Deutschlands Football - Europäische Spitze ohne Nationalmannschaft

German Bowl 2018: Die Schwäbisch Hall Unicorns bejubeln den Gewinn des Meistertitels

Streit mit dem Weltverband

Deutschlands Football - Europäische Spitze ohne Nationalmannschaft

Von Markus Kramer

Deutsche Vereine prägen Europas Spitzenfootball, doch eine aktive deutsche Nationalmannschaft gibt es trotz verheißungsvoller Spieler derzeit nicht. Grund dafür sind Differenzen mit dem Weltverband.

Die deutsche Football-Nationalmannschaft hat in den vergangen beiden Jahrzenten viele Erfolge gefeiert. Der Europameister von 2001, 2010 und 2014 schlug 2017 bei den World Games sogar erstmals eine College-Auswahl aus den USA. Der Aufschwung ist allerdings zum Erliegen gekommen. Seit zwei Jahren finden keine Nationalspiele mit deutscher Beteiligung mehr statt. Deutschland sollte Ausrichter der EM 2018 sein, kurzfristig aber wurde das Turnier nach Finnland verlegt - Deutschland nahm als Titelverteidiger nicht teil.

Finanzielle Streitigkeiten führen zu Stillstand

Grund für den Stillstand sind Meinungsverschiedenheiten mit dem Weltverband für American Football (IFAF), der Deutschland nicht einmal mehr als Mitglied führt. Für Carsten Dalkowski, Sprecher der deutschen Football-Liga und damit Mitglied des Vorstand des deutschen Verbandes (AFVD), ist dies wenig nachvollziehbar: "Wir sind Gründungsmitglied des Weltverbandes und zahlen immer die Mitgliedsbeiträge". Dennoch habe der IFAF gegenüber dem AFVD offene finanzielle Forderungen. Auch mithilfe des politischen Machtmittels des Ausschlusses aus dem Verband sollen diese durchgesetzt werden.

Die deutsche Football-Nationalmannschaft bejubelt den Europameistertitel 2014

Die deutsche Football-Nationalmannschaft bejubelt den Europameistertitel 2014

Dalkowski und der AFVD aber wollen nicht kleinbeigeben, machen ebenfalls finanzielle Forderungen gegenüber dem Weltverband geltend. Die gegenseitig erwarteten Beträge seien annähernd gleich, eine Lösung des Konflikts ist gleichwohl nicht in Sicht. "Man könnte das alles mit Sicherheit schnell politisch lösen, allerdings ist es so, dass der Weltverband - und die dort handelnden Verbände und Personen - aktuell daran kein Interesse haben", sagt Dalkowski. Zahlreiche Kontaktversuche des AFVD seien vom IFAF ignoriert worden. Eine Anfrage von sportschau.de zu diesem Sachverhalt lies der IFAF unbeantwortet.

Der Football-Weltverband in der Kritik

Die Football-Weltmeisterschaft sollte 2019 in Australien stattfinden. Der IFAF musste das Turnier jedoch absagen, nachdem mehrere qualifizierte Nationen wegen Finanzierungsproblemen ihre Teilnahme zurückgezogen hatten. Die nächste WM soll nun an gleicher Stelle 2023 stattfinden, um den Verbänden mehr Vorlaufzeit zu ermöglichen. Laut Dalkwoski eine Maßnahme mit wenig Potential: "Auch in den vier Jahren wird sich daran nichts ändern: Die Reise nach Australien ist für die meisten Verbände nicht zu stemmen. Wenn der Ausrichter nichts übernimmt, ist das nicht zu finanzieren. Das ist eine Totgeburt." 

Sprecher der German Football League: Carsten Dalkowski

Sprecher der German Football League: Carsten Dalkowski

Doch die Kritik an organisatorischen Mängeln im Weltverband stoße auf taube Ohren. Nicht zuletzt deshalb konzentriert sich der AFVD nun mehr auf den eigenen Ligenbetrieb - mit Erfolg. Die deutschen Vereine bilden seit Jahren mit wenigen Ausnahmen die europäische Spitze.

Simon Brenner, langjähriger Inside Linebacker der Schwäbisch Hall Unicorns und mit Deutschland Europameister 2010, findet es dennoch "extrem schade", dass momentan keine Länderspiele stattfinden. "Ich würde mir wünschen, dass man die organisatorischen Querelen im Sinne des Sports und der Spieler zu den Akten legt", so der 34-Jährige, der zuletzt mit den Unicorns zweimal deutscher Meister wurde. Eine Besserung der Situation ist für Brenner allerdings nicht in Sicht: "Mir fehlt aktuell der Glaube, dass sich kurzfristig etwas ändert."

Sogar die NFL-Spieler St. Brown und Nzeocha werden beobachtet

Peter Springwald, Sportdirektor der Nationalmannschaft kündigt für Anfang 2020 Maßnahmen wie Trainingslehrgänge und Freundschaftsspiele an. Man beobachte fortwährend die für den Nationalkader in Frage kommenden Spieler. Sogar mit NFL-Spielern wie Equanimeos St. Brown (Green Bay Packers) oder Mark Nzeocha (San Francisco 49ers) stehe man immer wieder in Kontakt, wenngleich klar ist, dass aktive NFL-Spieler für Deutschland wegen zu hoher Versicherungskosten keine Nationalspiele bestreiten werden. Für College-Spieler, Spieler der kanadischen Profiliga CFL und den Leistungsträgern der deutschen Spitzenvereine soll die Tür zur Nationalmannschaft aber bald wieder offenstehen.

Peter Springwald (l.) mit einem Junioren-Nationalspieler

Peter Springwald (l.) mit einem Junioren-Nationalspieler

"Es sollte immer eine Ehre sein, für sein Land zu spielen", sagt Simon Brenner. Es bleibt ihm zu wünschen, dass er bald wieder als Teil einer talentierten deutschen Mannschaft bei einem Länderspiel das Football-Feld betritt.

Stand: 25.06.2019, 09:30

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