Dominik Kahun - der Assistent der NHL-Superstars

Dominik Kahun

Dominik Kahun - der Assistent der NHL-Superstars

Von Heiko Oldörp

In der Jugend hatte Dominik Kahun bessere Statistiken als Leon Draisaitl. Von den NHL-Klubs wurde er trotzdem zunächst übersehen. Inzwischen aber spielt er in Nordamerika Seite an Seite mit ganz großen Eishockey-Entertainern.

Dominik Kahuns Karriere in Nordamerikas Eishockey-Profiliga NHL ist noch nicht einmal anderthalb Jahre alt. Dennoch könnte der kleine Blondschopf schon ein Buch schreiben. Genügend zu erzählen hätte er jedenfalls. Denn Kahun hat in seiner kurzen Zeit nicht nur gegen alle Stars gespielt, sondern sogar an der Seite von vier besonders Großen der NHL.

Vergangene Saison trug er nach seinem Wechsel von Red Bull München das Trikot der Chicago Blackhawks - und stürmte an der Seite von Jonathan Toews und Patrick Kane. Beide hatten mit den Blackhawks zwischen 2010 und 2015 dreimal den Stanley Cup gewonnen. Toews war zudem zweimal mit Kanada Olympiasieger geworden, während Kane die Auszeichnung zum wertvollsten Spieler (MVP) gewann sowie Topscorer wurde.

Kahuns Arbeit kommt an

Nach seinem Wechsel im Sommer zu den Pittsburgh Penguins heißen Kahuns Sturmpartner nun unter anderem Jewgeni Malkin und Sidney Crosby. Beide haben seit 2009 den Stanley Cup dreimal nach Pittsburgh geholt - und jede Menge weiterer Auszeichnungen und Ehrungen erhalten. "Ist natürlich super, macht Spaß, mit solchen Spielern zu spielen. Ich genieße es jedesmal, wenn ich mit denen auf dem Eis stehe", sagt Kahun im Gespräch mit sportschau.de

NHL-Profi Kahun: "Ich genieße jedes Spiel" Sportschau 17.01.2020 02:15 Min. Verfügbar bis 17.01.2021 Das Erste

Einen Lieblingsspieler unter den Superstars hat er nicht. Alle seien "so gut" - und er probiere einfach nur, "mein Ding durchzuziehen und für die hart zu arbeiten", betont Kahun. Diese Einstellung macht ihn bei Trainer Mike Sullivan äußerst beliebt. "Er ist ein großartiger Junge, ein Wettkampftyp und arbeitet sehr hart. Und er zeigt auf Trainer-Entscheidungen immer die richtige Reaktion", lobt Sullivan. Als der Coach den 24-Jährigen am 2. November im Heimspiel gegen Edmonton nicht aufstellte, weil Malkin nach einer Verletzung wieder fit war, ließ Kahun seine Enttäuschung darüber an den Gewichten im Kraftraum aus - und traf umgehend im nächsten Spiel.

Kahun Erster in ungewöhnlicher Statistik

Bereits in seiner Premieren-Saison hatte Kahun auf sich aufmerksam gemacht - mit einer ungewöhnlichen Statistik. Er war von allen Profis, die in jedem Spiel eingesetzt wurden, der Letzte, der auf die Strafbank musste. "Das ist ziemlich beeindruckend und zeigt, wie diszipliniert er ist, wie gut er skatet. Denn als Neuling bekommst du nichts geschenkt, da pfeifen die Schiedsrichter im Zweifel eher gegen dich", meinte Blackhawks-Trainer Jeremy Colliton damals.

Die Tageszeitung "Chicago Tribune" schrieb bereits davon, dass Kahun "der erste Profi der NHL-Geschichte in einer 82 Spiele umfassenden Saison ohne Strafzeit" werden könne. Doch am 18. Februar 2019 endete seine Serie im 60. Saison-Einsatz. Kahun erhielt wegen Hakens gegen die Ottawa Senators eine Zwei-Minuten-Strafe.

Umweg über München

Dass der Nationalspieler, der beim sensationellen Gewinn der olympischen Silbermedaille 2018 ein unverzichtbarer Leistungsträger der deutschen Mannschaft war, nun in der stärksten Eishockey-Liga der Welt arbeitet, hätten ihm viele nie zugetraut. Denn als sich die NHL-Klubs im Sommer 2014 bei der so genannten Draft unter den weltweiten Nachwuchstalenten bedienten, hatte niemand Interesse am starken und schnellen Techniker.

"Anscheinend war ich zu klein, nicht unbedingt der Stärkste", sagt Kahun, der 1,80 Meter misst und 79 Kilogramm wiegt.  "Aber", fügt er mit einer Mischung aus Stolz und Trotz an: "Ich habe immer an mich geglaubt und ich hab’s geschafft." Über den Umweg München mit drei Deutschen Meisterschaften in vier Jahren kam Kahun im Herbst 2018 dann doch in die NHL.

 206 Punkte in 30 Spielen

So wie er hier nun Malkin oder Crosby auflegt, bereitete Kahun einst viele Tore von Leon Draisaitl vor. Zwischen 2009 und 2012 bildeten die beiden bei den Mannheimer Jungadlern eine Sturmreihe, wie es sie in Deutschlands Nachwuchsligen zuvor noch nicht gegeben hatte. Dass Draisaitl den Spitznamen "German Gretzky" hat, rührt aus jener Zeit in Mannheim.

In der Saison 2010/11 waren dem heutigen Star der Edmonton Oilers in 29 Partien sagenhafte 192 Punkte gelungen. Als kanadische Journalisten diese Zahlen sahen, kam umgehend der Vergleich zu Wayne Gretzky. "The Great One" hatte in seiner Jugend ebenfalls atemberaubende Statistiken gehabt. Allerdings übersahen die Medienvertreter damals, dass es da in jener Saison noch einen anderen Spieler gab, der sogar noch mehr Punkte als Draisaitl hatte - Dominik Kahun. Ihm waren in 30 Partien 206 Zähler gelungen.

Ist er also der wahre "German Gretzky"? Kahun wiegelt ab. "Nein, das würde ich nicht sagen. Der Leon ist jetzt einer der Besten in der NHL, er macht einfach sein Ding, ist überragend in Edmonton und ein sehr, sehr guter Spieler." Doch Kahun, der einst für zu leicht und zu schwach Befundene, hat sich ebenfalls in der NHL etabliert - sogar an der Seite von Superstars wie Jewgeni Malkin und Sidney Crosby.

Stand: 17.01.2020, 11:06

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