NFL-Draft 2019 - Wer sind die Topspieler?

Kyler Murray

Talenteauswahl der NFL

NFL-Draft 2019 - Wer sind die Topspieler?

Von Robin Tillenburg

In der Nacht von Donnerstag (25.04.2019) auf Freitag (die Runden zwei bis sieben finden an den darauffolgenden zwei Tagen statt) suchen sich die Teams in der US-amerikanischen Football-Liga NFL beim "Draft" wieder die besten Spieler aus den angemeldeten Talenten aus. Sportschau.de wagt sich an eine Top-Fünf-Prognose.

Die Auswahl an hochtalentierten jungen Leuten ist diesmal besonders groß und breit gefächert, eine genaue Prognose, ein sogenannter "Mock Draft", ist schwierig. Gerade die Teams, die früh wählen dürfen, haben mehrere große Baustellen in ihrem Kader. Welche sie als die größte erachten und somit durch einen Erst- oder Zweitrundenpick mit dem bestmöglichen Spieler zu stopfen versuchen, ist teilweise nur schwer vorherzusagen.

Grundsätzlich wählen die 32 Teams in insgesamt sieben Runden über drei Tage jeweils einen Spieler aus den zum Draft angemeldeten Spielern. Diese Spieler haben fast alle zuvor an Colleges Football gespielt, ab und an werden auch Spieler aus der kanadischen oder beispielsweise der deutschen Liga gedraftet. Das schlechteste Team der Vorsaison darf zuerst wählen, das beste zum Schluss. Immer wieder werden aber Draft-Picks untereinander getauscht ("Trade"), sowohl vor als auch nach der Auswahl des jeweiligen Spielers. Im Draft 2019 haben die New York Giants beispielsweise zwei Erstrundenpicks, das resultiert aus einem Trade mit den Cleveland Browns. In sogenannten "Compensatory Picks" können Teams, die viele Spieler aufgrund auslaufender Verträge verloren haben, noch ein bis mehrmals zusätzlich wählen.

Erster Pick (Arizona Cardinals): Kyler Murray, Quarterback, Oklahoma

Traden die Cardinals ihren Pick und bleiben selbst bei Quarterback Josh Rosen? Nehmen sie, wie lange sicher schien, Kyler Murray als neues Gesicht für ihre Franchise? Oder machen sie etwas ganz Verrücktes? Die Tendenz geht zur zweiten Alternative. Murray ist wohl der beste Quarterback und auch eines der schillerndsten Gesichter im diesem Draft-Jahrgang. Seine "Messung" beim Combine hat ihm noch einmal einen Schub gegeben, obwohl er an den Übungen gar nicht teilnahm. Denn: Murrays Körpergröße ist mit 1,78 m nicht so gering wie von manchen Teams erwartet wurde.

NFL - die Top-Spieler im Draft 2019 Sportschau 24.04.2019 00:59 Min. Verfügbar bis 24.04.2020 Das Erste

Gut möglich, dass die Cardinals mit Rookie-Coach Kliff Kingsbury und Rookie-Quarterback Murray das eigene Image und den eigenen Spielstil aufpolieren wollen. Das enorme sportliche Geschick des 21-Jährigen wird nochmal dadurch unterstrichen, dass er sogar beim Draft der Major League Baseball (MLB) 2018 an neunter Stelle ausgewählt wurde. Er entschied sich aber im Februar 2019 dazu, auf unter anderem 4,5 Millionen Dollar allein an Unterschriftsbonus zu verzichten und alles auf seine Football-Karriere zu setzen.

Zweiter Pick (San Francisco 49ers): Nick Bosa, Defensive End, Ohio State

Die 49ers werden sich fast absolut sicher defensiv verstärken. Die Frage ist eigentlich nur, ob es Quinnen Williams oder Nick Bosa wird, der künftig für die Kalifornier spielt. Im Pass-Rush, also dem "unter Druck setzen" des gegnerischen Quarterbacks, gibt es in diesem Draft keinen besseren als Bosa. Und hier hatte San Francisco in der letzten Saison definitiv Nachholbedarf.

