. Und somit ist Johnson nun die Nummer eins auf dieser Position, die eine Mischung aus Runningback und Tight End darstellt.

"Der Fullback wird im Laufspiel eingesetzt, um den Weg für die Runningbacks freizublocken", erklärt Johnson. Zudem steht er im Special Team, das die Aufgabe hat, bei einem Punt (Wegschießen des Footballs/Anm. d. Red.) der eigenen Offensive oder Defensive eine möglichst gute Feldposition zu ermöglichen.

Auf Vollmers Spuren

Dort wo Johnson seinen Spind in der Patriots-Kabine hat, zog sich einst schon Sebastian Vollmer um. Der Tackle war der erste Deutsche im Verein, gewann 2015 und 2017 den Super Bowl. Als Johnson Vollmer im Rahmen einer Autogrammstunde in Stuttgart kennenlernte, hatte dieser einen ebenso einfachen wie eindeutigen Rat: "Komm’ früh, arbeite hart, gehe spät."

Johnson hat sich daran gehalten. Und deshalb wird er am Sonntag in Buffalo das Patriots-Trikot tragen - und nicht beim Badischen Oktoberfest in der Nähe von Freiburg Lederhose und Trachtenhemd.

Stand: 27.09.2019, 14:14

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