eNations Cup - Deutschlands frühes Aus

Mohammed 'MoAuba' Harkous und Michael 'Megabit' Bittner aus Deutschland gucken enttäuscht über ihre Leistung

Frankreich triumphiert

eNations Cup - Deutschlands frühes Aus

Von Robin Tillenburg

Trotz Titelambitionen ist die deutsche eSport-Nationalmannschaft beim FIFA-eNations-Cup in London früh ausgeschieden. Frankreich siegte am Ende. Für die eSport-Szene in Deutschland könnte das weitreichende Folgen haben. Die müssen aber nicht negativ sein.

Die beiden FIFA-Profis von Werder Bremen Michael "MegaBit‘ Bittner" und Mohammed "MoAuba" Harkous hatten sich in der Vorrundengruppe mit Norwegen, Argentinien, Brasilien und Schweden durchaus Chancen ausgerechnet, als eines von zwei Teams das Viertelfinale zu erreichen.

Nach dem Auftaktsieg gegen Norwegen und den anschließenden Niederlagen gegen Argentinien und Brasilien war aber schon nach dem ersten Turniertag am Samstag (13.04.2019) klar: Die DFB-Auswahl ist ausgeschieden. Das abschließende Remis gegen Schweden am Sonntag war schließlich sportlich nicht mehr relevant - und dennoch ebenfalls irgendwie enttäuschend.

"Favoritensterben"

Zwei Spielern, die auf ihrer jeweiligen Konsole (MegaBit spielt auf der Xbox, MoAuba auf der PlayStation) jeweils zu den zehn besten Spielern der laufenden Saison weltweit gehören und sich zudem sogar durch ihre gemeinsamen Erfahrungen im Klub ganz gut kennen, wäre mehr zuzutrauen gewesen. Sichtlich geschockt waren sie selbst auch über die eigenen Resultate und zeigten sich auf ihren Kanälen in den Sozialen Medien extrem enttäuscht.

Dass auch andere Favoriten wie Saudi-Arabien mit Starspieler "MSDossary" (Vorrundenaus) und England mit "TekKz" (Viertelfinale) nicht an die erwartete Leistung herankamen, ist zwar bemerkenswert, dürfte die DFB-Jungs aber nicht wirklich getröstet haben.

Parallelen zur Fußball-WM: Frankreich siegt, Fragen beim DFB

Corentin 'MAESTRO' Thullier und Lucas 'DaXe' Cuillerier aus Frankreich feiern ihren Sieg im Finale

Corentin 'MAESTRO' Thullier und Lucas 'DaXe' Cuillerier aus Frankreich feiern ihren Sieg im Finale

Am Ende triumphierten die Franzosen, die es ebenfalls beinahe schon in der Gruppenphase erwischt hätte. "Maestro" und "DaXe" entschieden das Endspiel gegen Argentinien knapp für sich und feierten ihren Triumph auf dem virtuellen Rasen ähnlich emotional wie ihre Kollegen auf dem echten Grün, die vor etwa neun Monaten ihrerseits Weltmeister geworden waren.

Ganz genau wie beim Turnier in Russland muss der DFB sich nun fragen, welche Schlüsse er aus dem Abschneiden der eigenen Auswahl ziehen will. Ansonsten ist die Lage aber natürlich eine andere als die von Joachim Löw und Co. im vergangenen Sommer. Denn: Der DFB hatte sich ziemlich kurzfristig, erst etwa einen Monat vor dem Turnier, entschlossen, das FIFA-Spielen in Deutschland zur offiziellen "Chefsache" zu machen.

Strukturen müssen erst geschaffen werden

Echte Strukturen im Hinblick auf eine Nationalmannschaft lassen sich in so kurzer Zeit natürlich nicht aufbauen, dementsprechend wurde die Teilnahme beim eNations-Cup als DFB-Auswahl quasi aus dem Boden gestampft. Die Wahl von "MoAuba" und "MegaBit" als Spitzenspieler ergab durchaus Sinn, als Nationaltrainer entschied sich der Verband für den 26 Jahre alten Benedikt "SaLz0r" Saltzer, der selbst als aktiver Spieler für den VfL Wolfsburg über viel Erfahrung auf Spitzenniveau verfügt, als Trainer aber ein Novize ist.

Generell ist die Frage nach der Wichtigkeit eines professionellen Trainerteams im eSport und speziell auch für FIFA-Teams nicht eindeutig geklärt, grundsätzlich schaden kann ein qualifizierter "Beistand" aber sicherlich nicht. Fest steht aber: Viel Vorbereitungszeit für seine Aufgabe hatte "SaLz0r" nicht.

DFB und eSport - "nachhaltiges Projekt?"

Der DFB, der sich trotz durchaus einiger kritischer Positionen im März für das Projekt eSport entschieden hatte, hatte sich sportlich sicherlich mehr vom ersten großen Turnier versprochen. Ein gutes Abschneiden oder sogar der Titel hätten Prestige gebracht und Argumente gegenüber den Kritikern am Engagement des Verbandes für den immer noch oft stiefmütterlich behandelten eSport geliefert. Auch für den eSport selbst bedeutet die Unterstützung durch den DFB eine Menge und ist ein kleiner Schritt auf dem Weg zur breiteren Anerkennung in Deutschland, die das professionelle Gaming in vielen anderen Teilen der Welt bereits genießt.

Dass das Projekt nun aber wieder fallen gelassen wird, muss die Szene nicht befürchten, sagt zumindest Holger Merk, seines Zeichens Senior Head of Strategic Marketing des DFB im "kicker". Merk spricht von einem "nachhaltigen Projekt". Wenn das tatsächlich so gemeint ist, ist es vielleicht sogar langfristig gesehen gar nicht so schlecht, dass beim ersten großen Turnier viele Dinge schief gelaufen sind. Bei einem Erfolg hätte sich möglicherweise gleich eine gewisse Zufriedenheit eingestellt und Maßnahmen zur besseren Strukturierung und Professionalisierung wären ausgeblieben.

So weiß man beim DFB, dass es definitiv Baustellen gibt, an denen gearbeitet werden muss. Dass rein sportlich das Potenzial vorhanden ist, um die frische "Ehe" zwischen eSport und Deutschem Fußball Bund eine glückliche werden zu lassen, können die deutschen Spitzenspieler schon bei der Einzel-Weltmeisterschaft im Sommer unter Beweis stellen.

Stand: 15.04.2019, 14:58

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