Dass man zuletzt Dee Ford, seinerseits ebenfalls hervorragend in dieser Disziplin, per Trade geholt hat, zeigt, dass man die vorhandene Lücke erkannt hat. Das war auch nicht schwer: Die 49ers waren gegen gegnerische Quarterbacks insgesamt das zweitschlechteste Team der abgelaufenen Spielzeit. Mit dem Duo Bosa/Ford könnte das schnell anders werden.

Dritter Pick (New York Jets): Quinnen Williams, Defensive Tackle, Alabama

Bei den Jets wäre ein Trade des Picks durchaus wahrscheinlich. Wenn man davon ausgeht, dass Bosa und Murray schon gewählt sind, wäre Williams unter den übrigen Spielern wohl der, für den die meisten Teams einen ordentlichen Gegenwert bieten würden. Williams ist schnell, hat Power - auch wenn in Sachen Masse vielleicht noch mehr möglich wäre - und liest das Spiel extrem gut. Jedes Team, das seine Defense in der Mitte drastisch aufwerten will, dürfte Williams haben wollen - und dafür durchaus auch ein gutes Angebot machen. Allein die Tatsache, dass er mit "Defensive Player of the Year" Aaron Donald verglichen wird, zeigt sein Potenzial.

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Vierter Pick (Oakland Raiders): Ed Oliver, Defensive Tackle, Houston

Bei den Raiders weiß man ja nie. Damit ist eigentlich alles über die Möglichkeit gesagt, eine valide Prognose für den Pick des Teams aus Oakland abzugeben. Oliver wäre keine ganz verrückte Wahl, denn der Defensivspieler ist zwar nicht der größte Spieler auf seiner Position, aber unfassbar explosiv und vielseitig einsetzbar. Das Problem an diesem Pick: Oliver muss sinnvoll in ein Defensivschema integriert werden, um sein Potenzial maximal auszureizen. Kein NFL-Team ließ aber in der vergangenen Saison im Schnitt mehr Punkte zu als die Raiders - in diesem Punkt könnte es zumindest schwierig werden. Andererseits: Seine Qualitäten dürften der Abwehrformation von Paul Guenther allerdings zumindest individuell einen Schub geben.

Fünfter Pick (Tampa Bay Buccaneers): Josh Allen, Linebacker, Kentucky

Für die Buccaneers geht es zweimal in der Saison gegen Top-Quarterbacks wie Matt Ryan, Cam Newton oder Drew Brees. Was sie deshalb dringend brauchen: Druck auf die gegnerischen Spielmacher. Allen bringt eine unfassbare Athletik mit und kann das. Und mehr. Er hat sich zudem im letzten Jahr in Kentucky noch einmal signifikant steigern können - unter anderem von 7 Sacks auf 17. Wenn seine Entwicklungskurve auch nur annähernd so weitergeht, hat er das Potenzial, ein herausragender Outside Linebacker der NFL zu werden.

"Player to watch": D.K. Metcalf, Wide Receiver, "Ole Miss":

Groß, unfassbar schnell, unfassbar stark. Wenn man sich rein von den physischen Werten her einen idealen Passempfänger bauen müsste, käme man D.K. Metcalf ziemlich nah. Welchen Verteidiger will man gegen ihn stellen, der schnell genug ist, mit ihm mitzuhalten und gleichzeitig stark genug, ihn auch umzuwerfen? Beim Combine trauten viele Beobachter angesichts der Werte, die Metcalf ablieferte, ihren Augen kaum.

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Wenn es schnurstracks geradeaus geht, dürfte Metcalf kaum zu halten sein, seine Beweglichkeit ist aber ausbaufähig, seine Verletzungsanfälligkeit ein weiteres Fragezeichen. Die Teams, die in Sachen Wide Receiver aber Bedarf haben - Jacksonville, Washington oder Baltimore beispielsweise - könnten angesichts der Werte beim Combine versucht sein, einen frühen Pick für Metcalf zu "opfern". Der 21-Jährige ist zudem angesichts seines "Bodybuilder-Körpers" bereits jetzt eine schillernde Figur dieses Draft-Jahrgangs. Fotos von ihm gingen bereits weltweit durch die sozialen Medien.

Stand: 25.04.2019, 08:00

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