eSport - Immer Ärger mit dem FIFA-Wert

Jadon Sancho im BVB-Pullover

Bewertungen sorgen für Unmut bei Spielern und Fans

eSport - Immer Ärger mit dem FIFA-Wert

Von Robin Tillenburg

Jedes Jahr aufs Neue ärgern sich Fußballprofis und ihre Fans über die Leistungsstärke ihrer virtuellen Kopie in der Fußball-Simulation FIFA. Auch das frisch erschienene FIFA 20 ist keine Ausnahme. Woran liegt das?

Borussia Dortmunds Profi Jadon Sancho war unzufrieden und tat das auch kund. Bei Twitter und im Interview mit "11 Freunde". Was war passiert? Der beste Vorlagengeber der Bundesligasaison 2018/19 bekam in FIFA 20 eine 77 als Wertung in der Kategorie "Passspiel" - bei maximal möglichen 99 Bewertungspunkten. Zu wenig, befand Englands Nationalspieler.

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Mit dieser Meinung ist er nicht alleine, zahlreiche Fans kommentieren in den sozialen Netzwerken diese "Ungerechtigkeit". Auch der Verein selbst äußerte sich - mit humoristischer Note - und forderte die Community auf, Sancho zum "Bundesliga-Spieler des Monats" zu wählen. Wenn das passiert wäre, wäre von Sancho eine in den Wertungen verbesserte Version in FIFA 20 kreiert worden, die die User für einen gewissen Zeitraum im Modus "Ultimate Team" hätten bekommen können.

Bewertungen werden heiß diskutiert

Spieler des Monats der Bundesliga wurde Robert Lewandowski. Eine nachvollziehbare Wahl. Auch seine "Karte", wie die Bewertungsbilder auch wegen des "Sammelkarten-Faktors" des Spielmodus' Ultimate Team genannt werden, war Teil einer kontroversen Diskussion. Denn Lewandowskis Gesamtwert hatte sich von FIFA 19 zu FIFA 20 von 90 auf 89 verschlechtert - obwohl der Stürmer des FC Bayern eine herausragende Saison gespielt hatte.

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Der 31-Jährige selbst beschwerte sich bisher nicht. Viele andere Spieler und ihre Fans aber schon. Rio Ferdinand war beispielsweise schon 2013 wütend über die Einschätzung seiner Geschwindigkeit (60). Niklas Süle gehörte 2018/19 in Sachen Endgeschwindigkeit zu den schnellsten Sprintern der Bundesliga, aber rangierte in FIFA 20 mit einer Wertung von 72 hinter Akteuren wie Andrej Kramaric oder Kevin Vogt.

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Früher Skat - heute Konsole

Dass sich gerade Spieler, die mit den Spielkonsolen der neueren Generation und eben auch dem Modus Ultimate Team "aufgewachsen" sind, über die Bewertungen echauffieren, ist nachvollziehbar. Das Spiel ist allgegenwärtig - mehr als 1,5 Millionen Mal verkaufte sich FIFA 19 alleine in Deutschland.

In Ultimate Team wollen die Zocker das bestmögliche Team zusammenstellen, um in Online-Duellen einen Vorteil zu haben. Dafür werden Unsummen ausgegeben, mehrere tausend Euro teilweise.

Stärkung der eigenen Marke

Was früher Skat oder Doppelkopf im Mannschaftsbus oder Teamhotel waren, ist heute eben die Konsole. Der frühere italienische Nationalspieler Andrea Pirlo behauptet in seinem Buch, vor dem WM-Finale 2006 ganz selbstverständlich noch auf der Konsole gezockt zu haben.

In den "besten" Teams vertreten zu sein, ist auch für die Fußballer eine Auszeichnung, die zur Stärkung der eigenen Marke beitragen kann. Der Kultstatus, den der inzwischen 37 Jahre alte "Bodybuilding-Fußballer" Adebayo Akinfenwa erreicht hat, obwohl er "nur" in der dritten und vierten englischen Liga spielt(e), ist auch seinem Spitzenwert in der Kategorie "Stärke" in den FIFA-Spielen zu verdanken.

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Die Krux mit der Geschwindigkeit

Gerade die Schnelligkeit spielt für viele FIFA-Zocker eine wichtige Rolle - vor allem auf den Flügelpositionen, im Angriff und in der Innenverteidigung. Zentrale Mittelfeldspieler "dürfen" auch etwas langsamer sein. Kommentare wie "schöne Karte, aber unspielbar" liest man häufig in den sozialen Medien, wenn wöchtentlich das "Team der Woche" mit verstärkten Spielerkarten vorgestellt wird.

Der Portugiese Nani - auch wenn er in FIFA 20 noch keine "Sonderkarte" erhalten hat - wäre so ein Beispiel. Mit einer Geschwindigkeitswertung von 72 als linker Flügelspieler und dazugehöriger "Physis" von 62 dürfte er es schwer haben, sich in direkten Duellen gegen Außenverteidiger entscheidend abzusetzen. Der Schalker Daniel Caligiuri würde ihn mit Wertungen von 74 und 76 in einem virtuellen Laufduell wohl abdrängen - da helfen auch Nanis Dribblingkünste (86) nicht dauerhaft.

Entwicklung der Karten als Streitthema

Fans des Europameisters und Champions-League-Siegers schauen also in die Röhre. Auch die des FC Liverpool, die nach der Fabel-Saison ihres Teams auf einen verstärkten Roberto Firmino gehofft hatten, um ihn in ihr Team einzubauen, wurden enttäuscht. Tatsächlich ist seine Bewertung in der für einen Stürmer wichtigen Kategorie "Schuss" sogar niedriger als im Vorjahr.

Eine realistische Entwicklung der Karten von Jahr zu Jahr ist ohnehin ein - auch für die FIFA-Macher - schwieriges Thema. Dass James Rodriguez insgesamt von 88 auf 85 heruntergestuft wurde, lässt sich begründen. Dass seine Geschwindigkeit aber so eklatant gesunken ist, wie das Spiel es suggeriert (von 72 auf 55) ist eher unwahrscheinlich.

Profis mit eigenen eSport-Teams

Welchen Stellenwert das virtuelle Fußballspiel für manche Profis hat, sieht man auch daran, dass neben Mesut Özil nun auch Bernd Leno sein eigenes eSport-Team gegründet hat. Ob die Spieler von "Leno e-sports" in Ultimate Team zwangsläufig auch ihn selbst ins Tor stellen müssen, ist nicht bekannt. Mit einer Gesamtbewertung von 84 gehört er aber zu den 20 besten Keepern im Spiel.

Letzte Randnotiz: Marc-André ter Stegen ist mit 90 besser bewertet als Manuel Neuer (88). Das darf jetzt nur niemand an Uli Hoeneß weitergeben.

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Stand: 26.09.2019, 17:02

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