Protest gegen eSport in der Schweiz

Fans von Young Boys Bern werfen Tennisbälle als Protest gegen eSport auf den Platz.

Bern gegen Basel

Protest gegen eSport in der Schweiz

Von Chaled Nahar

Das Schweizer Ligaspiel zwischen den Young Boys Bern und dem FC Basel hat eine ungewöhnliche Unterbrechung erlebt. Sie war nötig, weil die Fans gegen die eSport-Aktivitäten der Klubs protestierten.

Eigentlich boten die echten Leibesübungen im Berner Wankdorfstadion genug Gesprächsstoff. Die Young Boys Bern gewannen am Sonntag (23.09.2018) mit 7:1 gegen den FC Basel und untermauerten damit eine mögliche Wachablösung im Schweizer Fußball. Bern war schließlich 2018 der erste schweizer Meister seit 2010, der nicht FC Basel heißt. Das Thema des Tages in Bern hatte aber nichts mit dem Spiel zu tun.

Mit dem Werfen von zahlreichen Tennisbällen und Konsolencontrollern führten die Fans der Young Boys eine Spielunterbrechung herbei. Der gemeinsame Protest mit den eigentlich rivalisierenden Fans des FC Basel richtet sich gegen eSport.

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Fans wollen "eSport den Stecker ziehen"

Die Fans zogen ein großes Banner mit einem "Pause"-Symbol, zwei senkrechten Strichen, auf. "eSport dr Stegger zieh" ("eSport den Stecker ziehen") lautete das Motto. Ihre Klubs investieren zurzeit wie viele andere Erstligisten in Europa Geld in die Playstationspieler. Der Schweizer Verband soll eine eigene Liga planen, das Mitspielen möglicherweise Lizenzauflage werden.

"Dies hat mit unserem Sport und den Werten unseres Vereins rein gar nichts zu tun! Hier geht es nur um den Profit", heißt es in einem Facebook-Eintrag der "Ostkurve Bern", die den Protest offenbar organisierte. "Ein Sportverein soll die Menschen zu mehr Bewegung und sportlicher Betätigung anregen. Fußball ist ein Mannschaftssport und kein Einzelsport."

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Fans üben deutliche Kritik

Die Fans kritisierten weiter, dass Kinder viel zu oft vor Konsolen säßen, statt Sport zu treiben. "In einem Sportverein werden den Kindern und Jugendlichen wichtige Werte wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und vor allem Freundschaft vermittelt! Dies sind Werte, welche im E-Sport völlig verfehlt werden. Und dies für den Preis des Profits?! Nicht mit uns!"

Fans des FC Basel protestieren gegen eSport.

Fans des FC Basel protestieren gegen eSport.

Es ist nicht der erste Protest in der Schweiz. Auch in Basel protestieren die Fans gegen die Gamer im Klub. Das Nachrichtenportal Nau.ch stellte einen Stromausfall bei einem Spiel des FC Basel mit Fans in einen Zusammenhang, die demnach gemäß dem Motto "Stecker ziehen" protestieren wollten. Später wurde diese These widerlegt, eine Manipulation der Stromversorgung habe nicht vorgelegen.*

In Deutschland gibt es schon die "Virtuelle Bundesliga"

Auch in Deutschland haben zahlreiche Klubs aus der 1. und 2. Bundesliga eSportler verpflichtet, um mit ihnen im wachsenden Markt des eSports präsent zu sein. Im Trikot der bekannten Klubs treten sie in verschiedenen Wettbewerben an. Es gibt mittlerweile sogar Transfers. Cihan Yasarlar hat als erster FIFA-Profi bereits für zwei deutsche Bundesligisten gespielt. Sein Vertrag bei Schalke war ausgelaufen, 2017 wechselte er zu RB Leipzig.

Was in der Schweiz gerade von Fans bekämpft wird, ist in Deutschland schon Realität: In der eSport-Bundesliga spielen die Gamer einen deutschen Meister aus. Im April holte Tim "The StrxngeR" Katnawatos den Titel. Ironischerweise ist er auch noch für den FC Basel aktiv.

Grundfrage auch für Verbände: Ist das Sport oder nicht?

Die Grundfrage, die die Fans stellen, beschäftigt aber auch die Verbände: Ist eSport Daddelei an Computer und Konsole oder ein Sport? Beim Internationalen Olympischen Komitee, beim Deutschen Fußball-Bund und auch beim Deutschen Olympischen Sportbund wird darüber zurzeit gestritten. Die FIFA trug dagegen kürzlich sogar eine Weltmeisterschaft aus - allerdings in London und nicht beim FIFA-Sitz in der Schweiz.

*In einer früheren Version fehlte der Hinweis, dass eine Manipulation bei dem Stromausfall später ausgeschlossen wurde. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Stand: 24.09.2018, 10:38

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