Virtual Bundesliga - die Club Championship geht in die zweite Saison

Michael Bittner

eSport

Virtual Bundesliga - die Club Championship geht in die zweite Saison

Von Tom Klees

Die von DFL und Electronic Arts initiierte VBL Club Championship geht in die zweite Saison. In dem zur Saison 2018/19 gegründeten Wettbewerb kämpfen Vereine der Bundesliga und 2. Bundesliga virtuell um die deutsche Klub-Meisterschaft. Wie funktioniert die VBL Club Championship und welche Chancen bietet sie für die Vereine?

Bereits seit 2012 gibt es die Virtual Bundesliga (VBL) – ein Projekt der Deutschen Fußball Liga (DFL) und des Spieleherstellers Electronic Arts. Dahinter verbirgt sich der erste professionelle eFootball-Wettbewerb, in dem der deutsche Meister in der Fußballsimulation FIFA ausgespielt wird. Bis zur Saison 2018/2019 haben an diesem Turnier ausschließlich Einzelspieler teilgenommen. Seit einem Jahr spielen die Vereine ihre eigene Klub-Meisterschaft aus.

So funktioniert die Club Championship

Seit vergangener Saison neu in den Wettbewerb integriert: die Club Championship. Eine geschlossene Liga. Nur Vereine der "realen" 1. und 2. Bundesliga dürfen hier mit ihren eSport-Teams an den Start gehen, es gibt keinen Auf- oder Abstieg. Mit dabei sind etwa Schalke 04, Werder Bremen, Hertha BSC Berlin, VfL Bochum oder Holstein Kiel.

Von 36 möglichen Teilnehmern sind 22 in der virtuellen Liga vertreten. Gespielt wird an 21 Spieltagen, jeder gegen jeden, ohne Rückrunde. Damit keine Mannschaft einen Wettbewerbsvorteil hat, wird im sogenannten "levelled off" oder auch "85er Modus" gespielt. Das bedeutet, dass alle virtuellen Spieler die gleiche Spielstärke von 85 besitzen. 

Der Modus orientiert sich am "Davis-Cup-Format". Pro Spieltag treten jeweils zwei Mannschaften in drei Spielen gegeneinander an: Ein Einzelspiel auf der Playstation, ein Einzelspiel auf der Xbox und ein "2 gegen 2" auf der von der Heimmannschaft favorisierten Konsole. Pro Spieltag kann eine Mannschaft also bis zu 9 Punkte sammeln. Das führt zu mehr Spannung im Wettbewerb, denn große Tabellenabstände sind so leichter zu überbrücken.

Ein vielversprechendes Marketingtool für Vereine

Für die 22 teilnehmenden Klubs bietet sich mit der VBL Club Championship eine Vermarktungschance in der rasant wachsenden eSport-Branche. Die sieht auch Maurice Sonneveld, Leiter der Digital-Media-Abteilung bei Hertha BSC: "Was wir in Berlin merken ist, dass wir nochmal ganz neue Zielgruppen ansprechen können."

Besonders die "Generation Z" sei es, die im Fokus der Klubs stehe. Junge Menschen, die noch keine Stadionerfahrung haben, könnten über den eSport für den Bundesligafußball begeistert werden: "Möglicherweise kann man, wenn man ein bisschen in die Zukunft blickt, auch Hertha BSC-Fan werden, wenn man im ersten Schritt den virtuellen Selke mag und sich dann überlegt, den möchte ich mir vielleicht mal in Wirklichkeit auf dem Feld angucken", sagt Sonneveld.

Engagement im eSport: Hertha BSC als Vorreiter Sportschau 11.10.2019 00:34 Min. Verfügbar bis 11.10.2020 Das Erste

Wiesbaden und St. Pauli sind neu dabei – Dortmund und Bayern verwehren sich weiterhin

Dieses große Potenzial sehen auch der SV Wehen Wiesbaden und der FC St. Pauli. Beide Mannschaften schicken ab der kommenden Saison ebenfalls ein eFootball-Team in das Rennen um die Club Championship. Da der FC Ingolstadt und die SV Sandhausen ausscheiden, bleibt es bei 22 teilnehmenden Mannschaften.

Anhänger von Borussia Dortmund oder Bayern München suchen die eSport-Vertreter ihres Lieblingsvereins vergeblich: Sowohl die Dortmunder als auch die Bayern haben der Virtual Bundesliga eine Absage erteilt. "Natürlich hätten wir gerne alle Klubs der Bundesliga und 2. Bundesliga mit dabei, aber diese Entscheidung treffen die Klubs selber", sagt Andreas Heyden, CEO Digital Sports bei der DFL.

Als Fußballliga könne nur versucht werden, die bestmöglichen Bedingungen zu schaffen. Ob es in der kommenden Saison ein Preisgeld für den Klub-Meister gibt, ist noch offen. In der Premieren-Saison gab es zumindest keines. Angesichts der großen Vermarktungsmöglichkeiten dürfte eine potenzielle Meisterschaftsprämie für die Klubs aber ohnehin zweitrangig sein.

Personalwechsel bei Titelverteidiger SV Werder Bremen

Sportlich hofft Meister SV Werder Bremen, seinen Titel verteidigen zu können. Und das trotz einer gravierenden Umstrukturierung des Teams: Der aktuelle deutsche Meister - sowohl in der Einzelmeisterschaft als auch auf Klubebene - Michael Bittner ("MegaBit") muss in der kommenden Saison auf seinen Teamkollegen Mohammed Harkous "MoAuba" verzichten.

Der FIFA-19-Weltmeister wechselt zu Fokus Clan, ist somit nicht mehr startberechtigt für die Club Championship. Der Weggang wurde laut Bittner aber gut kompensiert: "Mit Erhan wurde einer der Erfahrensten überhaupt in der Szene verpflichtet." Erhan Kayman ("Dr. Erhano") wechselt zur kommenden Saison vom VfB Stuttgart zu Werder Bremen und wird zusammen mit Bittner um die Klub-Meisterschaft zocken.

Angesprochen auf die rasante Entwicklung des eSport, insbesondere im eFootball-Bereich, gerät Bittner ins Schwärmen: "Das waren Sachen, von denen habe ich vor ein paar Jahren vielleicht mal eine Utopie gehabt, aber davon habe ich nicht mal zu träumen gewagt. Und heute ist das einfach Realität."

Bittner über eSport-Entwicklung: "Momentan geht's nur nach oben" Sportschau 11.10.2019 01:09 Min. Verfügbar bis 11.10.2020 Das Erste

Fazit: Eine Liga mit viel Potenzial

Fest steht, im eFootball steckt noch viel ungenutztes Potenzial. Mit Blick auf die Vereinsseite haben Ende 2017 viele Klubs begonnen, eSport-Strukturen zu schaffen. Jetzt folgt die weitere Professionalisierung in den Bereichen Trainingsbedingungen, Ernährung oder Coaching. Aus Sicht der DFL lautet das Ziel, eFootball als Zuschauersport zu verbessern. So werden alle Spiele online gezeigt, sowie 13 ausgewählte Spiele live im Free-TV übertragen.

Stand: 11.10.2019, 18:56

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