Tim_Latka - "FIFA 17" als Beruf

Tim Schwartmann spielt bis zu 40 Partien am Wochenende

Tim_Latka - "FIFA 17" als Beruf

Von Moritz Ladwig

Der Schalker eSportler Tim "Tim_Latka" Schwartmann gehört zu den besten "FIFA"-Spielern in Deutschland. Der 18-Jährige holte sich seine Grundlagen auf dem realen Platz.

Jedes Wochenende hängt Tim an seiner Xbox. Mehr als zehn Stunden verbringt er allein von Freitag bis Sonntag in Ultimate Team, einem Modus im Spiel "FIFA 17".

Dort sammeln Gamer ähnlich wie Panini-Sticker Spieler, um sich ein Team daraus zu bauen. Spieler wie Ronaldo, Messi oder auch Legenden wie Franz Beckenbauer können in Packs gezogen oder auf dem Transfermarkt gekauft werden.

Geld, Leistung, Team-Chemie

Dafür kann man echtes Geld ausgeben oder sich die neuen Spieler erspielen. Je besser ein Spieler, desto seltener und damit teurer ist allerdings seine Karte. Spieler aus einer Liga oder einer Nation bekommen eine Verbindung in der taktischen Aufstellung und erhalten so eine Team-Chemie, die sich positiv auf die Spielwerte auswirkt. Und damit tritt er dann in den virtuellen Arenen dieser Welt an - vom Santiago Bernabéu in Madrid bis zur Arena auf Schalke.

Gespielt wird vor allem eins gegen eins. Entweder spielt man sich online von Liga zehn bis in die erste Liga oder nimmt an den Qualifikationsturnieren für die FUT (FIFA Ultimate Team) Champions-Wochenenden teil. Dort haben Spieler dann zum Teil 40 Spiele, in denen es nur Sieg oder Niederlage gibt.

Je mehr Siege, desto besser ist das Ranking am Ende des Wochenendes. In manchen Monaten zählt dann das Endranking jedes Wochenendes. Wer gut genug ist, qualifiziert sich für die Regional Finals beispielsweise in Paris oder Madrid. Dort wird dann offline gegen die anderen Spieler gespielt.

An der Taktik tüfteln

Dass daraus ein Beruf werden könnte, daran war lange nicht zu denken. In anderen Spielen wie "League of Legends" oder "Dota 2" ist das schon lange der Fall. Bei "FIFA" hat es bis 2015 gedauert. Denn da machte der VfL Wolfsburg als erster Bundesliga-Verein den Schritt in den eSport. Drei Spieler haben die "Wölfe" für "FIFA" unter Vertrag, die allerdings unabhängig voneinander spielen. Gelegentlich gibt es Show-Matches gegen andere Teams, bei denen auch mal zwei gegen zwei gespielt wird.

Schalke 04 zog wenig später nach und stellt aktuell mit dem 23-jährigen Cihan Yasalar den zweifachen deutschen Meister.

Gegen ihn spielt auch Tim Schwartmann regelmäßig. Für die Vorbereitung auf Turniere, bei denen es teilweise sechsstellige Preisgelder zu gewinnen gibt, probieren die Profis verschiedene Formationen und Taktiken aus. “Man kann gerade auf dem Niveau sehr gut an der Taktik schrauben. Da muss man alles testen - und es sind eben dann die paar Prozente, die es ausmachen, wenn zwei gleichstarke Spieler gegeneinander spielen.”

Basics vom Fußballplatz

Die Spielweise der Mannschaft kann vom Druck aus der Abwehr bis zu offensiven Laufwegen, von der Häufigkeit der Flanken bis hin zu Spieltempo nach vorne bestimmt werden. Sein taktisches Verständnis hat er noch selbst vom Fußballplatz. Bis zur C-Jugend spielte er selbst als Innenverteidiger bei seinem Heimatverein in der Nähe von Gelsenkirchen.

Dass er im Gegensatz zum echten Fußball die meisten seiner Gegner gar nicht zu Gesicht bekommt, ist für ihn normal: “Es ist schon komisch, wenn man dann gegen jemanden aus Japan spielt. Aber so ist halt das Onlinespielen, und davon lebt es eben. Ich bin damit aufgewachsen und kenne es auch nicht anders.”

"Eine Arbeit wie jede andere"

Noch studiert Tim Schwartmann Informatik, bald wird er aber vor der Entscheidung stehen, eSport in Vollzeit zu leben. Als Nerd fühlt er sich deshalb aber nicht: “Ich habe meine ganz normalen sozialen Kontakte und spiele das so, wie andere acht Stunden arbeiten. Ich beschäftige mich halt am Wochenende acht Stunden mit 'FIFA'. Das ist eine Arbeit wie andere auch, nur halt etwas Neues.”

Stand: 06.06.2017, 08:00

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