Söderholms Eishockey-Nationalspieler - sie wollen doch nur spielen

Toni Söderholm freut sich auf die Spiele

Deutschland Cup in Krefeld

Söderholms Eishockey-Nationalspieler - sie wollen doch nur spielen

Von Burkhard Hupe

In Krefeld wird in der kommenden Woche internationales Eishockey gespielt. Der Deutschland Cup soll trotz zahlreicher Corona-Absagen ausgetragen werden. Für viele Nationalspieler werden es die ersten Spiele unter Wettkampfbedingungen seit über einem halben Jahr sein. Für Bundestrainer Toni Söderholm wird es ein wichtiges Wiedersehen. Nicht nur sportlich, sondern auch für den Kopf.

Bundestrainer Söderholm ist kein Mann für das Pathos. War er nie. Liegt vielleicht an seiner Herkunft. Von finnischen Männern wird ja erzählt, dass sie mitunter ihre Frauen so sehr lieben, dass sie es ihnen sogar fast sagen würden. Söderholm liebt Eishockey, das steht immerhin fest. Und jetzt ist er in großer Sorge um seinen Sport, so, wie viele andere auch. "Es hat mich in den letzten Monaten sehr beschäftigt", sagt er. Was nur verständlich ist, denn oberflächlich betrachtet ist Söderholm seit einem Jahr ein Bundestrainer ohne Nationalmannschaft. Das bislang letzte Länderspiel jedenfalls wurde am 10. November 2019 in Krefeld gespielt. Deutschland Cup. Gegen die Slowakei. Es ging verloren. So wie fast jede Erinnerung an dieses Spiel.

Drei Teams beim Deutschland Cup

Nun darf der Söderholm wieder an der deutschen Eishockeybande stehen. Denn in der kommenden Woche wird tatsächlich wieder ein Deutschland Cup ausgetragen. In Krefeld. Es sind jedoch nur drei und nicht wie sonst vier Mannschaften dabei. Nacheinander haben Russland, die Schweiz, die Slowakei und nun auch Norwegen abgesagt. Nur die Letten wollen noch kommen. Das dritte Team ist deshalb auch ein deutsches, ein Perspektivteam für die Olympischen Winterspiele in Peking.

Interessante Perspektivspieler dabei

Zuschauer wird es keine geben. Zumindest nicht in der Halle. Was schade ist, denn in der deutschen Junioren-Auswahl werden Spieler wie beispielsweise Lukas Reichel aus Berlin zu sehen sein, der vor ein paar Wochen in der ersten Runde des NHL-Drafts von Chicago an Land gezogen wurde. In der A-Mannschaft wird Verteidiger Leon Gawanke auflaufen, der sich in Kanada auf dem Sprung ins NHL-Team aus Winnipeg befindet. Diese Reihe ließe sich noch fortsetzen. Ein Name taucht dabei allerdings nicht auf: Leon Draisaitl. Der aktuell mutmaßlich beste Spieler der Welt trainiert zwar im Augenblick in seiner Heimatstadt Köln, seine Teilnahme am Deutschland Cup scheitert jedoch an der Versicherungsprämie, die sein Club Edmonton dafür einfordert.

"Große Freude über meinen Anruf"

Weil die Konturen der neuen DEL-Saison in Deutschland nach wie vor im dichten Nebel des Ungewissen verschwinden, sich deshalb auch etliche Nationalspieler in Kurzarbeit befinden, wird der Deutsche Eishockey-Bund zumindest für eine Woche zum Arbeitgeber. "Die Spieler haben sich sehr gefreut, als ich sie angerufen und eingeladen habe", sagt Toni Söderholm. "Sie sind sehr glücklich, dass sie endlich wieder spielen können." Der DEB schenkt seinen Nationalspielern also eine Woche Normalität. Eine Woche Eistraining. Vier Tage Wettkampfpraxis. Eine Woche Hoffnung, vielleicht auch nur Erinnerung. Der DEB hat auf jeden Fall einen Sportpsychologen dabei, damit die Spieler auch über existenzielle Dinge reden können.

Es ist müßig, über den sportlichen Wert dieser Veranstaltung zu diskutieren. Wichtiger ist wohl die symbolische Bedeutung des Deutschland Cups. "Wir müssen und wir werden das Positive herausziehen. Es muss alles total zielgerichtet sein", erklärt Söderholm. Was danach kommt? Wie es mit dem deutschen Eishockey, mit der DEL in diesem Winter weitergehen wird? Der Bundestrainer hält kurz inne. "Ich habe leider keine Glaskugel", antwortet er schließlich. Für einen Finnen ist das wahrscheinlich schon recht vielsagend.

Stand: 29.10.2020, 08:30

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