Videokonferenz-Draft der NFL ohne große Überraschungen

NFL-Commissioner Roger Goodell beim NFL-Draft 2020

American Football

Videokonferenz-Draft der NFL ohne große Überraschungen

Von Jannik Schlüter

Der NFL-Draft ist vorbei, die Teams haben sich mit neuen, jungen Spielern verstärkt. Auf den Top-Positionen gab es keine Überraschungen, doch einige Mannschaften sorgten für große Aufregung. Der einzige Deutsche im Draft wurde nicht ausgewählt - kämpft jetzt aber trotzdem um seinen NFL-Platz. Sportschau.de schaut auf alle wichtigen Fragen rund um den NFL-Draft 2020.

Der erste rein elektronische Draft der amerikanischen Football-Liga NFL ist vorbei. Zwar gab es keine große Show mit jubelnder Menschenmasse. Dennoch hat die Liga sich einiges einfallen lassen, um das erste Highlight der Saison gebührend zu zelebrieren: Zahlreiche Interviews, Prominente und zugeschaltete Fans - alles virtuell.

Der Homeoffice-Draft kam gut bei den Amerikanern an und für einen TV-Rekord gesorgt. Die große Talenteschau verfolgten an den drei Tagen insgesamt 55 Millionen Menschen vor ihren Fernsehern. Dies waren 16 Prozent mehr als 2019. "Ich könnte nicht stolzer sein über die Anstrengungen und die Mitarbeit der Klubs, der Liga-Mitarbeiter und unserer Partner, um einen effizienten Draft durchzuführen und eine unvergessliche Erfahrung mit Millionen Fans in diesen unsicheren Zeiten zu teilen", sagte NFL-Commissioner Roger Goodell.

Die Gewinner des Drafts

Jow Burrow ist einer der besten Spieler im Draft 2020

Jow Burrow ist einer der besten Spieler im Draft 2020.

Die Struktur des Drafts verfolgt ein klares Ziel: Die schlechtesten Teams der Vorsaison dürfen als erstes wählen und sich damit die besten Spieler aussuchen. Deshalb kam es auch wenig überraschend, dass die Cincinnati Bengals an erster Stelle Joe Burrow auswählten. Der Quarterback der Louisiana State University warf in der vergangenen Saison 60 Touchdowns und führte sein Team ohne Niederlage zur College-Meisterschaft. Der sportlich beste Spieler des gesamten Drafts wurde an zweiter Stelle gepickt: Die Washington Redskins holten sich den Defensive End Chase Young, dem schon jetzt eine blühende Zukunft vorausgesagt wird. Im vergangenen Jahr steuerte er 16,5 Sacks für die Ohio State University bei, Experten suchen bei ihm vergeblich nach Schwächen.

Einen der besten Spieler für die Offensive schnappten sich die Dallas Cowboys: Das Team suchte eigentlich nach Verstärkung für die Defensive, doch als mit CeeDee Lamb der potenziell beste Wide Receiver des Drafts plötzlich an 17. Stelle noch verfügbar war, zögerten die Texaner nicht lange. Den benötigten Defensive Back gab es dann mit Trevon Diggs, dem Bruder von Star-Receiver Stefon Diggs, eine Runde später. Ohne Frage: Die Cowboys sind einer der großen Gewinner des Drafts.

Die Verlierer des Drafts

Aaron Rodgers klatscht mit seinen Fans ab

Aaron Rodgers klatscht mit seinen Fans ab.

Genau andersherum sah das bei den Green Bay Packers aus. Viele Fans staunten nicht schlecht, als sich die Packers in der ersten Runde Quarterback Jordan Love holten. Denn mit Aaron Rodgers hat Green Bay einen der besten Spielmacher der Liga. Kurz darauf gab es bereits erste Spekulationen, ob der 36-Jährige womöglich als Nachfolger von Tom Brady zu den New England Patriots gehen könnte. Zufrieden dürfte Rodgers mit dem Draft jedenfalls nicht sein, denn eigentlich sollte er neue Mitstreiter für die Offensive bekommen. Doch einen Wide Receiver gab es für ihn im gesamten Draft nicht. Immerhin: In Runde drei wurde mit Josiah Deguara ein Tight End gedraftet.

Apropos Brady-Nachfolger: New England machte es spannend und gab seinen Erst-Runden-Pick ab. Viele Experten rechneten mit einer Vorstellung des nächsten Quarterbacks, doch die Patriots entschieden sich für einen Cornerback. Sollte Trainer Bill Belichick nicht noch einen Spielmacher von einem anderen Team beobachten, wird sich wohl der unerfahrene Jarrett Stidham beweisen dürfen, der im vergangenen Jahr von den Patriots gedraftet wurde. Doch auch der hat Konkurrenz. Wie mehrere US-Medien berichteten einigten sich die Patriots mit Brian Lewerke und J`Mar Smith auf eine Zusammenarbeit. Lewerke kommt von der Michigan State University, Smith spielte zuletzt für Louisiana Tech am College. Mit Stidham und Rückkehrer Brian Hoyer hätten die Patriots damit nun insgesamt vier Quarterbacks im Kader.

Deutscher Kicker landet in der NFL

NFL-Kicker Dominik Eberle

NFL-Kicker Dominik Eberle

Als einziger deutscher Spieler im Draft machte sich der Kicker Dominik Eberle Hoffnung, doch gedraftet wurde er nicht. Sein Traum geht jetzt aber trotzdem in Erfüllung: Nur kurz nach dem Draft holten sich die Las Vegas Raiders den Undrafted Free Agent. Der Nürnberger, der für die Utah State University auflief, wurde von der "New York Post" als drittbester Kicker der diesjährigen Talenteauswahl eingestuft, stellte mit 359 Punkten einen neuen Karriere-Schulrekord auf und teilt sich mit drei verwandelten Field Goals über 50 Yards in einem Spiel einen NCAA-Rekord. Eberles Reaktion folgte auf Instagram: "Ich bin dankbar für die Möglichkeit und stolz, ein Teil der Raider Nation zu sein."

Wie geht es jetzt weiter?

Der Auftakt der NFL-Saison ist mit dem Draft gemacht. Doch wie geht es weiter? Andere große amerikanische Sportligen haben ihre Saison wegen der Corona-Krise unterbrochen oder ganz abgesagt. NFL-Boss Roger Goodell ist aber zuversichtlich, dass die Saison 2020 pünktlich stattfinden wird. "Wir werden vorbereitet sein und wir planen, in diesem Herbst zu spielen. Auch wenn die Saison anders werden könnte", so Goodell gegenüber CBS. Das erste Saisonspiel wäre am 10. September, davor gibt es über mehrere Wochen Trainingscamps und Testspiele.

Stand: 26.04.2020, 13:05

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