Washingtons NFL-Team legt rassistischen Namen ab

Das Redskins-Symbol vor dem Stadion der Washington Redskins

Nach 87 Jahren

Washingtons NFL-Team legt rassistischen Namen ab

Von Heiko Oldörp

Jahrzehntelang hatten Amerikas Ureinwohner erfolglos gegen Namen und Logo der Washington Redskins protestiert. Nun gibt es die ersehnte Änderung - auf Druck von Sponsoren. Und weitere Teams könnten folgen.

ESPN sprach von "der wichtigsten Nachricht des Tages", die lokale TV-Station WJZ 13 in Baltimore vom "Ende einer Ära in Washington." Die Washington Redskins ziehen ihren 87 Jahre alten Beinamen und das Logo zurück. Die Entscheidung ist ein Sinnbild des aktuellen Klimas in den USA. Der Tod des Afro-Amerikaners George Floyd durch übertriebene Polizeigewalt hat das Land geschockt, wachgerüttelt und die Menschen mobilisiert. #BlackLivesMatter ist der Hashtag des Frühjahres. Statuen, Flaggen, Symbole, Maskottchen - alles wird jetzt nach möglichem rassistischen Hintergrund hinterfragt und überdacht.

"Die Leute stehen gerade für das, was sie für richtig erachten. Dies war der ideale Zeitpunkt, um Dan Snyder unter Druck zu setzen", sagt Ex-NFL-Profi Bryant McFadden, der mittlerweile als TV-Experte arbeitet. Allerdings war es der Druck von einflussreichen Geldgebern, die Besitzer Daniel Snyder keine andere Wahl ließen, als sich vom rassistischen Namen und dem verunglimpfenden Logo zu verabschieden. "Es war nicht Nächstenliebe, sondern Kapitalismus", hieß es im Fernsehsender CNN.

Die Mär vom Ehren der Ureinwohner

Die Redskins betonten immer, dass man mit Namen und Logo die Ureinwohner ehren wolle. Doch die Mehrheit von denen machte stets deutlich, dass sie all das nur kränke. "Die Redskins verkörpern unsere Erschöpfung", hatte Stephanie Vielle von der Blackfeet Nation 2014 in einem Interview mit der "Sports Illustrated" geklagt.

Daniel Snyder, Besitzer des NFL-Teams Washington Redskins

Daniel Snyder, Besitzer des NFL-Teams Washington Redskins

Snyder konnte die Aufregung nie verstehen und verwies auf die, seiner Meinung nach, "historischen Fakten." Genauer gesagt auf einen gewissen William Henry Dietz. Der war 1932, als der Club noch Boston Braves hieß, der erste Trainer. Als der damalige Eigner, George Preston Marshall, den Verein ein Jahr später in Redskins umbenannte, habe er dies getan, so erzählten sie jahrzehntelang im Verein, um Dietz zu ehren. Denn der habe immer betont, ein Sioux zu sein.

Der vermeintliche Sioux hatte deutsche Vorfahren 

"Coach Dietz war ein amerikanischer Ureinwohner. Die historischen Fakten sind die historischen Fakten", so Snyder. Fakt ist jedoch auch, dass Snyder mit seinen geschichtlichen Ausschweifungen falsch lag. FBI-Untersuchungen ergaben, dass William Dietz, der sich selbst den Indianernamen "Lone Star" gab, seine Herkunft nur erfand, um während des Ersten Weltkrieges nicht zum Militärdienst eingezogen zu werden. In Wirklichkeit hatte er deutsche Vorfahren.

Nachdem nun das scheinbar Unmögliche in Washington doch möglich wurde, fragt die New York Times bereits: "Wer ist der Nächste?" Kandidaten gibt es in Nordamerikas Profiligen einige. Allen voran die Cleveland Indians. Das Baseballteam hatte vor zwei Jahren sein Maskottchen "Chief Wahoo" abgeschafft - und vergangene Woche betont, dass man eine Namensänderung "erwäge". Die Atlanta Braves, ebenfalls aus der MLB, denken darüber nach, den "Tomahawk Chop" zu verbieten. Das Ritual des vor und zurück bewegenden Unterarms mit geöffneter Handfläche ist auch bei den Fans von Super-Bowl-Champion Kansas City Chiefs beliebt.

Und dann sind da noch die Chicago Blackhawks aus der Eishockeyliga NHL, deren Logo ein Ureinwohner mit Federschmuck ist. Man werde "nichts ändern" ließ der Klub kürzlich wissen. Vereinsname und Logo gingen auf "Black Hawk" zurück, "eine wichtige und historische Person von Illinois' Sac and Fox Nation, deren Führungsstil und Leben eine Inspiration für Generationen von Ureinwohnern, Veteranen und die Öffentlichkeit war." Das genügte als Begründung - vorerst zumindest.

Stand: 14.07.2020, 10:14

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