NFL - Kaepernick und der Traum vom Comeback

Colin Kaepernick

Football

NFL - Kaepernick und der Traum vom Comeback

Es ist fast drei Jahre her, dass der Footballer Colin Kaepernick zuletzt in der NFL gespielt hat. Sein Engagement gegen Rassismus und Polizeigewalt hat ihn in den USA zu einer Ikone gemacht, nur einen Verein fand Kaepernick fortan nicht mehr. Das könnte sich nun ändern.

Es sind gerade aufregende Tage für den Footballer Colin Kaepernick. Am Samstag (16.11.2019) wird er in Atlanta/Georgia ein privates Training für interessierte Teams abhalten, das hat die nordamerikanische Football-Profiliga NFL mittlerweile bestätigt. Kaepernick schrieb auf Twitter, er sei "in Form und seit drei Jahren dazu bereit. Ich kann es nicht abwarten, die Trainer und Manager am Samstag zu sehen".

Und das Interesse an diesem Termin ist offensichtlich groß. "Elf Teams - Arizona, Atlanta, Cleveland, Denver, Detroit, Miami, New England, die New York Giants, die New York Jets, Tampa Bay und Washington - haben sich bereits zur Teilnahme verpflichtet", teilte die Liga mit. Es ist davon auszugehen, dass noch mehr Vereine nachziehen werden. Videomaterial vom Training, das vom früheren NFL-Coach Hue Jackson geleitet wird, sowie einem anschließenden Interview mit Kaepernick werde allen 32 Klubs zur Verfügung gestellt, heißt es weiter.

Beinahe drei Jahre sind vergangen, seitdem Kaepernick zum bislang letzten Mal in der NFL aufgelaufen ist. Jetzt bekommt Kaepernick, der seit seinem Vertragsende bei den San Francisco 49ers im März 2017 ohne Verein ist, die Chance, sich für ein Comeback zu empfehlen.

Kaepernicks Engagement gegen Rassismus und Polizeigewalt

Während der Spielzeit 2016/17 hatte Kaepernick mit seinem Kniefall bei der US-Hymne gegen Rassismus und Polizeigewalt in Amerika protestiert - und dafür viel Anerkennung bekommen. "Ich werde nicht für die Flagge eines Landes aufstehen, in dem Schwarze und andere Minderheiten unterdrückt werden", hat Kaepernick einmal gesagt. Unterstützung erhielt er in dieser Ansicht von der politisch sehr engagierten Weltfußballerin Megan Rapinoe. "Solange die NFL Colin wegen seines Kniefalls effektiv ausschließen kann, wäre es ein Schlag in sein Gesicht, mit dem Protest gegen das System aufzuhören", sagte Rapinoe. 

Als sich in den Wochen und Monaten danach immer mehr Spieler Kaepernicks Protest anschlossen und der auch in anderen Sportarten Unterstützer fand, wuchs gleichzeitig auch der Druck der Gegenseite. Ihr wohl berühmtester Vertreter, der Präsident Donald Trump, beleidigte Kaepernick und seine Mitstreiter einmal als "Hurensöhne".

Protest auf Knien in den USA

Sportschau 18.12.2018 01:55 Min. Verfügbar bis 18.12.2019 ARD

Den Wirbel um die Proteste sah Kaepernick als einen Grund für das mangelnde Interesse anderer Teams nach seinem Aus in San Francisco und machte auch die NFL dafür verantwortlich. Später verklagte Kaepernick gar die Liga, weil ihm kein Team mehr einen Job geben wollte, obwohl seine sportlichen Qualitäten unbestritten waren.

Ein Vergleich und viele Fragen

Im Februar 2019 einigten sich die NFL und Kaepernick außergerichtlich auf einen Vergleich. Kaepernick hat dafür wohl eine Menge Geld von der Liga bekommen. Es gibt jedoch Experten, die sagen, er hätte noch viel mehr verdient, wäre er während der gesamten Zeit Stammspieler bei einem NFL-Klub gewesen. Als die Liga kurz darauf ein Statement veröffentlichte, las man davon nichts. "Die Beteiligten haben beschlossen, ihre Differenzen beizulegen. Der Beschluss enthält eine Verschwiegenheitserklärung, es wird keine weiteren Kommentare geben", hieß es.

Zum Zeitpunkt seines bislang letzten Spiels war Kaepernick 29, hinter ihm lagen da einige erfolgreiche Spielzeiten, in denen er die Position des Quarterbacks fast schon revolutionär interpretiert hatte. Die "Süddeutsche Zeitung" hat gerade einen Text über Kaepernick veröffentlicht, er trägt den Titel "Der Unberechenbare will zurück" - und das ist durchaus auch als Kompliment an den Footballer Kaepernick zu verstehen, der in besseren Zeiten durch sein Spielverständnis beeindruckte und auch durch das Unkonventionelle in seinem Spiel.

Das Training - ein verspätetes Geburtstagsgeschenk?

Vor einigen Tagen hatte Kaepernick Geburtstag, er ist 32 geworden. Einige Tage später hat ihn die Mitteilung der NFL erreicht, sie werde für ihn ein privates Training organisieren - doch wie ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk hat Kaepernick das offenbar gar nicht unbedingt empfunden. Wie das Sportportal "ESPN" berichtet, wurde Kaepernick erst wenige Stunden, bevor die Einladung an die Vereine rausging, informiert. Anschließend habe er die Vorbereitungszeit von nur drei Tagen moniert und darum gebeten, Training und Interviews auf den Dienstag zu verlegen. Das, so schreibt es "ESPN", sei jedoch abgelehnt worden.

Kritiker hatten schon kurz nach der Ankündigung des privaten Trainings Kritik an dem Termin geübt. Viele Chefcoaches und Manager aus der NFL, so die Hauptargumente, seien samstags mit der Vorbereitung auf die Spiele am folgenden Tag beschäftigt, Scouts seien bei College-Spielen unterwegs. Der Spieler Eric Reid, der sich 2016 als erster Aktiver den Protesten Kaepernicks angeschlossen hatte, sagt: "Es fühlt sich unaufrichtig an, an diesem Punkt eher wie ein PR-Stunt."

red/dpa/sid | Stand: 15.11.2019, 12:06

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