Leonie Ebert - auf dem Weg in die Fecht-Weltspitze

Angespannt vor der Heim-EM: Florettfechterin Leonie Ebert

Fecht-EM in Düsseldorf

Leonie Ebert - auf dem Weg in die Fecht-Weltspitze

Von Jakob Halbfas

Den Sprung aus dem Junioren-Bereich hin zu den Senioren hat Leonie Ebert bereits geschafft. Die 19-Jährige will bei den diesjährigen Fecht-Europameisterschaften in Düsseldorf (17.06.- 22.06.2019) zeigen, was Sie kann und spricht über ihren eher ungewöhnlichen Karrierestart und über ihre sportlichen Ziele.

Angefangen hat Leonie Ebert mit dem Fechtsport bei der TG Würzburg. Mit acht Jahren schaute sie einer Freundin beim Fechttraining zu und war vom ersten Moment an begeistert. "Ziemlich schnell fand ich Fechten viel spannender und interessanter als die ganzen anderen Sportarten, die ich vorher gemacht habe", erzählt sie. "Das Fechten hat dann immer mehr Zeit in Anspruch genommen und irgendwann die anderen Sportarten verdrängt."

Für Ebert ist ihr Sport einzigartig. "Fechten ist für mich deshalb so interessant, weil es nie langweilig wird. Man muss sich jeden Tag neu auf die Gegner fokussieren, kein Gefecht ist gleich und es geht immer darum, möglichst kreativ und clever zu überlegen wie man den Gegner am besten austricksen kann", erklärt sie.

Ebert über ihre Leidenschaft Fechten: "Nie langweilig"

Sportschau 14.06.2019 00:33 Min. Verfügbar bis 14.06.2020 ARD

Das Talent ist früh zu erkennen

Eine lange Eingewöhnung brauchte Leonie Ebert mit acht Jahren nicht. Das Florett und die Würzburgerin passten von Anfang an gut zusammen.

"Ich habe glaube ich nach drei Monaten mein erstes Turnier gemacht. Das ist eher ungewöhnlich im Fechtsport. Ich habe aber sofort im ersten Wettbewerb einen Pokal geholt, und ab da war ich dann auf jedem Wettkampf, zu dem ich hinfahren konnte. Deswegen hat das so schnell seinen Lauf genommen."

Ebert: "Nach drei Monaten das erste Turnier"

Sportschau 14.06.2019 00:30 Min. Verfügbar bis 14.06.2020 ARD

Bereits nach zwei Jahren wurde die heute 19-Jährige vom Fecht-Club Tauberbischofsheim eingeladen und wechselte zu dem großen Fecht-Verein. "In Tauberbischofsheim gab es einfach mehr Trainingspartner und es wurde auf Anhieb alles mit einem Leistungssportgedanken verfolgt."

Ihre älteren Geschwister begannen ebenfalls früh mit dem Leistungssport. Durch Titel und Pokale, die sie mit nach Hause brachten, wurde die U17-Europameisterin zusätzlich angestachelt, immer besser zu werden und jeden ihrer Wettkämpfe zu gewinnen.

"Von da an war für mich klar: `Das möchte ich auch´. Das hat mich total motiviert. Ich wollte auf alle möglichen Wettkämpfe gehen und immer gewinnen. Ich habe mir dann immer neue Ziele gesetzt. Zuerst wollte ich bei deutschen Meisterschaften dabei sein, dann wollte ich die deutschen Meisterschaften gewinnen und so ist es immer weitergegangen. Und wer höhere Ziele hat, muss natürlich auch professioneller vorgehen."

Fechten und Schule parallel

Um diese Ziele zu erreichen, hat Leonie Ebert viel investiert, Schule und Freizeit mussten sich meist hinter dem Fechten anstellen.

"Für mich war die Abitur-Zeit sehr schwierig, weil ich die gesamte Junioren- und Aktiven (Senioren)-Saison bestritten habe. Ich war bei Welt- und Europameisterschaften, bei Weltcups und habe nebenbei versucht, mein Abi möglichst gut zu machen. Es war nicht einfach und das ging nur alles so gut, weil ich sehr viel Unterstützung von meiner Familie bekommen habe."

Florett-Fechterin Leonie Ebert: "2020 in Tokio bin ich dabei" Sportschau 14.06.2019 03:50 Min. Verfügbar bis 14.06.2020 Das Erste

Ihr Abitur hat die damals 17- Jährige 2017 erfolgreich absolviert. Im gleichen Jahr wurde sie unter anderem deutsche Vizemeisterin im Florett-Einzel und deutsche Meisterin mit der Florett-Mannschaft.

Nach der Schule ging es direkt zur Bundeswehr. "Es war klar, dass ich nach der Schule zur Bundeswehr gehen muss, wenn ich Fechten weiterhin als Leistungssport ausüben will. Es ist einfach die einzige Möglichkeit in Deutschland, eine Sportart wie Fechten professionell zu betreiben."

Neben dem täglichen Training studiert Ebert von zu Hause aus Internationales Management. "Ich weiß, dass Fechten eine Randsportart ist. Deswegen war es auch von Anfang an klar, dass ich nebenbei studieren werde", erzählt sie.

Angekommen im Senioren-Bereich

In dieser Saison ficht Leonie Ebert das letzte Mal bei den Juniorinnen. Dass sie längst bei den Senioren angekommen ist, zeigen die jüngsten Erfolge. Bei einem Weltcup in Kattowitz im Januar wurde sie das erste Mal in ihrer Karriere bei einem internationalen Wettkampf der Senioren Zweite. In der Weltrangliste ist die Würzbürgerin in diesem Jahr auf Platz sieben der Florettfechterinnen gesprungen.

Der Traum von Olympia

Doch zufrieden gibt sich die 19-jährige noch nicht: "Für mich war von Anfang an klar, dass ich eines Tages mal zu Olympia möchte." Dem Traum von Olympia kann sie bei den kommenden Europameisterschaften ein großes Stück näherkommen.

Neben den zwölf Titeln in Einzel- und Mannschaftswettbewerben können die Fechterinnen nämlich Qualifikationspunkte für die Olympischen Spiel 2020 in Tokio sammeln. "Darauf konzentriere ich mich im Moment jeden Tag, das ist das Wichtigste und das, was im Moment zählt", sagt sie.

Ihre Chancen bei der EM

Das Turnier in Düsseldorf ist bereits ihre dritte Senioren-EM. Mit 17 Jahren war Leonie Ebert das erste Mal in Tiflis bei einer EM mit dabei und holte direkt mit der Florett-Mannschaft die Bronze-Medaille. Wenige Tage vor ihrem Einsatz beim Florett-Einzel der Frauen (Dienstag, 18. Juni, ab 18 Uhr im Livestream) ist die Würzburgerin "positiv angespannt": "Es wird Zeit, dass es langsam losgeht," beschreibt sie ihre aktuelle Gefühlslage.

Ebert: "Zusammenspiel aus Degen und Säbel"

Sportschau 14.06.2019 00:40 Min. Verfügbar bis 14.06.2020 ARD

Mit den guten Platzierungen in diesem Jahr im Rücken hat Ebert die wohl größten Medaillen-Chancen in den Einzelwettbewerben der Frauen. Sie selbst hält sich mit Ansagen und großen Versprechungen zurück: "Ich glaube, jeder Leistungssportler geht in so einen großen Wettkampf rein und möchte einfach das bestmögliche Ergebnis erzielen und träumt von einer Medaille. Eine Medaille, ein Treppchen ist immer wünschenswert. Wir werden sehen, wie sich der Tag entwickelt."

Stand: 14.06.2019, 16:48

Darstellung: