NHL-Restart: Zwei Eishockeyblasen im Hochsommer

Testspiel zwischen den Calgary Flames und den Edmonton Oilers in der NHL

Leon Draisaitl im Fokus

NHL-Restart: Zwei Eishockeyblasen im Hochsommer

Die beste Eishockeyliga der Welt spielt ab Samstag den Stanley Cup aus. 24 Mannschaften haben sich dafür in zwei kanadische Hygiene-Blasen begeben – mittendrin ein Deutscher, der die beste NHL-Saison seiner Karriere jetzt krönen möchte.

Für gewöhnlich denkt selbst im Mutterland des Eishockeys Anfang August niemand so wirklich an Eishockey. In diesem Sommer aber ist alles anders. Die eishockeyverrückten Kanadier freuen sich auf zehn Wochen Eishockey nonstop. Los geht's am Samstag (01.08.2020).

Um nach der Coronapause noch einen Stanley-Cup-Sieger zu küren, hat die NHL hat ihre beiden "Blasen" in Edmonton und Toronto eingerichtet. Hier gelten strenge Hygienevorschriften, und der sportliche Modus ist dazu kurzerhand auch angepasst worden. "Ich bin persönlich ganz glücklich damit, wie das Format jetzt ist", sagte der deutsche NHL-Topscorer Leon Draisaitl von den Edmonton Oilers.

Keine Zuschauer, aber 32 Kameras

Die Liga hat sich bewusst für zwei kanadische und gegen US-amerikanische Städte entschieden, weil hier die Infektionszahlen deutlich niedriger sind und waren. Edmonton und Toronto sind die sogenannten Hub-Cities. Die Teams der Eastern Conference spielen in Toronto, in der Halle der Maple Leafs. Die Mannschaften der Western Conference werden in Edmonton antreten.

In der Heim-Arena von Draisaitl finden dann auch die beiden Conference-Finals und die Endspiele um den Stanley Cup statt - allesamt ohne Zuschauer. Die Liga hat daher die TV-Übertragung immens aufgewertet: Bei den Partien sollen 32 Kameras, 12 mehr als sonst, für ein Highlight an den Bildschirmen sorgen.

Der Modus

Die 24 besten Teams sind vor Ort. Es geht direkt mit der K.o.-Runde los. Die nach der regulären Saison jeweils vier besten Mannschaften im Osten und Westen stehen bereits in der ersten Playoff-Runde und kämpfen in einer sogenannten "Round Robin" (drei Spiele, jeder gegen jeden) für die beste Platzierung. Die Teams zwischen Platz fünf und zwölf ermitteln in einer Qualifikation im Modus Best-of-Five die Gegner. Ab der ersten Playoff-Runde (ab 11. August) benötigt der Sieger die gewohnten vier Siege (Best-of-Seven) zum Weiterkommen. "Dieser Plan wird einen würdigen Stanley-Cup-Champion hervorbringen", ist sich NHL-Commissioner Gary Bettman sicher.

Die Spieler und Betreuer sind während der Playoffs - analog zu den Corona-Blasen in der NBA und MLS - komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Keines der maximal 50 Mitglieder eines Teams darf den Hygiene-Bereich verlassen. Die Eishockey-Stars sind in drei Hotels in Edmonton und zweien in Toronto untergebracht, jeweils in der Nähe der Arenen. In den jeweiligen Zonen befinden sich Bars, Restaurants, Kinos und  weitere Sportanlagen.

Tägliche Tests - alle Stars sind dabei

Die Mannschaften werden täglich auf das Coronavirus getestet. Zuletzt gab es laut Liga bei Testungen von über 800 Spielern kein einziges positives Ergebnis. Sollte es einen Corona-Fall geben, wird der Akteur sofort isoliert. Trotz der bis zu zehnwöchigen Isolation gab es von den Spielern bislang kaum Absagen. Alle Stars sind bei ihren Teams.

Und dazu gehört auch Leon Draisaitl, der seine bislang herausragende Saison fortsetzen will. Als erster Deutscher wurde er als bester Scorer der regulären NHL-Saison 2019/20 (110 Punkte) ausgezeichnet. Weitere individuelle Auszeichnungen könnten noch folgen: Sowohl bei der Ehrung zum wertvollsten Spieler der NHL-Saison (Hart Memorial Trophy) als auch dem von den NHL-Profis selbst gewählten Ted Lindsay Award gehört Draisaitl zum engsten Favoritenkreis.

Sturm: "Er kann das Spiel lesen"

Als wahrer Draisaitl-Fan hat sich unterdessen auch Ex-Nationaltrainer Marco Sturm geoutet. Der aktuelle Co-Trainer der LA Kings traut den Oilers eine Überraschung zu: "Sie haben eine talentierte Mannschaft" und den "wahrscheinlich besten Spieler" in dieser Spielzeit - Draisaitl.

"Ich kann ihm nur dazu gratulieren, was er in dieser Saison geleistet hat". Die große Stärke des gebürtigen Kölners sei, dass er "das Spiel lesen kann", dass er "immer einen Gedanken voraus ist". Außerdem könne Draisaitl nach Auffassung von Sturm gut mit dem Druck umgehen, der gehöre für einen Eishockeyspieler in Kanada einfach dazu "wie beim FC Bayern" in Deutschland.

Oilers müssen Umweg gehen

Einen echten Favoriten auf den Stanley Cup gibt es wegen der langen Pause nicht, meint Draisaitl: "Jedes Team, das jetzt dabei ist, hat eine Chance, den Stanley Cup zu gewinnen", sagte der 24-jährige.

Die Oilers treffen in der Qualifikationsrunde für die Playoffs am Samstag auf die Chicago Blackhawks. Den ersten Test unter neuen Bedingungen haben Draisaitl und seine Oilers beim 4:1 gegen die Calgary Flames in der Nacht zu Mittwoch gut gemeistert. Draisaitl steuerte einen Assist bei, als er das zwischenzeitliche 2:0 durch Superstar Connor McDavid auflegte. Auf dem Eis ist bei den "Gastgebern" also schon wieder alles beim Alten.

Und wenn dann spätestens am 4. Oktober im Mutterland des Eishockeys der Stanley Cup in die Höhe gewuchtet wird, ist eigentlich auch schon wieder Eishockeyzeit und der Sommer längst vorüber. Die neue Spielzeit soll dann im Übrigen am 1. Dezember starten.

dpa/sid | Stand: 30.07.2020, 10:00

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