Der Fußball setzt (plötzlich) auf den eSport

eFootball-Nationalspieler mit Controller

In der Corona-Pause

Der Fußball setzt (plötzlich) auf den eSport

Von Robin Tillenburg

Ob in Deutschland, Spanien oder Italien - in der Fußball-Zwangspause setzen viele Vereine intensiver als sonst auf das virtuelle Pendant an der Konsole.

Dass viele Fußballprofis in ihrer Freizeit gerne zum Controller oder zur Computermaus greifen, ist keine neue Erkenntnis. Bernd Leno und Mesut Özil haben ihre eigenen eSport-Teams, der Ex-Leipziger Diego Demme spielte bis zu seinem Wechsel zur SSC Neapel im Winter auch im virtuellen Bundesligakader der Leipziger in der Virtual Bundesliga mit, Marco Reus organisierte im Winter ein Fortnite-Turnier - die Liste der Beispiele ist lang.

Marketing-Instrument oder reales sportliches Bestreben?

Bei den Vereinen hat immerhin das virtuelle Fußballspiel, neuerdings "eFootball" genannt, auch langsam Einzug ins Tagesgeschäft gehalten. Viele Teams haben inzwischen Profi-Zocker für die in FIFA 20 ausgetragene Virtual Bundesliga auf PlayStation und Xbox unter Vertrag.

Für einige Klubs mag das ein reines "auf den Zug aufspringen" sein und eSport nur ein Marketing-Instrument. Schalke 04 hingegen setzt beispielsweise auch auf den "sportlichen" Wettkampf im digitalen Raum und unterhält ein eigenes League-of-Legends-Team mit Nachwuchsakademie und allem Drum und Dran.

"Home Challenge" für den guten Zweck

Das ist alles nicht neu. Neu ist aber, was jetzt in der Corona-Pause der internationalen Topligen passiert. Aus Mangel an "echtem" Fußball und auch zur Unterstützung der Stay-Home-Kampagne, die die Verbreitung des Coronavirus verlangsamen soll, rief die DFL die "Home Challenge" ins Leben.

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26 Profiklubs entsenden dafür Zweierteams, in denen mindestens ein Lizenzspieler und dazu gegebenenfalls noch ein eSportler für ihren Verein antreten und aus dem eigenen Wohnzimmer um den Finaleinzug kämpfen. Das Ganze geht über mehrere Wochen und wurde bereits am vergangenen Premierenwochenende auf den diversen Kanälen der Virtual Bundesliga und der Klubs live gestreamt. Generierte Einnahmen werden gespendet.

Auch Dortmund ändert die eigene Haltung

Maximilian Eggestein, Maximilian Mittelstädt oder Achraf Hakimi waren einige prominente Namen, die am ersten Wochenende für ihre Klubs im Einsatz waren. Beim Namen Hakimi wird der eine oder andere stutzen. Denn Borussia Dortmund galt lange Zeit neben dem FC Bayern München als größter Gegner der eSport-Bewegung.

Inzwischen denkt man um. Auch das Basketballspiel in "NBA2K" von Dortmunds Mats Hummels gegen Real Madrids Torhüter Thibaut Courtois war dem BVB zumindest Social-Media-Posts wert.

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Internationale Beispiele

Denn am eSport kommt man gesellschaftlich kaum noch vorbei, in der aktuellen Situation noch weniger. Nicht nur in Deutschland. In Italien pausiert zwar auch das Pendant zur Virtual Bundesliga, die "eSerie A", doch ein Online-Sonderturnier wurde zur Überbrückung trotzdem ins Leben gerufen. Inter Mailand triumphierte dort am Sonntag im Finale (29.03.2020). Im Gegensatz zur deutschen Ausgabe, die noch einige Wochen weiterlaufen wird, waren dort nur eSportler im Einsatz.

In Spanien war das anders, Real Madrids Marco Asensio vertrat die "Königlichen" bei einem FIFA-Turnier, bei dem Spieler von 18 der 20 Erstligisten an den Start gingen, und gewann den Titel.

Virtuelles Länderspiel mit Asensio, Leno, "MoAuba" und Co.

Möglicherweise auch deshalb ist Asensio, im realen Leben übrigens mit Kreuzbandriss außer Gefecht, auch Teil das spanischen Kaders, der am Montagabend zum Länderspiel gegen Deutschland antritt. Eigentlich hätte man sich am Sonntag auf dem echten grünen Rasen getroffen, doch weil das aktuell eben nicht geht, haben die Verbände sich auf ein virtuelles Kräftemessen verständigt.

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Ein Nationalspieler, ein U-21-Akteur, eine U-19-Nationalspielerin und ein Mitglied der "eNationalmannschaft" spielen vier FIFA-Partien gegeneinander. Für Deutschland sind das Bernd Leno, Nico Schlotterbeck, Vanessa Fudalla und Mohammed "MoAuba" Harkous.

Bei dem vom englischen Viertligisten Leyton Orient organisierten Turnier #UltimateQuaranTeam, bei dem Vertreter von 128 Fußballvereinen vom eSportler bis hin zum Profikicker wie Crystal-Palace-Profi Andros Townsend antreten, geht es neben dem Spaß auch darum, Geld für finanziell in Schieflage geratene EFL-Teams zu sammeln.

Stärkere Verzahnung hätte nur Gewinner

Die Liste der Turniere ist lang, die Quoten sind mit oft sechstelligen Abrufzahlen der Streams gut, die Akteure ziehen begeistert mit - der eSport und der traditionelle Sport nähern sich weiter an.

Sport goes eSport: Wie Radsport, Ski, NBA und DEL die virtuelle Welt erobern wollen I eSportschau Sportschau 19.12.2019 14:43 Min. Verfügbar bis 19.12.2020 Das Erste

Stand: 30.03.2020, 11:40

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