Fecht-WM - Deutschland erstmals seit 1974 ohne Einzelmedaille

Der Florettfechter Peter Joppich

Fechten - Weltmeisterschaft in Wuxi/China

Fecht-WM - Deutschland erstmals seit 1974 ohne Einzelmedaille

Der Frust sitzt tief im deutschen Fechterlager. Erstmals seit 1974 bleiben die einst so erfolgreichen Planchen-Könner bei einer kompletten WM ohne Einzelmedaille.

"Was soll ich sagen? Enttäuschend!" - so reagierte Sven Ressel nach dem Ende der Individualwettbewerbe in Wuxi. Fast trotzig schob der Sportdirektor hinterher: "Aber Statistiken interessieren mich nicht. Es war klar, dass es schwer werden wird, aber die super erfolgreichen Zeiten sind doch schon lange vorbei!"

Neuaufbau ab 2019

Gleichwohl hielt er fest, dass der Deutsche Fechter-Bund in China ja auch junge Athleten "mit Potenzial" am Start hatte. "Und es wird oft zu schnell zu viel erwartet", bemerkte er zum Neuaufbau, der für die am 1. April 2019 beginnende Olympia-Qualifikation wichtig ist.

Als letzter Deutscher schied am Dienstag (24.07.2018) Alexander Kahl im Florett-Achtelfinale mit 7:15 gegen Jun Heo (China) aus. Der Tauberbischofsheimer hatte zuvor gegen Nicholas Edward Choi aus Hongkong mit 15:13 und gegen Mengkai Huang aus China mit 15:12 gewonnen. Für Kahl stand am Schluss Position 14. Als jeweils Elfte waren Säbel-Europameister Max Hartung und die erst 18 Jahre alte Tauberbischofsheimerin Leonie Ebert mit dem Florett beste Deutsche.

Kleibrink und Joppich ebenfalls früh raus

Für 2008-Olympiasieger Benjamin Kleibrink, den viermaligen Einzel-Weltmeister Peter Joppich und den Bonner André Sanita war nach K.o.-Runde eins Schluss. Der für Tauberbischofsheim startende Kleibrink unterlag Italiens Olympia-Sechstem Giorgio Avola mit 7:15. Auch der Koblenzer Joppich musste sich einem Italiener geschlagen geben und unterlag dem Weltranglistenzweiten Alessio Foconi 11:15. Sanita verlor 9:15 gegen den Franzosen Erwann Le Pechoux.

Das Damensäbel-Duo Anna Limbach (Dormagen) und WM-Neuling Julika Funke (Künzelsau) musste ebenfalls früh passen. Funke unterlag im 64er-Feld Martina Criscio aus Italien mit 13:15. Die Vorjahresfünfte Limbach verlor nach dem 15:14 gegen Yingjia Ma aus China mit 8:15 gegen die Russin Swetlana Scheweljewa.

Deutsche Säbel- und Degen-Teams im Viertelfinale

Die Fechterinnen Beate Christmann (l.) und Alexandra Ehler (r.)

Immerhin: Deutschlands Degendamen und Säbelfechter stehen im Viertelfinale. Das Damendegen-Team mit den Leverkusenerinnen Alexandra Ndolo und Alexandra Ehler, der deutschen Einzel-Meisterin Beate Christmann aus Tauberbischofsheim und der Offenbacherin Monika Sozanska erreichte am Dienstag mit Siegen von 45:30 gegen Thailand und 42:36 gegen Italien das Viertelfinale. Dort ist am Mittwoch China als Olympia-Zweiter von Rio und WM-Zweiter von Leipzig 2017 allerdings eine hohe Hürde.

Auch die Herren sind weiter: Das Dormagener Säbel-Quartett mit Europameister Hartung, Benedikt Wagner, Richard Hübers und Matyas Szabo hatte am Dienstag in Wuxi beim 45:37 in der Runde der letzten 16 gegen Kanada allerdings große Probleme und musste nach Hartungs Auftaktgefecht einen 0:5-Rückstand aufholen. Am Mittwoch wartet im Viertelfinale ein schwerer Gegner auf den Weltmeister von 2014 und aktuellen EM-Dritten: Ungarn wurde in diesem Jahr in Novi Sad Europameister und war 2017 in Leipzig WM-Zweiter.

dpa | Stand: 24.07.2018, 11:52

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