David Bada - die nächste deutsche Football-Hoffnung

David Bada

NFL International Pathway Program

David Bada - die nächste deutsche Football-Hoffnung

Von Jannik Schlüter

Der Super Bowl ist gerade vorbei, die Football-Profis haben erstmal Urlaub. Doch für David Bada geht es jetzt erst richtig los: Der 24-Jährige ist im International Pathway Program der NFL und trainiert gerade in Florida für seinen großen Traum. Bis dahin ist es aber ein langer und vor allem steiniger Weg.

David Bada schaute gerade Football im Fernsehen, als er den Anruf erhielt: "Du bist dabei." Der 24-Jährige gehört zu den neun auserwählten Spielern aus der ganzen Welt, die einen Platz im International Pathway Program der NFL ergattert haben. Das Programm gibt Football-Spielern außerhalb den USA die Möglichkeit, in die US-Footballliga zu kommen.

Ende Januar ging es los: Bada packte die Koffer für seine zweimonatige Reise und trainiert seitdem jeden Tag in der IMG Academy in Florida für seinen Traum. Im April müssen die neun internationalen Spieler zusammen mit zahlreichen amerikanischen Athleten ihre physischen und psychischen Fähigkeiten in einer Reihe von Tests zeigen. Vier der neun internationalen Spieler erhalten einen garantierten Platz bei einem NFL-Team.

Zwischen Training und Schulbank

Florida kling nach Sonne, Strand und Urlaub. Für Bada aber bedeutet der Aufenthalt dort harte Arbeit und Drill. Seine Tage sind fest durchgetaktet. Um 6 Uhr morgens geht es los: Eine Stunde vor dem Frühstück schnappt er sich die Lernzettel und geht Unmengen an Spielzügen durch. "Tagsüber habe ich keine Zeit, deshalb muss das nach dem Aufstehen sein", sagt er. Weiter geht es mit Meetings, Behandlungen und Dehnen. Dann wird er abgefragt: In den Klassenräumen der Akademie fragen die Positionstrainer das Football-Wissen des 24-Jährigen ab.

Erst dann geht es raus auf das Spielfeld, wo er zusammen mit seinen Teamkollegen, amerikanischen College-Spielern und NFL-Veteranen trainiert. Mittagessen, halbe Stunde Pause - vorbei ist der Tag noch lange nicht. Weiter geht es im Fitnessstudio mit Krafttraining. Es folgen Behandlungen und zum Abschluss wird dann nochmal mit Trainern gelernt. Um 22 Uhr ist der lange Tag vorbei. "Wir haben auch mal einen freien Tag, aber man ist viel zu fertig, um den zu nutzen." An den Strand hat er es noch nicht geschafft.

Badas zweite Chance

Athletische Voraussetzungen alleine reichen nicht aus. Die hätte David Bada schon erfüllt: "Ich habe hier extrem zugelegt“, sagt der gebürtige Münchner, der bei einer Größe von 1,96 Metern 136 Kilogramm auf die Waage bringt. Als Defensive Liner ist es Badas Hauptaufgabe, den gegnerischen Quarterback unter Druck zu setzen. Dafür ist die Masse notwendig. Gleichzeitig muss er aber auch blitzschnell sein - eine Gratwanderung.

Der einzige Deutsche im Programm kennt diese Strapazen gut: Bereits im vergangenen Jahr war er dabei. Die Trainer waren angetan, schickten ihn am Ende aber wieder nach Hause - die NFL ist eben ein Geschäft. "Ich habe bis dahin nur in Deutschland gespielt und war nie im College", erklärt Bada sein Ausscheiden. "Der große Unterschied ist das Football-Wissen. Ich musste viel lernen, wie ich spielen muss. Und die Geschwindigkeit hier ist viel schneller." Darum musste er sich im Herbst in Hennef nochmal durch die internationale Vorauswahl quälen.

Football - Fünf Deutsche und der Traum von der NFL Sportschau 22.10.2019 04:00 Min. Verfügbar bis 22.10.2020 Das Erste

Auf den Spuren von Jakob Johnson

Ob ihm die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr helfen? "Ich wusste ein bisschen, was auf mich zukommt. Aber das ist eine ganz neue Gruppe mit vielen neuen Trainern." Tipps kriegt er zum Beispiel von seinem Mitstreiter aus dem 2019er-Programm, Jakob Johnson. Der Stuttgarter konnte sich im vergangenen Jahr durchsetzen, erkämpfte sich einen Platz bei den New England Patriots und hat bereits Pässe von Quarterback-Legende Tom Brady gefangen. "Die Deutschen sind auf jeden Fall Vorbilder, mit manchen habe ich auch Kontakt", so Bada. Umso größer ist der Wille, es dieses Jahr zu schaffen: "Ich habe das ganze Jahr trainiert, damit es dieses Mal klappt."

Realistische Chance auf die NFL?

Wie hart der Weg ist, zeigen die Zahlen: ln den USA gibt es nach Angaben der NCAA jedes Jahr über 70.000 Spieler, von denen die meisten seit ihrer Kindheit mit Football aufgewachsen sind und bereits im College vor tausenden Zuschauern spielen. Von ihnen schaffen es am Ende gerade mal zwei Prozent zum professionellen Football. Doch David Bada ist optimistisch. "Es haben schon welche vor mir geschafft. Warum ich nicht auch?"

Die NFL - für Bada würde sie alles bedeuten: "Das ist der große Traum. Da geht es auch nicht um das Geld, sondern gegen die Besten spielen zu dürfen." Im April geht es für den Spieler der Schwäbisch Hall Unicorns erstmal zurück nach Deutschland. Hier wartet seine Familie inklusive seiner kleinen Tochter. "Das ist natürlich ein Opfer, dass man bringen muss", sagt er über den Verzicht auf sein gewohntes Leben. Im Mai bekommt er dann den Bescheid, ob es für ihn weitergeht. Für David Bada ist die Sache klar: "Einen Plan B habe ich nicht."

Stand: 19.02.2020, 10:22

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