WM: Deutsche Fechter zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Matyas Szabo bei der WM 2017 in Leipzig

Fecht-WM in China

WM: Deutsche Fechter zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Zuletzt lief nicht viel zusammen bei Deutschlands Fechtern. Wenn es nach den Verantwortlichen geht, wird man die WM in China in einigen Wochen als Zeichen eines gelungenen Neuanfangs betrachten. Ob das gut geht?

Endlich raus aus der sportlichen Grauzone: Die deutschen Fechter gehen mit frischem Mut in die am Donnerstag (19.07.2018) beginnende WM im chinesischen Wuxi - und haben dabei auch schon Olympia 2020 im Blick. "Natürlich wollen wir nicht ohne Medaille zurückkommen. Das ist ganz klar", sagt Sven Ressel, Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes. "Aber wir machen das Abschneiden nicht an Medaillen fest."

Claudia Bokel, Präsidentin des Deutschen Fechterbundes

Claudia Bokel, Präsidentin des Deutschen Fechterbundes

Ressel soll die deutschen Fechter in enger Abstimmung mit Claudia Bokel, der Präsidentin des DFeB, in eine erfolgreichere Zukunft führen. Eine Medaillenvorgabe für das Turnier in China haben sie bewusst nicht formuliert, stattdessen streben beide nach nachhaltigen Reformen. Oder wie es Bokel sagt: "Wir arbeiten an einer Vision, dass wir 2028 wieder ganz vorn sind."

Die Hoffnungen ruhen auf den Säbelfechtern

Ganz vorn, da war der Deutsche Fechter-Bund zuletzt nur selten vertreten. Anspruch und Wirklichkeit - beim DFeB haben sie zuletzt erfahren, wie groß die Kluft dazwischen mitunter sein kann. In Rio ging man vor zwei Jahren gänzlich leer aus, bei der Heim-WM in Leipzig vor einem Jahr hatte Degenfechter Richard Schmidt (Offenbach) als Dritter für den einzigen deutschen Podestplatz gesorgt.

Diesmal liegen die größten Medaillenhoffnungen erneut vor allem auf den Säbelfechtern um Einzel-Europameister Max Hartung sowie Benedikt Wagner, Matyas Szabo und Richard Hübers (alle Dormagen), die als Mannschaft bei der EM vor wenigen Wochen Bronze holten.

"Ich versuche, nicht die ganze Zeit schon die Goldmedaille anzuvisieren und mir im Vorfeld selbst zu großen Druck zu machen. Ich will da Schritt für Schritt herangehen. Das habe ich auch schon vor der EM so gemacht", sagte Hartung, der als Athletensprecher immer auch den schwierigen Spagat zwischen dem politischen Parkett und der Planche bewältigen muss.

Mit Ebert, aber ohne Golubytskyi

Leonie Ebert

Florett-Hoffnung Leonie Ebert

Weitere Hoffnungsträgerinnen in Wuxi sind die Florett-Damen um das 19 Jahre alte Talent Leonie Ebert und Anne Sauer (beide Tauberbischofsheim). "Früher war ich immer die Junge. Jetzt bin ich in einer anderen Situation und habe gesehen, dass es klappen kann. Da macht man sich natürlich selbst ein bisschen mehr Druck. Ich bin heiß", sagte Ebert. Im Team müssen sie jedoch, wie bereits bei der EM, auf die ehemalige Vize-Weltmeisterin Carolin Golubytskyi wegen ihrer Babypause verzichten.

Schuften für Olympia

Doch in China geht es nicht nur um Medaillen, sondern auch schon um Olympia 2020. Weil sich in Tokio das Olympia-Desaster von Rio nicht wiederholen soll, wollen sich die Fechter eine gute Ausgangsposition für die im kommenden Jahr startende Olympiaqualifikation erarbeiten. Denn eine gute Weltranglistenposition garantiert eine einfachere Auslosung in den Qualifikationsturnieren.

Die Qualifikation für Tokio 2020 beginnt ab April nächsten Jahres und muss vor allem über die Mannschaften gelingen, da aus jedem qualifizierten Team drei Fechter im Einzelwettbewerb starten dürfen. In Rio hatten die deutschen Fechter erstmals seit 1980 bei Olympischen Spielen keine Medaille geholt. Damals hatten sich überhaupt nur vier deutsche Fechter für ihre Einzelwettbewerbe qualifiziert, die Mannschaften mussten gleich allesamt zu Hause bleiben.

Bis zum 16. Juli absolvierte das deutsche Team mit Florettfechter Benjamin Kleibrink (Tauberbischofsheim/Olympiasieger 2008) und Peter Joppich (Bonn/viermaliger Weltmeister) extra noch ein einwöchiges Trainingslager in Numata/Japan. "Wir müssen uns an das Klima und die Zeitumstellung anpassen. Mit Numata haben wir auch eine Kooperation hinsichtlich Tokio 2020", sagte Ressel. Erstmals seit 15 Jahren wird eine WM mit allen zwölf Disziplinen in Übersee ausgetragen. 2003 fanden die Titelkämpfe in Havanna/Kuba statt.

red/sid/dpa | Stand: 18.07.2018, 09:35

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